Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

31. Juli 2017

Mein Favorit (1)

Toni Schlegel mag das Plakatmotiv der Ausstellung der Graphischen Sammlung

Die BZ hat Freiburgerinnen und Freiburger gebeten, zu einem ausgewählten Kunstwerk der Graphischen Sammlung etwas zu erzählen. Diesmal spricht Toni Schlegel, Gastronom im Greiffeneggschlössle, über die Zeichnung „Der Freiherr von Greiffenegg auf der sturmumtosten Festung Osoppo".

  1. Zeichnung von Johann Heinrich Ramberg „Der Freiherr von Greiffenegg auf der sturmumtosten Festung Osoppo“ Foto: Axel Kiliam

  2. Toni Schlegel Foto: IngoSchneider

Ein künstlerischer Leckerbissen ist die aktuelle Ausstellung im neuen Haus der Graphischen Sammlung im Augustinermuseum: "Greiffenegg und Ramberg – eine Freundschaft in Zeichnungen". Die Badische Zeitung hat Freiburgerinnen und Freiburger gebeten, zu jeweils einem der ausgestellten Kunstwerke etwas zu erzählen. Heute erklärt Toni Schlegel, Gastronom im Greiffeneggschlössle, was ihn anspricht an der Zeichnung "Der Freiherr von Greiffenegg auf der sturmumtosten Festung Osoppo " – und warum er sich dem Freiherrn verbunden fühlt.

"Dieses Bild zieht mich sehr an: Es erzählt vom Standhalten in den Höhen und Tiefen des Lebens. Und beides hat Hermann Gottlob von Greiffenegg-Wolffurt gut gekannt – es gab reichlich Höhen und Tiefen in seinem bewegten Leben, und er hat etliche Schläge hinnehmen müssen. Welche? Na, er hat zum Beispiel nach seiner Entlassung aus einer Top-Stellung im Grunde unter seiner Qualifikation arbeiten müssen. Und als jemand, der zeitlebens loyal mit den Habsburgern war, hat er auch ganz schön viel von den wechselnden Winden abgekriegt, die ihn dann mit Napoleon trafen. Österreich – Frankreich: keine einfache Konstellation für Greiffenegg!

Werbung


Na, und auch in der Liebe hat er die Aufs und Abs erlebt. Und auch da ist er mir sympathisch. Er hatte den Mut zum Regelbruch, hat in einer Ménage à trois gelebt mit den beiden Frauen, die er geliebt hat – Josephine Lang und Agathe Mauch.

Immer wieder Gegenwind

Davon lebt eine Gesellschaft, dass Menschen sich über das Übliche hinausbewegen. Und egal, ob privat oder im Beruf: Immer wieder traf ihn Gegenwind – wie man hier auf dem Bild gut sieht. Das kommt mir sehr bekannt vor, dieses Standhaltenmüssen im Gegenwind.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, es empfiehlt sich, rechtzeitig nachzujustieren, bevor einen der Sturm umbläst. Greiffenegg wird hier von Ramberg gezeichnet, wie’s ihn doch umhaut – mitten im Feiern erwischt von einer Sturmböe. Es gefällt mir, dass Ramberg ihn offensichtlich so zeigen will: Als einen, der sich aussetzt, der nicht zurückzuckt. Und zugleich hat er die Fürsorglichkeit für seine beiden Frauen, die er unterhalb des Felsens in Sicherheit gebracht hat. Überhaupt duckt auf dem Weg alles weg vor der Gefahr – und Greiffenegg tut das Gegenteil, nämlich das, was ich immer meinen Kindern sage: Geht dahin, wo die Angst ist, um sie zu überwinden!

Diese Zeichnung hat’s nicht umsonst auf den Titel des Katalogs und auf die Plakate gebracht – da ist einer, der geht auf Risiko, der stellt sich den Herausforderungen, der ist unkonventionell. Und am Ende hat ihm dann doch seine Loyalität zu seinem Kaiser nichts genutzt – und er musste schließlich sein Schlösschen verkaufen. Dass er es damals an einen Bierbrauer verkauft hat, war die Entscheidung, dass sich das Anwesen zu einer Gastronomie entwickeln konnte. Letzten Endes hat Freiburg also ihm diese schöne Location zu verdanken.

Für mich hat die Zeichnung von Greiffenegg im Sturm maximale Lebendigkeit. Sie zeigt, dass sein Freund Johann Heinrich Ramberg ihm mit einigen schnellen Strichen eine ganze Reihe von Attributen attestiert. Die beiden muss wirklich eine tolle Freundschaft verbunden haben. Und hier zeigt er nicht nur den unkonventionellen, mutigen Freund, sondern sogar in dieser schemenhaften Darstellung meine ich zu erkennen, dass er den guten Geschmack seines Freundes für schöne Frauen ,erwähnt’. Sehr besonders!"

Toni Schlegel, 55, ist seit 1995 Chef des Greiffeneggschlössle auf dem Schlossberg. Der studierte Volkswirt ist als Gastronom inzwischen jedoch auch mit etlichen anderen Lokalitäten erfolgreich.

Autor: lit