Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

29. August 2011

Änderungen im Quartier

"Totenstille nennen wir das"

Die Sorge von Quartierbewohnern über die Folgen von Luxussanierungen im ehemaligen Franzosenviertel um Katharinen-, Rhein-, Albert- und Merianstraße für die bisherigen Mieter waren Inhalt des Berichtes "Das Klima im Stadtteil ändert sich" (BZ vom 18. August). Hierzu erreichten uns zwei Zuschriften mit gegenteiligem Tenor, die wir im folgenden abdrucken.

Vielen Dank für den Artikel, der die Sorgen und den Unmut der Anwohnerinnen und Anwohner gut zusammenfasst. Als langjährige Mieter im Haus Albertstraße 10, das dem Haus Katharinenstraße 13-15 gegenüberliegt und der Familienheim-Genossenschaft gehört (die zum Glück ihre Rasenflächen für alle offenhält), haben wir diesen Verdrängungsprozess genauso miterlebt.

Er begann 2006 mit dem Verkauf von Wohnungen rund um die Merian- und Rheinstraße. In der Folge wurden alle sozialen Wohn- und Lebensplätze zwischen den Häusern beseitigt, indem sie durch Kaufverträge parzelliert und individualisiert wurden. Da ziehen dann meist Leute mit Geld und ohne Kinder ein.

Nun wird diese "Wohnruhe" als hochpreiswertige Wohnqualität vermarktet – Totenstille nennen wir das, wenn Kinder, Jugendliche und Erwachsene sich draußen vor dem Haus nicht mehr aufhalten können.

Und wo bleiben die einkommensschwächeren Mieter? Fast alle mussten ausziehen. Als Anreiz zahlen manche Immobilienspekulanten dafür eine vierstellige Abzugsprämie, die diese schnell wieder über die Zehn-Euro- statt über die Sechs-Euro-Kaltmiete "reinbekommen". Und wenn kinderreiche Familien dann gleich in den Landkreis ziehen, hat das Freiburger Stadtsäckel davon auch noch was, denn so können ein paar Sozialleistungen eingespart werden.

Werbung


Wer reicht da wem die Hand? Wer hat da Anlass, wen zu bremsen? Nur die Mieter, die die sogenannte Wohnruhe und die "Homogenisierung" ihrer Nachbarschaft als Beeinträchtigung ihres eigenen Lebensentwurfs sehen und sich dagegen wehren.

Gisa Windhüfel und Wolfgang Dittrich-Windhüfel, Freiburg

Autor: Gisa Windhüfel und