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13. Juli 2010

BZ-Interview

Umgestaltung Rotteckring: „Unerträglich in Hitzephasen“

Die geplante Umgestaltung des Rotteckrings zwischen Theater und Kollegiengebäude wird den Platz der Alten Synagoge sehr wohl aufheizen. Diese Prognose wagt Helmut Mayer, Leiter des Meteorologischen Instituts der Freiburger Universität.

  1. Wenn es heiß ist, lockt der Platz der Alten Synagoge zwischen Theater (rechts) und Kollegiengebäude II nicht gerade zum Verweilen. Die Pläne zur Umgestaltung am Rotteckring, sagen Kritiker, verschärfen die Situation. Foto: kunz

  2. Meteorologe Helmut Mayer Foto: schneider

Er hat das Klimagutachten gelesen, das ein Freiburger Büro im Auftrag der Stadtverwaltung erstellte. Und er teilt nicht dessen Fazit, wonach der Umbau von Freiburgs zweitgrößtem Platz keine Folgen für das thermische Wohlempfinden der sich dort aufhaltenden Menschen haben würde. Uwe Mauch hat sich mit dem Professor für Meteorologie und Klimatologie unterhalten.

BZ: Herr Mayer, Sie befassen sich seit langem auch mit dem Klima in Freiburg, haben Forschungsprojekte betreut und dabei auch den Platz der Alten Synagoge meteorologisch unter die Lupe genommen. Sie sind mit der Aussage des mikroklimatischen Gutachtens im Auftrag der Stadtverwaltung nicht einig. Warum?
Mayer: Das beauftragte Büro "Richter und Röckle" macht gute, sogar sehr gute Arbeit. Und ihr Gutachten hat sehr gute Ansätze.

BZ: Das heißt, Sie vermissen etwas?
Mayer: Es wäre sinnvoll gewesen, die numerischen Simulationen mit Messungen vor Ort abzugleichen. Sehr gut ist, dass Richter und Röckle nicht nur die Lufttemperatur betrachten, sondern auch das thermische Empfinden, also das, was wir als Stress empfinden. Allerdings ist der angewandte thermische Bewertungsindex etwas veraltet. Zudem hätte man unterschiedliche Planfälle durchrechnen können, zum Beispiel mit vielen und mit wenigen Bäumen. Das Gutachten trifft seine Prognose auf der Basis von nur einem halben Dutzend Punkten. Trotzdem sagt es klipp und klar: Die thermische Belastung wird im zentralen Bereich des Platzes ansteigen.

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BZ: Was ist daran so schlimm?
Mayer: Man muss den klimatischen Hintergrund berücksichtigen, in den Freiburg eingebettet ist. Seinetwegen wird Freiburg als wärmste Stadt in Deutschland bezeichnet. Durch Gebäude, durch die Umgestaltung wird das lokale Stadtklima verändert, was prinzipiell auf Menschen immer belastend wirkt. Ziel von Planungsmaßnahmen muss es daher sein, dass sich diese Situation verbessert.

BZ: Im Frühjahr war vom Klimawandel nicht viel zu spüren.
Mayer: Der Klimawandel zeigt sich nicht am Wetter einzelner Tage. Sicher ist, dass es wärmer wird. Freiburg wird davon besonders betroffen sein. Der Anstieg der Lufttemperatur wird von extremen Hitzewellen wie in den Jahren 2003, 2006 und 2009 begleitet. Es wird immer häufiger abrupt brutal heiß. Hitze wird ein Problem dieser Region werden. Zunehmen werden auch die starken Niederschläge, was übrigens eine Herausforderung für das Abwassermanagement ist, gerade auch bei der Planung des Platzes der Alten Synagoge. Im Winter ist das alles kein Problem, aber wegen des Sommers ist das ein Aspekt, den die Planer nicht zu lässig nehmen sollten. Ich habe Ihnen gegenüber mal gesagt, das werde ein kleiner Backofen. Ich würde heute sagen, es wird ein deftiger.

BZ: Hätte der Backofen denn Auswirkungen auf das gesamte Stadtklima?
Mayer: Es gibt kein einheitliches Gesamtklima einer Stadt. Es ist vielmehr charakterisiert durch verschiedene Mikroklimate, die immer lokal begrenzt sind.

BZ: Die Veränderung wäre lokal spürbar?
Mayer: Aber kräftig. Das lässt sich bereits anhand der vorliegenden Ergebnisse sagen. Die Verantwortlichen sollten sich Gedanken machen, wie die gesamte Fläche genügend Schatten bekommt. In der jetzigen Planung stehen die Bäume am Rand und haben eher Alibicharakter. Großkronige Bäume reduzieren die Hitze auf Menschen deutlich. Hingegen ist der klimatische Effekt von Wasser, das ja auf dem Platz der Alten Synagoge geplant ist, minimal.
BZ: Es sind ja mehr Bäume geplant als bisher.
Mayer: Aber immer noch zu wenige und vor allem dort, wo sie aus klimatischer Sicht wenig Sinn haben, zum Beispiel vor dem Kollegiengebäude I, wo es am frühen Nachmittag sowieso schon schattig ist. Landschaftsplaner haben bestimmt attraktive Konzepte, wie mehr Grün den Hitzeeintrag in die Stadt reduzieren könnte. Wir sollten uns dabei an den extremen Belastungen orientieren. Denn wegen des Klimawandels wird der Wunsch der Menschen nach thermischem Komfort wachsen.

BZ: In der Bürgerbeteiligung vor fünfeinhalb Jahren stand aber der Wunsch im Vordergrund, den Platz möglichst multifunktional zu nutzen, zum Beispiel für Konzerte. Das kollidiert mit dem thermischen Komfort durch Bäume.
Mayer: Richtig, aber man muss den Leuten sagen, mit Eurem Nutzungsanspruch handelt Ihr Euch einen Nachteil ein. Bei solchen Planungen gibt es immer verschiedene Faktoren. Und die gilt es abzuwägen. Der Umweltaspekt sollte in der Green City auch in der Praxis eine große Rolle spielen.

BZ: Freiburg ist auch eine Kulturstadt.
Mayer: Das habe ich noch nicht so dezidiert gehört. Der Platz jedenfalls wird meines Erachtens in Hitzephasen unerträglich sein. Darüber sollte man nochmals diskutieren. Die Gestaltung ist keine Frage von fünf Jahren, sondern ein Jahrhundertprojekt.

Die Bürgerinformation zur Umgestaltung am Rotteckring, die für heute im Konzerthaus geplant war, ist verschoben worden. Grund: Der Gemeinderat hat das Thema vergangene Woche von der Tagesordnung genommen. Er wollte weitere Informationen speziell zu den klimatischen Folgen des geplanten Umbaus einholen. Er wird am Dienstag, 27. Juli, über das Thema diskutieren. Danach wird auch die Bürgerinformation neu terminiert.

Autor: mac