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29. Oktober 2009 00:07 Uhr

Anonyme Anzeige

Staatsanwalt ermittelt gegen Freiburger Klinikchef

Ein Unbekannter hat den leitenden Direktor der Freiburger Uniklinik, W.H., in einer Anzeige der Korruption bezichtigt. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. Die Vorwürfe seien sehr konkret und detailliert.

  1. W.H., leitender Ärztlicher Direktor der Freiburger Uniklinik Foto: Ingo Schneider

Es gebe einen Anfangsverdacht, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Freiburg. Er bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Die Vorwürfe seien sehr konkret und äußerst detailliert.

In einer anonymen Anzeige erhebt ein Unbekannter schwere Vorwürfe gegen den Ärztlichen Direktor der drittgrößten Uni-Klinik Deutschlands. Soe heißt es: "Die Affäre um Hans Peter Friedl ist noch nicht ausgestanden und das verwerfliche Treiben am Universitätsklinikum Freiburg nimmt weiter unbeeindruckt seinen Lauf." Weiterhin beschuldigt der Schreiber – laut eigener Auskunft ein ehemaliger Klinikangestellter – H. unter anderem, bestechlich zu sein.

Auf den vier Seiten, die der BZ vorliegen, hat der anonyme Denunziant einiges zusammengetragen. So wirft er dem Klinikchef vor, in den momentanen Gesprächen mit der privaten Marx-Median-Gruppe über einen Kauf der Freiburger Klinik für Tumorbiologie die Verhandlungspartner der Uniklinik für Gegenleistungen über Interna informiert zu haben.

Die Vorwürfe des Schreibers

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Außerdem habe H. versucht, private Reisen über das Klinikum abzurechnen, habe auf Kosten von Pharmaunternehmen Konferenzen besucht, ohne dies als Dienstreise anzugeben, und für viel Uniklinik-Geld persönliche Einträge in Who-is-Who-Verzeichnisse eingekauft. Bedenklich findet der Schreiber auch eine angebliche Anweisung an einige Mitarbeiter, bestimmte Medikamente nur noch in einer speziellen Apotheke einzukaufen.

Die Verdächtigungen mögen völlig überzogen klingen, in manchen Details gibt sich der Denunziant erstaunlich gut informiert. Die von ihm angegebene Zahl von 31 Millionen Euro, die die Marx-Median-Gruppe ursprünglich für die Tumorklinik gefordert haben soll, wurde inzwischen bestätigt. Ebenso richtig scheint die zitierte Preisvorstellung der Gegenseite zu sein. Mehr als 15 Millionen will auch laut BZ-Informationen der Aufsichtsrat für den Klinikkauf nicht ausgeben.

Klinikchef geht an die Presse

"Wir erwarten, dass die Vorwürfe entkräftet werden", lässt H. über seinen Anwalt Ferdinand Gillmeister ausrichten. Sein Mandant möchte die Angelegenheit jedenfalls schnellst möglich aufklären. Der Klinikchef hat sich aktiv an Presse und Staatsanwalt gewandt und will sich nach Prüfung der Unterlagen bis Ende der Woche gegen die Vorwürfe verteidigen.

Gespannt auf die Stellungnahme dürfte das Wissenschaftsministerium in Stuttgart sein, das nun vor Ort Unterlagen prüfen will. Am Freitag will sich der Aufsichtsrat der Klinik zu einer außerordentlichen Sitzung treffen.

Ärztliche Direktoren fordern rasche Aufklärung

Derweil haben zahlreiche Ärztliche Direktoren ihren Aufsichtsrat aufgefordert, "unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten eine Aufklärung der Angelegenheit herbeizuführen". Die Chefärzte der einzelnen Kliniken fürchteten eine "irreparable Beschädigung des Klinikums" und seien empört über die "Denunziationskampagne" gegen H.

An der Freiburger Uniklinik herrscht seit Monaten Unruhe, unter anderem wegen des juristischen Tauziehens um den früheren Freiburger Skandalchirurg Hans-Peter Friedl. Innerhalb der Führung des Klinikums hatte es im Sommer zudem Streit um Personalfragen gegeben, der an die Öffentlichkeit gelangt war. Der Ärztliche Direktor der Klinik steht seither auch in der Kritik.

Update der Redaktion (15.3.2010): Die Staatsanwaltschaft Freiburg hat die Ermittlungen gegen W.H. Anfang Dezember 2009 eingestellt, da kein hinreichender Tatverdacht vorlag (siehe BZ-Bericht: Ermittlungen gegen Klinikchef H. eingestellt).

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Autor: Michael Brendler