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24. November 2011 19:28 Uhr

Alexander-Ecker-Sammlung

Uni Freiburg gibt 14 Herero-Schädel an Namibia zurück

Die Universität Freiburg hat entschieden. Sie gibt 14 Herero-Schädel aus der Alexander-Ecker-Sammlung an Namibia zurück. Weitere Aktionen dieser Art könnten folgen.

  1. 1370 Schädel hat die Uni Freiburg gesammelt. Nun wird geprüft, welche davon ethisch problematisch sind und zurückgegeben werden sollen (Symbolbild). Foto: Thomas Kunz

19 der 1370 Schädel der Sammlung wurden untersucht, bei 14 gilt nun als sehr wahrscheinlich, dass sie von Herero stammen. Zehntausende Herero wurden vor einem Jahrhundert von deutschen Kolonialtruppen ermordet. "Ethisch problematisch" sind aber vermutlich deutlich mehr der in Freiburg gelagerten Schädel.

Es bleiben viele Fragen offen. Bei rund 200 Schädeln wird angenommen, dass sie aus Afrika stammen. Untersucht wurden aber nur 19, bei denen die Hinweise auf einen Bezug zu Südwestafrika (heute Namibia) besonders klar waren, bilanzierten am Donnerstag Dieter Speck, der Leiter des Uniarchivs, und die Anthropologin Ursula Wittwer-Backofen, für die wissenschaftliche Betreuung des Archivs zuständig. Doch es gibt noch andere problematische Hintergründe, unter anderem werden derzeit rund 20 Schädel von vermeintlich australischen Aborigines untersucht.

Nur bei der Hälfte scheint die Herkunft klar

Lediglich bei gut der Hälfte bis zu zwei Dritteln der 1370 Schädel wird einigermaßen sicher angenommen, dass sie aus Europa stammen und ethisch unbedenklich sind. Das große Problem der nach dem Gründer Alexander Ecker benannten Sammlung ist die schlechte Dokumentationslage. Vieles wurde in den Weltkriegen zerstört. Außerdem hatte Eugen Fischer, einer der Nachfolger von Alexander Ecker, keinen Katalog geführt, und es fehlen Informationen zu seinen Beschaffungsmethoden. Während der deutschen Kolonialzeit wurden Skelette oder Schädel von ermordeten Herero als "Forschungsmaterial" nach Deutschland geschickt. Die Rolle von Eugen Fischer, der 1927 nach Berlin wechselte und im Nationalsozialismus als "Rassenhygieniker" auftrat, gilt als problematisch.

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Die Universität werde offenen Fragen weiter nachgehen, versprach Unirektor Hans-Jochen Schiewer gestern, allerdings sei es nicht möglich, größere Forschungsteams damit zu beauftragen. Die Untersuchung der 19 Schädel hat rund 100 000 Euro gekostet, neben einer zusätzlich eingestellten Mitarbeiterin mussten Materialkosten für die Untersuchungen bezahlt werden. Unter anderem wurden die Maße der Schädel computertomografisch erfasst sowie kleine Proben von Zahnwurzeln entnommen und analysiert.

Termin noch offen

Wie und wo die 14 Schädel übergeben werden, ist noch offen. Das entscheiden die namibische Botschaft und die Regierung, sagte Hans-Jochen Schiewer. Die namibischen Vertreter sollen auch entscheiden, ob bei der Übergabe deutsche Regierungsvertreter dabei sein sollen. Bei einer Schädel-Rückgabe in Berlin im Frühherbst war es zu Eklats gekommen, weil die deutsche Regierung sich nicht für die Ermordung der Herero entschuldigt hat.

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Autor: Anja Bochtler