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01. Juni 2016

Unterricht im Freien

BZ-SERIE "NAMEN MACHEN SCHULE" (1): Adolf Reichwein, Pädagoge und Widerstandskämpfer.

  1. Die Adolf-Reichwein-Schule in Weingarten ist nach einem Mann benannt, der moderne Konzepte für seine Schüler entwickelt hat und ihnen als erster Filme zeigte. Die Nazis ermordeten ihn. Foto: Ingo Schneider

  2. Adolf Reichwein Foto: DHM

Ihre Namen sind in der Stadt bekannt, schließlich heißen Schulen nach ihnen. Doch wer waren dieser Lortzing, Emil Gött, Clara Grunwald und die anderen? In einer Serie stellen wir die Namenspaten vor – heute Adolf Reichwein, nach dem die Schule im Stadtteil Weingarten benannt ist. Er war Kulturpolitiker, Reformpädagoge und Widerstandskämpfer gegen das Hitler-Regime, was ihm 1944 das Leben kostete.

Geboren wurde Reichwein am 3. Oktober 1898 in Bad Ems als Sohn eines Dorfschullehrers. Als Junge gehörte er den "Wandervögeln" an. Mit Gleichgesinnten unternahm er Wanderfahrten durch ganz Deutschland – bis der Erste Weltkrieg ausbrach. Reichwein meldete sich freiwillig zum Einsatz und wurde schwer verwundet; die letzten Kriegsmonate verbrachte er im Lazarett. Nach dem Krieg immatrikulierte er sich für Geschichte und Philosophie an der Universität in Frankfurt am Main und studierte in Marburg weiter. Nach seiner Promotion übernahm er die Organisation der Erwachsenenbildung in Thüringen, 1925 wurde er Leiter der Volkshochschule Jena.

Das Reisefieber indes hatte ihn nicht losgelassen. Reichwein ließ sich beurlauben und unternahm Forschungsreisen, unter anderem nach Nordamerika, Japan und China, bevor er nach Jena zurückkehrte. Als Professor wurde er 1930 an die Pädagogische Akademie Halle berufen, wo er Staatsbürgerkunde und Geschichte lehrte.

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1933, nach der nationalsozialistischen Machtergreifung, war es damit vorbei. Das SPD-Mitglied wurde aus politischen Gründen entlassen und auf eigenen Wunsch als Volksschullehrer nach Tiefensee in Brandenburg versetzt, wo er sich mit seinem Konzept, Kinder zu Selbstbestimmtheit und sozialer Verantwortung zu erziehen, einen Namen machte.

Reichweins Schüler wurden oft unter freiem Himmel unterrichtet oder gingen mit ihm auf große Fahrt. Übrigens war er auch einer der ersten Lehrer, die Filme als Unterrichtsmaterial einsetzten. Da Reichweins pädagogische Ansätze auch im Ausland auf große Beachtung stießen, ließ ihn die NS-Diktatur gewähren. 1939 wechselte Reichwein als Leiter der Abteilung "Schule und Museum" an das Museum für Deutsche Volkskunde in Berlin – was ihm erneut das Reisen zu Vorträgen und Kursen ermöglichte.

1940 schloss sich Reichwein dem "Kreisauer Kreis" an, dessen Ziel die Überwindung der faschistischen Herrschaft in Deutschland war, verbunden mit Überlegungen für die Gestaltung eines neuen Deutschlands. Ende Juni 1944 hat die Gestapo Reichwein bei einem Treffen mit Mitgliedern einer kommunistischen Widerstandsgruppe verhaftet. Nach einem Schauprozess unter dem Präsidenten des Volksgerichtshofes, Roland Freisler, wurde Reichwein am 20. Oktober 1944 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Adolf-Reichwein-Schule
Profil: Grundschule und Schule für Erziehungshilfe
Stadtteil: Weingarten, Bugginger Straße 83
Lehrer: 48
Schüler: 395

Homepage: http://www.ars.fr.schule-bw.de

Autor: Ute Wehrle