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06. Mai 2017

Drei Fragen an

Ursula Immenschuh über die neue Anlaufstelle für Pflege- und Adoptivfamilien

Sie wollen eine „Oase“ schaffen für Pflege und Adoptivfamilien: Darum lädt der Pflegeelternverein „Fill’e Anima – Herzenskinder“ am Sonntag ein zur Eröffnung einer Anlaufstelle, die mit bereits davor bestehenden und neuen Angeboten immer weiter ausgebaut werden soll. Warum das nötig ist, wollte Anja Bochtler von Ursula Immenschuh (53) wissen.

  1. Ursula Immenschuh Foto: Schneider

Sie wollen eine "Oase" schaffen für Pflege und Adoptivfamilien: Darum lädt der Pflegeelternverein "Fill’e Anima – Herzenskinder" am Sonntag ein zur Eröffnung einer Anlaufstelle, die mit bereits davor bestehenden und neuen Angeboten immer weiter ausgebaut werden soll. Warum das nötig ist, wollte Anja Bochtler von Ursula Immenschuh (53) wissen. Sie ist Professorin für Pflegewissenschaften an der Katholischen Hochschule, Pflegemutter von zwei Jungs (10 und 13) und im Vorstand des Vereins engagiert.

BZ: Sie wollen im neuen Kompetenzzentrum unter anderem unterschiedliche Beratungsansätze, pädagogische Sprechstunden, Kinderbetreuung und auch körperorientierte Entspannung anbieten. Was davon brauchen Sie selbst in Ihrem Alltag als Pflegemutter am dringendsten?
Immenschuh: Das ist situationsabhängig. Im Lauf der Zeit habe ich schon alles in Anspruch genommen. Mein Mann und ich haben gelernt, uns immer auch zu beobachten und bei Bedarf uns oder den Kindern Unterstützung zu holen und Erholungszeiten zu nehmen. In unserem Zentrum gestalte ich die Angebote aber auch selbst mit. Ich biete schon länger Beratung an für Pflegefamilien, im Auftrag des Jugendamts. Pflege- und Adoptivfamilien brauchen deutlich mehr Unterstützung als die meisten anderen Familien, weil ihre Situation viel komplexer ist. Sie leben immer in einem Dreieck: Neben ihrem Familienleben gibt’s das Jugendamt, viele rechtliche Bestimmungen und die Herkunftsfamilie, die selbst dann eine Rolle spielt, falls kein Kontakt besteht.

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BZ: Was ist die größte Herausforderung für Pflegeeltern?
Immenschuh: Die meisten Pflegekinder haben traumatische Erfahrungen hinter sich – sonst wären sie nicht aus ihren Herkunftsfamilien herausgeholt worden. Sie reagieren mit Aggressionen, Rückzügen und Verhaltensmustern, die das Zusammenleben häufig sehr anstrengend machen. Wir Erziehenden brauchen viel Wissen und einen langen Atem. Obwohl wir Stabilität ermöglichen wollen, gibt es Gefährdungen: Zum Beispiel können Umgangskontakte mit den leiblichen Eltern die Kinder durcheinanderbringen.
BZ: Sie wohnen mit Ihrem Mann und Ihren beiden Pflegesöhnen im gleichen Haus, wo in einem Raum das Kompetenzzentrum untergebracht ist, gemeinsam mit einer anderen Pflegefamilie. Haben Sie keine Angst, dass jetzt Tag und Nacht Pflegefamilien bei Ihnen Rat suchen?
Immenschuh: Wenn Angebote stattfinden, sind unsere Wohnungstüren geschlossen, das ist wichtig. Unsere Kinder können entscheiden, ob sie bei Veranstaltungen mitmachen wollen oder nicht. Falls zu viele Anfragen kommen, müssten wir hauptamtlich jemanden einstellen. Wir warten erst mal ab, wie es sich entwickelt. Wichtig war uns, einen festen Ort zu schaffen, an dem Pflegefamilien auftanken können. Die Sorge um Kinder, die nicht bei ihren leiblichen Eltern leben, ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Wir sehen unser Haus nicht als Konkurrenz zu anderen Angeboten, sondern als Ergänzung.

Eröffnungsfest: Sonntag, 7. Mai, 10.30 bis 16 Uhr im Oase- und Kompetenzzentrum für Pflege- und Adoptivfamilien, Ludwigstraße 42. Eintritt frei, Infos: http://www.herzenskinder.org Und noch ein Angebot: Der Adoptivelternkreis Freiburg lädt am Mittwoch, 10. Mai, 20.15 Uhr, zum offenen Abend im Selbsthilfebüro, Schwabentorring 2, ein. Infos: http://www.adoptiveltern-freiburg.de

Autor: anb