Volkshochschule

VHS-Dozenten in Freiburg wollen mehr Geld – und bekommen nur einen Euro mehr

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Mi, 18. April 2018 um 16:41 Uhr

Freiburg

Dozenten der Volkshochschule klagen über zu niedrige Honorare. Eine Erhöhung würde aber die Kurse teurer machen. Nun ist die VHS-Leitung den Dozenten einen kleinen Schritt entgegengekommen.

Die VHS Freiburg ist eine von nur zwei Volkshochschulen im Land, deren Dozentinnen und Dozenten eine Vertretung im eigenen Haus haben. Egal, wer alle zwei Jahre in dieses Gremium gewählt wird, ein Thema beschäftigt alle: die Bezahlung. 21 Euro für eine Unterrichtsstunde sind zu wenig, meinen die Dozenten, und schlagen vor, die Gebühren zu erhöhen. Doch das will die Leitung der VHS nicht.

Die günstigen Gebühren gehen zu Lasten der Dozenten

Claudia Benz, Barbara Disdorn, Nisrin Elias und Lara Lorenzano wurden im Juli vergangenen Jahres zu Vertreterinnen der mehr als 600 freiberuflichen Dozenten an der VHS Freiburg gewählt. Bezahlung ist ein großes Thema für sie. Für eine Unterrichtseinheit von 45 Minuten bekommen VHS-Dozenten in Freiburg bisher 21 Euro Grundhonorar. Viel zu wenig, meinen deren Vertreterinnen, vor allem für die, die davon leben und Abgaben zahlen müssen. "Nur wenn ich das Honorar noch zu einem anderen Gehalt dazuverdiene, muss ich mich nicht über die schlechte Bezahlung aufregen", sagt Claudia Benz, die als psychologische Psychotherapeutin seit 22 Jahren Kurse an der VHS gibt.

"Im Extremfall bekommt ein Dozent noch Hartz-4-Aufstockung, während die Professorengattin in seinem Kurs für wenig Geld eine Sprache lernt."Claudia Benz
Für Unmut hat auch gesorgt, dass Integrationskurse "Deutsch als Fremdsprache" vom Bund bezuschusst und mit 35 Euro pro Unterrichtseinheit vergütet werden. Diese Zwei-Klassen-Gesellschaft schaffte böses Blut – inzwischen wurde das Honorar für andere Intensivkurse Deutsch auf 30 Euro erhöht. Insgesamt aber, meint Lara Lorenzano, "arbeiten an der VHS qualifizierte Leute und werden miserabel bezahlt". Nur so seien die günstigen Gebühren der VHS möglich, "auf dem Rücken der Dozenten".

Das möchte das Leitungsteam der VHS, Eva von Rekowski und ihr Stellvertreter Karlheinz Müller, so nicht stehen lassen. Von den 600 Dozenten würden etwa 450 regelmäßig bei der VHS arbeiten, aber von diesen arbeiten etwa 350 nur zwei bis vier Stunden in der Woche. Bis zu 2400 Euro Verdienst im Jahr sind als Übungsleiterpauschale steuerfrei. "Für die Mehrheit ist die Bezahlung kein großes Thema", sagt Karlheinz Müller, "aber es ist für die ein Problem, die davon leben müssen."

Die VHS soll keinen Gewinn machen und günstige Kurse anbieten

Wenn Geld übrigbleibe, gebe man dieses direkt für Honorare weiter, versichert Eva von Rekowski, doch macht die VHS als Non-Profit-Unternehmen normalerweise keinen Gewinn. Und, ganz wichtig: Die Volkshochschule ist qua Satzung verpflichtet, sozialverträgliche Kursgebühren anzubieten – eine Gebührenerhöhung sehen Rekowski und Müller genau wie der Vorstand der VHS kritisch.



Genau das aber schlägt die Dozentenvertretung vor. "Im Extremfall bekommt ein Dozent noch Hartz-4-Aufstockung, während die Professorengattin in seinem Kurs für wenig Geld eine Sprache lernt", meint Benz. Deshalb plädieren sie dafür, die Gebühren zu erhöhen – vielleicht auch auf freiwilliger Basis oder als "Pay after". Warum nicht ein Kässchen aufstellen, damit die Teilnehmer nach dem Kurs noch Geld geben können, wenn sie mit der Leistung des Dozenten zufrieden waren? Oder warum nicht Gebühren gestaffelt verlangen – wer ein höheres Einkommen hat, soll auch mehr zahlen?

Eine Gebührenstaffelung sei schon rein organisatorisch nicht möglich, sagt von Rekowski. "Wir haben 26 000 Buchungen pro Jahr und müssten von jedem Nutzer einen freiwilligen Einblick in dessen Einkommensverhältnisse bekommen – unmöglich." Einfacher sei eine Spende wie über das Kässchen, "aber die Reaktionen kann ich mir schon vorstellen".

Auch Karlheinz Müller gibt dem Vorschlag keine Chance: "Unsere Nutzer zahlen über Kursgebühren und hätten für Spenden kaum Verständnis." Einmal hat es die VHS probiert und eine Spendenkasse aufgestellt, als der Eingang umgestaltet wurde – das erbrachte gerade mal 150 Euro. Immerhin: Dozenten und VHS-Leitung sind im vertrauensvollen Gespräch, wie beide Seiten versichern. Und für Herbst ist eine Erhöhung des Honorars angekündigt: von 21 auf 22 Euro.