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04. Februar 2015

Von Beruf "Stoßlüfter"

Zum Thema Heizen, Dämmen und Lüften gibt es fast so viele Ansichten wie Experten – ein Artikel über Schimmel hat sie auf den Plan gerufen.

  1. In Zwischendecken siedelt sich der Schimmel bevorzugt an. Foto: Ingo Schneider

Viele Reaktionen gab es auf den Artikel "Schimmel nach Dämmung" vom 15. Januar. Online und in Leserbriefen äußerten sich betroffene Mieter und Eigentümer, aber auch Handwerker und Energieexperten. Während die einen schimpften, erneut werde Stimmung gegen die ökologisch sinnvolle Wärmedämmung gemacht, sahen sich andere in ihrer Skepsis gegen dezimeterdicke Styroporplatten auf den Fassaden bestätigt.

Zwei Energieberater hatten sich in dem Artikel besorgt darüber geäußert, dass in immer mehr Neubauten – aber auch in sanierten Altbauten – Probleme drohen, weil die Häuser sehr dicht sind. Um Schimmel zu vermeiden, sagten die Energieberater, reiche selbst gutes Lüften kaum mehr aus. Deshalb rieten sie bei energetisch hochwertigen Häusern zu automatischen Lüftungsanlagen, die jedoch häufig aus Kostengründen eingespart würden.

BZ-Leser Tjark Voigts schrieb in einem Online-Kommentar indes: "Bevor man meint, eine Lüftungsanlage für viel Geld einbauen zu müssen, sollten Alternativen bedacht werden", schon bei der Planung und beim Bau der Häuser. Zudem müssten die Bewohner eingehend über richtiges Heizen und Lüften informiert werden. "Unser Haus im Rieselfeld (Baujahr 1999, mit Styropor-Außendämmung) ist tadellos schimmelfrei", schrieb Voigts. Doch wer bitte habe mehrmals am Tag Zeit, für 10 bis 15 Minuten die Fenster aufzumachen, fragte Leser Friedhelm Bongard. Er schlug süffisant einen "neuen 450-Euro-Job" vor: "Stoßlüfter".

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Das eigentliche Problem, durch das Schimmel entstehe, habe gar nichts mit der Wärmedämmung zu tun, erklärte die "Energieagentur Regio Freiburg". Die Wärmedämmung helfe vielmehr dabei, das Schimmelrisiko zu mindern. In Einzelfällen könne es zwar auch im Neubau, zum Beispiel durch eine schlechte Bauausführung und fehlerhaftes Nutzerverhalten, zu Schimmel kommen. Doch moderne Häuser würden wesentlich seltener von Schimmel heimgesucht als ältere, schlecht gedämmte Gebäude. Da vor allem berufstätige Menschen nicht regelmäßig lüften könnten, sei in energieeffizienten Gebäuden eine Lüftungsanlage jedoch "sehr sinnvoll", meint auch die Energieagentur.

Schimmelbildung läge vor allem an neu eingebauten Fenstern, erklärte auch Michael Konstanzer vom Ingenieurbüro Emeko. Wie im Artikel dargestellt, hätten Altbauten besonders dann ein Problem, wenn sie nur neue, abgedichtete Fenster und keine gedämmte Fassade hätten, so Konstanzer. Denn dann könne die Feuchtigkeit nicht mehr aus dem Haus heraus und schlage sich an den kalten Wänden nieder. Der "ganze Dämm-Wahnsinn" habe inzwischen irrwitzige Formen angenommen, schrieb indes BZ-Leser Hannes Fischer. Andere Kommentatoren warnten vor der Brennbarkeit der Dämmstoffe und vor viel produziertem Sondermüll. Die Öko-Zimmerei Grünspecht wies darauf hin, dass es neben den üblichen, auf Erdöl basierten Dämmstoffen auch alternative Materialien gebe.

Und wer hat jetzt recht? Eine einfach Antwort auf diese Frage gebe es nicht, sagt Jens Pfafferrot, Professor am Institut für Energiesystemtechnik an der Hochschule Offenburg. Vieles in der Debatte werde durcheinandergebracht und verkürzt dargestellt (siehe Interview unten).

Autor: / Von Jelka Louisa Beule