Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

25. Februar 2016

Chilenische und deutsche Jugendliche in Flüchtlingsheim

Von Fremden für Fremde

Chilenische und deutsche Freiwillige luden zu einem Aktionstag für Flüchtlingskinder ein.

  1. Einen Begegnungstag mit Kindern im Flüchtlingswohnheim an der Hammerschmiedstraße gestalteten Jugendliche aus Chile, die in Freiburg ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Ingo Schneider Foto: Ingo Schneider

Papierflieger sausen durch die Luft, bunt geschminkte Kindergesichter lachen, Dosen werden mit Bällen schwungvoll vom Tisch gefegt: Bei einem Aktionstag, den chilenische und deutsche Freiwilligendienstleistende gemeinsam organisierten, durften sich die Kinder im Flüchtlingswohnheim in der Hammerschmiedstraße am Dienstag austoben. Mit den jungen Helfern wurde gespielt, gebastelt und gemalt.

Sie sind seit November in Freiburg, haben schon einiges über die Stadt und das soziale Engagement erfahren – und helfen auch selbst: Elf junge Chileninnen und Chilenen werden für ein Jahr vom Badischen Roten Kreuz betreut, während sie einen einjährigen Freiwilligendienst in Freiburg und der Region absolvieren. Was sie bis zu ihrer Ankunft in Deutschland nur aus den Medien kannten, haben sie inzwischen täglich erlebt: Das Thema Flüchtlinge ist für die jungen Menschen kein theoretisches mehr. Sieben von ihnen wollten daher in Freiburg vor Ort helfen und Freude schenken. Und so kam es zur Zusammenarbeit mit acht Deutschen, die derzeit ebenfalls beim Badischen Roten Kreuz ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Am Ende stand der Aktionstag, der wegen des schlechten Wetters zwar im Container und nicht im Freien stattfand, bei den Kindern aber für viel Spaß und Abwechslung sorgte.

Werbung


Das Freiwillige Soziale Jahr als Vorbild

"Die Kinder hier haben nicht all die Möglichkeiten, die deutsche Kinder haben", sagt Constanza Vera zur Situation der Flüchtlinge. Die 28-jährige chilenische Zahnärztin freut sich, während ihres Aufenthalts die deutschen Verhältnisse kennenzulernen. Und sie hofft, dass etwas davon auch in Chile Realität werden könnte: "Es wäre ideal, wenn man auch in meinem Land etwas anstoßen könnte. So etwas wie das Freiwillige Soziale Jahr gibt es da zum Beispiel nicht", schildert sie. Danilo Corvalan, der während seiner Zeit in Freiburg in einem Blindenheim arbeitet, kann sich gut in die Flüchtlinge hineinversetzen: "Die anderen Freiwilligen und ich sind ja auch fremd im Land", meint der 25-Jährige. Seinen Einsatz sehe er als Chance, konkret zu helfen. Der Physiotherapeut kann sich vorstellen, nach seiner Rückkehr nach Chile weiter im sozialen Bereich zu arbeiten. Dass am Dienstag nicht nur den Kindern schöne Stunden beschert wurden, unterstreicht Eve Herrling: "Wir bekommen etwas von der Freude der Kinder zurück", sagt die 18-Jährige aus Waldkirch. Zu den Flüchtlingen habe sie durch ihre soziale Arbeit eine engere Verbindung bekommen.

Mit dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst "Weltwärts" können Deutsche seit 2008 ins Ausland gehen, um sich in Entwicklungsprojekten zu engagieren. Den umgekehrten Weg beschreiten seit 2013 ausländische Freiwillige. Sonja Gordillo ist beim Roten Kreuz zuständig für das Programm. Auch abseits des Projekttags in der Flüchtlingsunterkunft wertet sie den Aufenthalt der chilenischen Freiwilligen schon jetzt als Erfolg. Sechs der jungen Leute arbeiten in einer Kita oder einem Kindergarten, fünf in Senioren- oder Begegnungszentren: "Von den Einsatzstellen gab es sehr positive Rückmeldungen", beschreibt Gordillo.

Autor: Bettina Gröber