Von Menschen und Göttern

Petra Völzing

Von Petra Völzing

Fr, 23. November 2012

Freiburg

LEUTE IN DER STADT: Der Hopi-Künstler Neil David zeigt im Naturmuseum die Herstellung von Kachina-Figuren .

Es war ein für europäische Maßstäbe recht exotischer Abend im Naturmuseum. Zusammen mit dem Carl-Schurz-Haus hatte das Museum den Hopi Neil David zu einem Werkstattgespräch eingeladen. David lebt in einem Reservat in Arizona und ist ein renommierter Kachina-Schnitzer und -Maler.

Die Kachina-Figuren gehören zum religiösen Kult der Hopi und werden an die Mädchen verschenkt, denen Sie Gesundheit und später Fruchtbarkeit bringen sollen. Sie wirken als Vermittler zwischen den Menschen und den Göttern, zugleich symbolisieren sie verschiedene Naturphänomene wie Sonne, Wind oder Regen. In den religiösen Zeremonien werden die Kachinas von maskierten Tänzern dargestellt. Inzwischen sichern Herstellung und Verkauf der Figuren aber auch den Lebensunterhalt vieler Hopis.

In der nüchternen Atmosphäre im Museum sitzt Neil David hinter seinem Werktisch und lässt sich vom Publikum auf die Finger schauen. Auf dem Tisch hat er ausgebreitet, was er zur Herstellung der Kachina-Figuren braucht. Das ist nicht viel. Er benutzt kleine Taschenmesser, einfache Raspeln und Feilen. Kachinas in verschiedenen Fertigungsstadien sind zu sehen. Später werden die Figuren noch bunt bemalt. Friederike Schulte, Direktorin des Carl-Schurz-Hauses, preist David in Ihrer Einführung als einen der wenigen Männer mit der Fähigkeit zum Multitasking. Und tatsächlich: Während er redet und Fragen beantwortet, schnitzt er immer an einer seiner Figuren.

David kann nur im November auf Reisen gehen, das ist der einzige Monat, in dem es bei den Hopis für Männer keine religiösen Zeremonien gibt. Der Monat gehört den Frauen. Nun ist er zum ersten Mal in Europa. Begleitet wird er vom Galeristenehepaar Peter und Sylvia Stracke aus Mönchengladbach und seiner Tochter Ronda. Gerade kommen sie aus Stuttgart, wo im Lindenmuseum eine ähnliche Veranstaltung stattfand. Dort ist eine Figur ausgestellt, die David vor 40 Jahren gemacht hat. "Befremdlich", findet er.

Eigentlich ist David gar nicht wegen seiner Kunst nach Deutschland gekommen: "Ich wollte meiner Tochter Spangdahlem zeigen", erzählt er. In dem Ort in der Eifel war David in den 60er Jahren als Soldat der Army drei Jahre stationiert.

David ist sehr in seiner Kultur verwurzelt und steht doch mit mit beiden Beinen im Leben. Mit der Tatsache, dass die Tradition der Kachina-Figuren inzwischen stark kommerzialisiert ist, hat er kein Problem, sie sichert ja auch den Lebensunterhalt seiner Familie. Seine Spiritualität hat etwas sehr Pragmatisches und man spürt, dass er aus einer starken Erzähltradition kommt.

Fragen aus dem Publikum werden selten direkt beantwortet, er nutzt sie eher, um seinen assoziativen Erzählfaden weiterzuspinnen. Auch mit dem breiten Südstaaten-Englisch hatte wohl der ein oder andere Zuhörer so seine Schwierigkeiten – dennoch, wer gut zuhörte, konnte viele interessante Details aus dem Leben und Denken des amerikanischen Ureinwohners erfahren.

Info: Am Sonntag, 25. November, 14 bis 16 Uhr gibt es im Naturmuseum, Gerberau 32, einen Familiennachmittag mit Harry Schüler rund um die Hopi-Indianer. Nach einer Führung können einfache Kachina-Figuren selbst hergestellt werden. Eintritt 6, ermäßigt 3 Euro.