Vor 25 Jahren eine neue Synagoge: Gemeinsam eine Gemeinde

Julia Littmann

Von Julia Littmann

Sa, 20. Oktober 2012

Freiburg

Vor 25 Jahren bekam die aktuelle Einheitsgemeinde jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger eine neue Synagoge.

Die Zeit nach dem Holocaust, die ersten Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, waren enorm schwierig, erzählen manche der alten Mitglieder der Israelitischen Gemeinde. Wer überlebt hatte, war traumatisiert, suchte umso mehr das Miteinander in der winzigen Gemeinde. Der erste Versammlungsraum für die 45 Jüdinnen und Juden war von 1946 an in der Hansjakobstraße 8. Die kleine Gemeinde war dann von 1953 an in der Holbeinstraße 25 zu Hause, dem insgesamt vierten Bet- und Versammlungsraum, den Juden in Freiburg über die Jahrhunderte bezogen hatten.

Das erste jüdische Gotteshaus hat im frühen Mittelalter nahe der Weberstraße – vermutlich in der Wasserstraße 4 – gestanden. "In den benachbarten Häusern haben damals wohl auch Juden gewohnt", sagt der Wissenschaftler Ruben Frankenstein, der viel zur Geschichte der Juden – auch in Freiburg – forscht und geforscht hat. Ähnliches hat auch die Theologin Barbara Heinze bei ihren Recherchen festgestellt: Etwa zehn Häuser seien dort vermutlich von jüdischen Familien bewohnt gewesen. Zweimal wurden sie von dort vertrieben, etliche wurden ermordet.

Jahrhundertelang wurden Juden hier nur noch als Durchreisende geduldet, wenige konnten an der Universität studieren. "Normaler" wurden die Verhältnisse erst, als 1862 schließlich auch in Freiburg die 54 Jahre zuvor großherzoglich für Baden dekretierte Gleichstellung der Juden auch Gesetz wurde. Zunächst fand da die neue Gemeinde einen provisorischen Betraum in der Schusterstraße 27 – derweil im innerstädtischen Stadtviertel "Paradies" eine Synagoge gebaut wurde. Der Architekt war in Freiburg schon mit einem prächtigen Gebäude in Erscheinung getreten: Georg Jakob Schneider hatte zehn Jahre zuvor das Colombischlösschen gebaut.

1870 wurde Freiburgs Synagoge am Werthmannplatz eingeweiht. Der schöne Bau in maurisch-byzantinischem Stil sei "kühn und aufstrebend wie die kleine Gemeinde", wurde damals in der Freiburger Zeitung berichtet. Und tatsächlich wuchs die Gemeinde so stetig, dass schon um die Jahrhundertwende über eine Vergrößerung der Synagoge nachgedacht wurde – die kam 1925/26. Zu der Zeit haben etwa 1400 Jüdinnen und Juden in Freiburg gelebt. Zwölf Jahre später, in der Nacht des 10. November 1938, wurde die Synagoge von SS- und SA-Schergen niedergebrannt. Jüdische Bürgerinnen und Bürger wurden in den folgenden Jahren verschleppt, die meisten von ihnen wurden ermordet.

Mit der neuen Synagoge in der Engelstraße, die 1987 eingeweiht wurde, richtete sich der Blick fast 50 Jahre nach der Zerstörung der großen Freiburger Synagoge wieder nach vorne. Es war ein Aufbruch, zurück in die Mitte dieser Stadt, vorwärts in eine neue Zeit. Gemeinde und Gemeindezentrum sind da längst angekommen. Und feiern nun das erste große Jubiläum des Hauses: 25 Jahre!