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03. August 2011 05:33 Uhr

Stadtteil Vauban

Wagenburg Rhino nach nächtlicher Eskalation geräumt

Die Wagenburg im Freiburger Stadtteil Vauban ist Geschichte: Wenige Stunden nach den Krawallen im Viertel hat die Polizei sowohl den Ausschreitungen als auch dem Kommando Rhino ein Ende bereitet. Die Situation ist – anders als noch in der Nacht – weitgehend friedlich.

Die Räumteams der Polizei sammelten sich nach BZ-Informationen am Mittwoch um 5 Uhr – dreieinhalb Stunden nach Beginn der Ausschreitungen – in der Merzhauser Straße; Beobachter sprachen von rund 30 Mannschaftswagen und schwerem Gerät zur Beseitigung der Barrikaden. Mit diesen begann um 5.40 Uhr der Vormarsch auf die Wagenburg (Fotos).

Räumung vor 6 Uhr

Zuvor hatten sich rund 150 Menschen in der Wagenburg und in der Vauban-Allee verbarrikadiert, um der Polizei die Räumung so schwer wie möglich zu machen. Dennoch: Der Widerstand war – bis auf einige Sitzblockaden – vergleichsweise gering: Bereits um 5.50 Uhr waren 40 Beamte auf dem Gelände der Wagenburg zugange, viele von ihnen mit Feuerlöschern auf dem Rücken – im Vorfeld des Einsatzes hatte es Gerüchte gegeben, dass die Rhino-Aktivisten ihre Baracken zum Abschied in Flammen aufgehen lassen könnten. Gewalttätige Auseinandersetzungen und Tumulte wie noch in der Nacht waren bei der Räumung jedoch nicht zu beobachten.

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Beim Eintreffen der Polizei hatte sich das Gros der Autonomen auf die Vauban-Allee zurückgezogen – friedlich, aber lautstark: Die linksalternativen Trommler der Sambastas weckten die Anwohner auf – sofern angesichts der Ereignisse der zurückliegenden Stunden überhaupt noch jemand geschlafen hatte im Vauban.

Um 7.45 Uhr kommt die Müllabfuhr

Um 6 Uhr schritt die Polizei auch hier ein: Die Beamten umstellten die Autonomen auf der Vauban-Allee. Passieren durfte die Polizeikette nur, wer sich ausweisen konnte. Personalien wurden aufgenommen, während andere Beamte das Rhino-Gelände mit großen Absperrgittern abriegelten. Über die Zahl der Festnahmen ist noch nichts bekannt.

Der Räumungseinsatz verlief zügig und weitgehend reibungslos: Schon um 7.45 Uhr rückte die Stadtreinigung an, um die Straßen wieder passierbar zu machen. Das von der Polizei provisorisch umzäunte Gelände, das die Rhino-Besetzer bis zum Mittwochmorgen für ihre Zwecke in Beschlag genommen hatten, wurde an seinen Eigentümer zurückgegeben – an die Freiburger Stadtbau GmbH. Diese versuchte zusammen mit der Polizei, das Gelände gegen neue Übergriffe zu schützen.

Vauban weiträumig abgesperrt – Berufsverkehr betroffen

Während die Rhino-Räumung von zahlreichen Schaulustigen beobachtet wurde, hingen Autofahrer, die in den Freiburger Süden wollten, an Polizeiabsperrungen fest. Die Zufahrten zum Vauban – also sowohl die Wiesental- als auch die Merzhauser Straße – waren bereits weit vor den eigentlichen Brennpunkten abgeriegelt. Ins Vauban kam am frühen Morgen nur, wer dort wohnt oder glaubhaft machen konnte, dass er im Quartier zur Arbeit muss.

Da die Straßenbahn der Linie 3 nicht ins Vauban fahren kann, hat die VAG Ersatz durch Busse organisiert. Die Polizei ist zudem in der Freiburger Innenstadt präsent – möglicherweise aus Sorge, dass Linksautonome ihre Aktivitäten in die Fußgängerzone verlegen könnten.

Brennende Barrikaden in der Nacht

Schon Stunden vor der Räumung war die Situation im Quartier eskaliert: Vermummte Randalierer hatten gegen 1 Uhr Barrikaden aus Bauzäunen, Holzpaletten und sonstigem Unrat quer über die Merzhauser Straße auf Höhe Wiesentalstraße und am Kreisverkehr weiter südlich errichtet. Etwa eine halbe Stunde später setzten sie sie laut Augenzeugenberichten in Brand; ebenfalls angezündet wurden zwei Baubagger. Die Polizei wurde ebenso attackiert wie ein Autofahrer, der eine Barrikade aus dem Weg räumen und löschen wollte. Sein Wagen wurde ebenfalls beschädigt. Ein Polizeiwagen wurde mit einem Farbbeutel beschädigt.

Wie Polizeisprecher Karl-Heinz Schmid am Morgen gegenüber der Badischen Zeitung erklärte, war die Polizei von dem nächtlichen Gewaltausbruch (Fotos) überrascht worden. Es seien mehrere Straftaten verübt worden. Die Kriminalpolizei habe die Ermittlungen aufgenommen. 14 Personalien wurden festgestellt, es gab keine Festnahmen. Vier Leute wurden kurzzeitig in Gewahrsam genommen. Gegen einen der Demonstranten wurde Anzeige erstattet, weil er sich den Anweisungen der Polizei widersetzt hatte.

Zwei Jahre lang hat die Wagenburg Kommando Rhino das sogenannte M1-Gelände im Vauban besetzt gehalten. Ursprünglich wollte sie damit gegen die Bebauung des Areals demonstrieren; später sollte politisch Druck für mehr Wagenplätze in Freiburg aufgebaut werden. In den vergangenen zwei Jahren gab es mehrere Gespräche zwischen Kommando Rhino und der Stadt. Der Gemeinderat hatte 1996 beschlossen, keine weiteren Wagenburgen auf städtischen Flächen in Freiburg zuzulassen. Vermittlungsversuche, einen alternativen Standort zu finden, waren erfolglos.

Frist war am 31. Juli abgelaufen

Nun will die Stadt auf dem M1-Gelände ein integratives Hotel mit Wohn- und Geschäftsflächen bauen. Die Frist zur freiwilligen Räumung war am 31. Juli abgelaufen. Schon vorab hatten die Rhinos angekündigt, nicht freiwillig gehen zu wollen. Von Sonntag auf Montag hatten sie in der Vaubanallee eine Straßenblockade errichtet, die von der Polizei entfernt worden war.

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Autor: Simone Lutz, Alexandra Sillgitt, Peter Disch, Karl Heidegger, Bernd Landwehr, Dominic Rock, Christina Hofmann, Ines Fuchs, Joachim Röderer, aktualisiert um 8 Uhr