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04. März 2011

Wasserkraftanlage: Handy-Strom kommt aus dem Bach

MENSCHEN VON NEBENAN: Der elfjährige Niklas Burchard erzeugt mit einer selbst gebauten Wasserkraftanlage elektrische Energie .

  1. Niklas Burchard aus Kappel mit seiner Wasserkraftanlage. Foto: Michael Bamberger

KAPPEL. Niklas Burchard wohnt mit seinen Eltern am Intenbächle im Kappler Kleintal. Seit dem 15. Mai 2010 betreibt der Elfjährige an diesem Wasserlauf ein kleines Wasserkraftwerk und erzeugt damit den Strom, den er in seinem Zimmer verbraucht: für eine LED-Leuchte am Schreibtisch und um die Akkus von Handy und iPod aufzuladen. Bei der Verleihung des Freiburger Umweltpreises vergangenes Wochenende bei der Messe "Gebäude – Energie – Technik" hat der Junge einen mit 150 Euro dotierten Anerkennungspreis gewonnen.

Gelesen und gehört habe er schon viel über Wasserkraftwerke, sagt Niklas Burchard, und da habe er sich gedacht: "Eigentlich könnte man dafür doch auch das Intenbächle nutzen." Das Gewässer entspringt im Gewann Sohlacker und fließt in der Kappler Ortsmitte mit dem Reichenbach aus dem Großtal zusammen. Die Nutzung der Wasserkraft ist für Kappel nichts Neues: über Jahrhunderte hinweg haben die Bauern die Wucht des talwärts fließenden Wassers genutzt, um auf ihren Höfen Sägewerke oder Getreidemühlen zu betreiben.

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Für Niklas Burchard war von vornherein klar, dass er Strom erzeugen will, und Michael Kartäuser, ein Freund seiner Familie, half ihm bei der Umsetzung. Als Techniker kennt sich Kartäuser mit elektrischen Schaltplänen aus.

Das Grundprinzip der Wasserkraftnutzung ist das Gleiche wie vor hundert Jahren: Das talwärts fließende Wasser treibt ein Wasserrad an. Bei Niklas Kraftwerk besteht das aus einem Fahrrad-Vorderrad (17 Zoll) mit eingebautem Nabendynamo mit einer Dauerleistung von zwei Watt, an dessen Felge halbierte und zu Wasserschaufeln umfunktionierte Konservendosen angebracht sind.

Der Dynamo wandelt die Rotations- in elektrische Energie um, die über ein Kabel ins Haus und dort per USB-Ladebuchse zu den Verbrauchern geleitet wird. Weil der vom Dynamo erzeugte Strom eine Wechselspannung von fünf Volt aufweist, sind ein Spannungsverdoppler und ein Gleichrichter nötig. Und weil die Anlage entsprechend dem steten Wasserfluss kontinuierlich Strom liefert, Niklas den jedoch nicht permanent benötigt, ist ein Akku dazwischen geschaltet. Der finanzielle Aufwand war gering, das teuerste Teil, das Rad mit Nabendynamo, hat Niklas von der Firma Draisin aus Achern geschenkt bekommen, die Spezialräder für Menschen baut, die körperlich beeinträchtigt sind.

Die Anlage läuft nun schon seit einem Dreivierteljahr störungsfrei. Still gestanden hat sie nur im Winter an einigen Tagen, weil gefrorenes Spritzwasser die Aufhängung des Rades blockiert hat. Hin und wieder muss Niklas nachsehen, ob nicht Blätter und Zweige das Zuleitungsrohr vom Intenbächle (siehe Foto) oder die Wasserschaufeln verstopfen.

Vom Freiburger Umweltpreis hat Michael Kartäuser in der Zeitung gelesen, und für Niklas war nach dem entsprechenden Tipp gleich klar: "Da bewerbe ich mich." Dass er tatsächlich einen Preis gewinnen würde, hätte er jedoch nicht gedacht, ist doch der Nutzen für den Klimaschutz im Vergleich zu anderen Projekten überschaubar. In den vergangenen drei Monaten sind 4,3 Kilowattstunden Strom zusammengekommen. Die Juroren waren jedoch beeindruckt davon, dass ein erst elf Jahre alter Junge sich in dieser Weise engagiert hat und dass die Anlage seit Monaten auch tatsächlich funktioniert. Nun ist es nicht so, dass Niklas sich ständig mit Umweltschutz und Technik beschäftigt. Wie viele andere Kinder fährt er im Winter gern Ski und im Sommer Mountainbike. Zur Schule geht Niklas in Kirchzarten, wo er die Klasse 7b des Marie-Curie-Gymnasiums besucht. Wer genauer wissen will, wie die Anlage funktioniert, kann sich im Internet informieren.

Eine Bauanleitung gibt es unter http://www.kappler-wasserrad.cms4people.de

Autor: Silvia Faller