Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

19. Mai 2014

Wenn Holzköpfe menschlich werden

Zur "Nacht der Umwelt" gehörte auch eine Fackelwanderung durch den Wald-Skulpturenpfad mit dem Künstler Thomas Rees.

  1. Thomas Rees (Zweiter von links) erläuterte, wie er das, was für ihn im Baum eh schon enthalten ist, mit seiner Kunst „sichtbar macht“. Foto: Michael Bamberger

FREIBURG. Bei der sechsten Freiburger "Nacht der Umwelt", die von den städtischen Ämtern für Forst und Umweltschutz organisiert wurde, konnten Interessierte an sieben Schauplätzen in Freiburg an Führungen und Veranstaltungen zu Wald und Natur teilnehmen. Insgesamt kamen 180 Besucher. Zu sehen und hören gab es allerdings nicht nur Fledermäuse, Eulen und die Tiere des Mundenhofs: Auch Drachen, Einhörner und liegende Riesen konnten bei einer Fackelwanderung durch den Skulpturenpfad entdeckt werden.

Die Vögel zwitschern, die Luft ist mild und vom abendlichen Licht der Sonnenstrahlen werden die Wipfel der Bäume in goldenes Licht getaucht. Leise lässt der sanfte Wind die Blätter des Waldes hinter dem Freiburger Waldhaus rauschen, vom sonst allgegenwärtigen Lärm der Autos ist nichts zu hören.

Der Bildhauer Thomas Rees und die kleine Gruppe von Interessierten, die sich seiner Führung durch den von ihm geschaffenen Skulpturenpfad "Wald-Menschen" angeschlossen haben, stehen in einem Halbkreis vor der ersten Skulptur des Abends, dem Wurzelkopf.

Werbung


Seit seiner Jugend beschäftigt sich der Kappler mit Holz als Material für seine Kunst – Skulpturen in allen Größen und Formen, meist menschliche Gesichter und Fratzen darstellend. Nun führt er die Gruppe durch das, was für ihn gleichzeitig Atelier und Ausstellungsraum ist: die Natur. Die 19 Stationen der Bildergruppe, die unter dem Oberthema "Mythen, Märchen, Ängste, Freude, Not in einer globalisierten Welt" stehen, erzählen alle eigene Geschichten. Einige seien "einfach so" entstanden, wie Thomas Rees erklärt, andere hätten einen bestimmten Hintergrund. So beispielsweise die "Baumwelt", die aus einer mächtigen, 230 Jahre alten Eiche entstanden sei, die den historischen Entwicklungen widerstanden und Wind und Wetter getrotzt habe, bis sie im Jahr 2006 von heute auf morgen umgefallen sei. Die Bildgruppe besteht aus drei Teilen, in denen der Kappler Autodidakt, wie er sagt, die über Jahrhunderte im Holz gewachsenen Motive schlicht "sichtbar gemacht" habe. In der Mitte hängt als Symbol für die Erde eine hölzerne Kugel, die durch Ketten mit den drei Fragmenten verbunden ist. Werden die drei Teile durch menschliche Einflüsse zerstört, so wird die Kugel fallen. Rees versteht das als Plädoyer, die Abhängigkeit der Erde und des Menschen von der Natur zu achten. Die Skulpturengruppe "Der vierte Reiter" thematisiert die mittelalterlichen Ängste, die die Pest zu dieser Zeit auslöste. Als aufgrund der hereinbrechenden Dunkelheit Fackeln verteilt werden, lassen deren flackernde Flammen die Schatten über das unheimliche Gesicht des Reiters tanzen und erwecken es zum Leben. Auch heute gebe es immer noch eine menschliche Furcht vor Krankheiten – aber auch vor gesellschaftlichen Themen wie Atomkraft und Globalisierung, so der Künstler. Ähnlich wie damals sei der Mensch auch heute noch auf der Suche nach Schuldigen.

An Drachen, Einhörnern, Riesen und Zauberern vorbei setzt die Gruppe ihren Weg fort, bis sie nach gut zwei Stunden wieder am Waldhaus ankommt.

Dabei ist Thomas Rees mit seinem Skulpturenpfad das gelungen, was den Sinn der "Nacht der Umwelt" darstellt: die Besucher für Veränderungen in Natur und Umwelt zu sensibilisieren und den eigenen Umgang mit diesen Werten zu hinterfragen.

Autor: Rune-Marek Morschhäuser