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27. März 2014

Werben und mobil funken

Auftrag wird vom Rat in zwei Losen vergeben / Chaos Computer Club will anderes WLan-Konzept.

  1. Werbung mit Internet-Terminal: Ein Stadtinfosystem der Wall AG am Rotteckring. Das Werbenetz wird neu ausgeschrieben. Foto: Thomas Kunz

Das Werbenetz in Freiburg wird in zwei Tranchen vergeben. Damit will die Verwaltung auch kleineren Anbietern eine Chance geben. Mit großer Mehrheit hat der Gemeinderat zudem beschlossen, dass ein kostenloses WLan-Mobilfunknetz zum Paket gehören soll.

Vor zehn Jahren hatte die Stadtverwaltung der Berliner Wall AG den Zuschlag erteilt. Sie durfte Werbevitrinen, Leuchttafeln, Plakatsäulen aufstellen. Es gab viele Debatten und am Ende sogar einen Gerichtsstreit mit Mitbewerbern. Der Wall-Vertrag bescherte der Stadt über die zehn Jahre Einnahmen von mehr als vier Millionen Euro. Wall hat längst eine Niederlassung in Freiburg und wird, so betonte es Firmensprecher Michael Wehran gegenüber der BZ, sich wieder bewerben.

Der geteilte Auftrag bietet nun auch der Konkurrenz Möglichkeiten. Kenner der Materie gehen davon aus, dass für das größere Los neben der Wall AG auch ihr Hauptkonkurrenz Stroer in Frage kommt. Die Wall AG hat dabei den Vorteil, dass ihre Anlagen bereits stehen und abgeschrieben sind. Das Freiburger Unternehmen Schiffmann wird sich für das auf das kleine Los "auf jeden Fall" bewerben, sagten die Geschäftsführerinnen Vivian und Eva Schiffmann. Die Firma mit ihren 70 Mitarbeitern hat neun Niederlassungen in ganz Deutschland und die Zentrale in Freiburg. Die Geschäftsführerinnen lassen offen, ob sie mit einer Bietergemeinschaft ihren Hut um das größere Los in den Ring werfen.

Werbung


Die Neuausschreibung hat zwei gravierende Änderungen: Zum einen soll Tabak- und Alkoholwerbung verboten werden. Zum anderen muss das Unternehmen, das den Zuschlag für das größere Los erhält, ein WLan-Mobilfunknetz einrichten – die Technik dafür soll in den Werbetafeln "versteckt" werden. Die Wall AG betreibt ein solches WLan-Netz, das für die Nutzer gratis ist, seit vergangenem Jahr in der Innenstadt von Düsseldorf.

Tourismus-Chef für ein kostenloses WLan-Netz

Der Anstoß zum WLan kam von Stadträten und von der städtischen Gesellschaft "Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH" (FWTM). "Das Angebot von WLan an ausgesuchten Plätzen in der Innenstadt ist heute ein wichtiges und zeitgemäßes Infrastrukturangebot für Gäste und Einheimische", so Tourismus-Chef Bernd Dallmann. Die FWTM biete den Service bereits seit einem Jahr in der Tourist-Information an und installiere eine Anlage im Historischen Kaufhaus, deren Reichweite fast die gesamte Südseite des Münsterplatzes abdecken werde.

Aber es gab auch Kritik, das WLan-Netz mit der Vergabe der Außenwerbung zu verknüpfen. Der Chaos-Computer-Club Freiburg (CCCFr) sieht Interessenkonflikte. Ein Werbeflächen-Vermarkter habe bedingt durch sein Geschäft ein Interesse daran, Daten über seine Nutzer zu sammeln, um gezielt Werbung machen zu können. Der CCCFr schlägt deswegen ein sogenanntes Freifunk-Modell vor, bei der Bürger ihre Router zur Verfügung stellen und das es in anderen Städten schon gebe.

Stadtrat Hansjörg Sandler von der CDU-Fraktion (10 von 48 Mandaten) lobte die Teilung in zwei Lose als "Stärkung des Mittelstandes". Hingegen sieht FDP-Stadtrat Patrick Evers darin einzig den Sinn, die Ausschreibung so zu gestalten, dass die Freiburger Firma Schiffmann eine Chance hat. "Nur traut sich niemand, das zu sagen." Baubürgermeister Martin Haag nannte noch einen ganz anderen Grund: Weil sich um das Gesamtpaket nur die beiden Großen der Branche hätten bewerben können, seien kaum hohe Angebote zu erwarten gewesen. "Wir hätten Geld verschenkt."

Autor: unseren Redakteuren Uwe Mauch und Joachim Röderer