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20. April 2015 12:37 Uhr

Perspektivplan

Wie kann Freiburg wachsen, ohne an Lebensqualität zu verlieren?

5 Prozent aller Freiburger wohnen sehr dicht, 40 Prozent recht großzügig. Stadtplaner haben erstmals konkrete Daten offengelegt. Dass Freiburg wachsen muss, steht fest. Nur wie, ist die Frage.

  1. Dicht bebaut und mit Top-Freiraumversorgung: die Studentensiedlung am Flückigersee Foto: Rita Eggstein

Etwa 60 Prozent der Freiburger sind gut versorgt mit Freiräumen in der Nähe, 17 Prozent ganz schlecht. Und: Am dichtesten ist Freiburg am Häuserblock zwischen Schwabentor und Wallstraße. Stadtplaner haben den Freiburger Bürgern jüngst Einblicke in den Perspektivplan gewährt.

Erste konkrete Ergebnisse hatten die Stadtplaner versprochen und einen detaillierten Blick über die gesamte Stadt. Tatsächlich liegen nun Daten vor über die bauliche Dichte Freiburgs, die Einwohnerdichte und die öffentliche Freiraumversorgung, wobei Freiräume höchstens 300 Meter von der Wohnung entfernt sein dürfen.

Dichte versus Freiräume in Freiburg

Wer in Freiburg lebt, ahnt ungefähr, was dabei herauskam. Höher verdichtet und mit wenig Freiraum versorgt sind unter anderem Beurbarung, die Wiehremer Talstraße oder die Ecke Basler und Merzhauser Straße. Viel Freiraum und geringe Dichte haben Mooswald, Waldsee, Zähringen und Teile der Wiehre. Bei Weingarten, Landwasser und Betzenhausen gibt es alle möglichen, uneinheitlichen Ergebnisse.

Die etwa 100 Bürger im Paulussaal, darunter viele Ältere, sollten und wollten mitdiskutieren. Wann ist Dichte angenehm, wann unangenehm? Da gab es ganz unterschiedliche Einschätzungen. Dichte sei nicht schlimm, wenn die Lebensqualität stimmt, sagten die einen. Autoverkehr sei ein größeres Problem als Dichte, die anderen. Ob Freiburg denn überhaupt wachsen müsse, fragten die nächsten, sei es nicht sinnvoller, Wohnungen effektiver zu belegen?

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Acht Strategien für das Wachstum der Stadt

Dass Freiburg wachsen wird, steht für die Stadtplaner außer Frage. Wie das gehen kann, ohne Lebensqualität zu verlieren? Dafür haben sie acht Strategien entwickelt, quasi Hebel, die man ansetzen könnte.

Erstens: "Anreichern", also draufbauen, dranbauen und dazwischenbauen. So könnten etwa gemeinsame Dachterrassen als neue Freiräume dienen. In Frage käme dafür, meinen die Planer, unter anderem Landwasser.

Zweitens: "Akzentuieren", also monofunktionale Quartiere anders gestalten. Das wäre etwa am Stadion möglich.

Drittens: "Umnutzen", also Gebäude, Quartiere und Freiräume attraktiver machen. Ein Beispiel wäre ein verlassenes Gehöft, das zum Ort für solidarische Landwirtschaft wird. In Freiburg wäre Umnutzen am Güterbahnhof möglich, meinen die Planer.

Viertens: "Öffnen", also sich was trauen und experimentieren. Zum Beispiel Wege durch Friedhöfe legen oder Kleingärten für die Allgemeinheit zugänglich machen. In der Nähe des Technischen Rathauses soll das möglich sein.

Fünftens: "Formen", also größere Freiräume für Wohnungen schaffen, vielleicht im neuen Stadtteil Dietenbach.

Sechstens: "Säumen", den Rand von dörflichen Stadtteilen mit Wohnen und Freizeit bestücken. Das sei im Rebengebiet in Halbhöhenlage und in den Tuniberg-Ortschaften möglich.

Siebtens: "Kapern", also verlärmte Straßen und Abstandsgrün bebauen. Beispiele wären die Paduaallee oder die Besançonallee.

Achtens: "Verknüpfen", also mehr und bessere Wege anlegen und Barrieren zwischen Gebieten abbauen. Das wäre etwa in St. Georgen möglich.

Als nächster Schritt der Planung sollen nun drei Denkrichtungen entwickelt werden, wie Freiburg in 15 Jahren aussehen könnte
Perspektivplan

Wie soll sich Freiburg in den nächsten 15 Jahren entwickeln? Wo können neue Wohnungen und neue Freiräume entstehen? Darauf soll der Perspektivplan eine Antwort geben. Dazu liefert die die Arbeitsgemeinschaft Cityförster/Freiwurf/Stein und Schultz Daten, Fakten und Zahlen zur Situation Freiburgs. Gemeinsam mit Stadtverwaltung und Bürgern werden drei mögliche Szenarien entwickelt, wie Freiburg in 15 Jahren aussehen könnte. Daraus entsteht ein Perspektivplan, an dem sich künftig alle Planungen orientieren. Mehr Informationen unter http://www.perspektivplan-freiburg.de

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Autor: Simone Lutz