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08. Juli 2016

Bildung

Wie Kinder mit dem Förderprogramm "Matheforscher" für Mathe begeistert werden sollen

Was ist toll an Mathe? Alles, finden die Kinder, die sich bei den „Matheforschern“ der Hector-Kinderakademie treffen. Das ist eines von derzeit 49 Angeboten im Förderprogramm für begabte Grundschulkinder in Freiburg, das die Hector-Stiftung des SAP-Gründers Hans-Werner Hector finanziert.

  1. Mit voller Konzentration dabei – bei jedem Wetter: Die „Matheforscher“ der Hector-Kinderakademie Foto: kunz

Die Reinhold-Schneider-Schule in Littenweiler stellt das Programm seit fünf Jahren zusammen, an verschiedenen Orten – die jungen Matheforscher kommen zur Pädagogischen Hochschule(PH), mit der kooperiert wird.

Ein Kreis mit neun Jungs und drei Mädchen: Larissa Rahn, PH-Studentin im 8. Semester, zeigt Plastikkarten, die an den Rändern gezackt sind. Je fünf Karten müssen passend zusammengesteckt werden. Leander (9) ist der Erste, der zeigt, wie es geht. In der Schule langweilt er sich manchmal, das meiste weiß er schon. Mathe ist sein Lieblingsfach, und Geschichte wird es werden, wenn es später dazu kommt: Seit ihm sein Vater zum sechsten Geburtstag "Eine kurze Weltgeschichte für junge Leser" geschenkt hat, liest er alles Historische, was er in die Hände bekommt. Hier bei den Matheforschern findet er es spannend. Er ist Drittklässler an der Reinhold-Schneider-Grundschule, 157 der zurzeit 254 Kinder der Freiburger Hector-Akademie stammen von dort.

Susanne Nagel-Jung, die Leiterin der Reinhold-Schneider-Schule und Geschäftsführerin der Hector-Akademie, bedauert, dass das Angebot auch nach fünf Jahren nur mäßig in die Breite gedrungen ist: Zwei Drittel der Kinder, die zu den Kursen kommen, wohnen in Freiburg, obwohl die Region bis nach Titisee reicht.

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47 von 65 möglichen Schulen haben schon mitgemacht

Von 65 Schulen, die teilnehmen könnten, haben bisher 47 mitgemacht. In Freiburg beteiligen sich alle Grundschulen. Die Kurse sind nachmittags, wenn die Anfahrtswege lang sind, fallen viele Kinder raus, deren Eltern das zu mühsam ist. Dabei ist Susanne Nagel-Jung vor allem deshalb in die landesweit verstreuten Hector-Akademien eingestiegen, um speziell Kindern aus Familien mit wenig Geld und wenig Förderung kostenlose Zusatzangebote zu bieten. Jedes Schuljahr bekommen alle 65 Schulen bis zu den Herbstferien die neuen Programme. Die Lehrer entscheiden, welche Kinder in Frage kommen, und informieren die Eltern. Die ausgewählten Kinder stechen heraus, weil sie wissbegierig sind, schnell kombinieren, Dinge hinterfragen. Und durch ihre Motivation: Auch an heißen Nachmittagen machen alle mit Begeisterung hochkonzentriert weiter, erzählt Dinah Reuter, Mitarbeiterin am Institut für mathematische Bildung der PH, die mit Lehramtsstudenten die jungen Matheforscher betreut. Diese enge Zusammenarbeit mit der PH in diesem Fall sei etwas Besonderes, sagt Susanne Nagel-Jung, obwohl Kooperationen dazu gehören.

Mit dabei sind unter anderem Vertreter vom Science House Rust, pensionierte Professoren, auch ein Förster und Mitarbeiter des Carl-Schurz-Hauses, die Englischkurse anbieten – alles Menschen mit besonderen Kenntnissen. 60 Prozent der Kurse müssen naturwissenschaftlich-technisch-mathematisch sein, beim Rest gibt’s ein breites Spektrum, auch ein Mundharmonika-Kurs in der Flüchtlingsunterkunft Hammerschmiedstraße war schon dabei. Max (9), Drittklässler an der Tunibergschule, hat außer bei den Matheforschern einen Technik- und einen "Logik für Jungs"-Kurs mitgemacht, sein Freund Christian (8) hat sich über Pharaonen informiert. Emily (7), Zweitklässlerin der Anne-Frank-Schule, hat Selbstverteidigung gelernt. Zu den Matheforschern kommt sie gern – sie liebt Knobelaufgaben: "Die gibt’s in der Schule nicht!"

Autor: Anja Bochtler