Wie kleine Szenen den Alltag verwandeln

Elisabeth Zschiedrich

Von Elisabeth Zschiedrich

Do, 26. Juni 2008

Freiburg

Zum 30. Geburtstag der Freiburger Spielwerkstatt präsentieren mehrere Schulen das Kreativspektakel "Metamorphosen"

Als es hieß, sie machen ein Theaterprojekt, dachten die Jungen und Mädchen der Reinhold-Schneider-Schule zuerst an eine Hauptfigur, eine Geschichte, ein Bühnenbild. Bei der ersten Aufführung ihres Stücks gibt es nichts davon: Die 35 Schüler und Schülerinnen zeigen keine durchgehende Handlung, sondern verschiedene Alltagsszenen, untermalt von Trommelwirbel, Rasseln und Xylophon-Klängen. Auf der Bühne befinden sich nur eine Parkbank und ein Stehtisch. Bauarbeiter treten auf, Putzmänner klatschen sich ab. Japanerinnen lassen sich fotografieren, wenig später eskaliert ein Ehestreit. Die Frau erschießt den Mann, der sofort wieder aufsteht und erklärt: Es war nur eine Probe für einen Film.

Die Darbietung im Bürgersaal Littenweiler ist für die Hauptschüler eine Art Probe. Die richtige Aufführung findet im Rahmen eines Kreativspektakels statt, das die Freiburger Spielwerkstatt anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens initiiert hat. Außer der Reinhold-Schneider-Schule (Littenweiler) beteiligen sich die Richard-Mittermaier-Schule für geistig Behinderte (Oberwiehre) und die Emil-Thoma-Realschule (Stühlinger). Alle haben je eine Theater- und Tanzdarbietung einstudiert. Heute ist unter dem Titel "Verwandlungen – Metamorphosen" um 19 Uhr im Bürgerhaus Zähringen das Ergebnis zu sehen.

Die Schüler der Reinhold-Schneider-Schule haben seit Januar mit zwei Lehrern, einem Theaterpädagogen und einem Musiker die Szenen entwickelt, Requisiten aus Pappmaché gebastelt und das Stück geprobt. "Das Besondere an diesem Projekt ist, dass verschiedene Schularten zusammen arbeiten", sagt Christian Schulz von der Spielwerkstatt, der das Projekt koordiniert und damit selbst Neuland betritt. Die Organisation sei schwieriger gewesen als anfangs gedacht, da die Strukturen der Schulen sehr verschieden seien. Die beteiligten Lehrer standen in engem Kontakt untereinander und mit den Referenten der Spielwerkstatt, und die Schüler besuchten sich auch gegenseitig an ihren Schulen. "Die Schüler der Richard-Mittermaier-Schule zu treffen, war am Anfang komisch", erzählt Céline, Fünftklässlerin der Reinhold-Schneider-Schule. "Aber wir haben uns schnell aneinander gewöhnt, Tischkicker gespielt und abends in der Schuldisco getanzt. Das war richtig lustig." Die Begegnung der Schüler untereinander ist es auch, die Michaela Dingler, eine der beteiligten Lehrerinnen der Richard-Mittermaier-Schule, an dem Projekt besonders gefällt.

Heinrich Kirsch, der mit den Schülern der Reinhold-Schneider-Schule die Musik einstudiert hat, ist beeindruckt von der Entwicklung der Kinder: "Zuerst war viel soziale Arbeit gefordert. Dauernd mussten wir irgendwo Streit schlichten. Dass sie jetzt ganz selbstverständlich Musik machen für andere, das wäre im Alltag nie möglich." Sein Kollege Balduin Bollin erlebt die Schüler beim Projekt ganz anders als im normalen Unterricht: "Viele rufen sonst sehr schnell nach Hilfe. Hier übernehmen sie Verantwortung dafür, dass der Ablauf klappt und schaffen es wirklich, sich im Zusammenspiel mit anderen selbst zu organisieren."

Den Schülern hat die erste Präsentation ihres Stückes viel Spaß gemacht, sie sind aber auch froh, dass es jetzt erst einmal geschafft ist. Fabian aus der siebten Klasse stand vorher schon mal auf der Bühne. Für den 14-jährigen Orhan war es das erste Mal. Richtig nervös sei er gewesen, sagt er. Obwohl die richtige Aufführung ja erst noch kommt.

Öffentliche Präsentation, heute ab 19 Uhr, Bürgerhaus Zähringen. Eintritt frei.

http://www.freiburger-spielwerkstatt.de