Integration

Wie leben Sinti und Roma heute in Freiburg?

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

Do, 15. März 2018 um 09:44 Uhr

Freiburg

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg hörte die Diskriminierung der Sinti und Roma nicht auf. Dennoch sieht Tomas Wald vom Roma-Büro heute große Fortschritte. Nur an deren Dauer zweifelt er.

Die Geschichte der Sinti und Roma nach dem Zweiten Weltkrieg blieb in Freiburg wie überall geprägt von Diskriminierung. Ehemals Internierte kamen aus Polen nach Freiburg und ließen sich am westlichen Stadtrand nieder. Sie waren bereit, die Verhaltensweisen und Gewohnheiten der Mehrheit der Bürger zu übernehmen. Eine Entschädigung zu bekommen war für Sinti und Roma schwierig; ihnen fehlte jegliche Lobby. Anträge wurde von der Wiedergutmachungsbehörde abgebügelt. 1956 fällte der Bundesgerichtshof ein skandalöses Urteil zur Entschädigungsfrage.

In Freiburg herrschte weiterhin eine feindselige Atmosphäre

In Freiburg beschwerten sich Anwohner weiterhin; und das Rathaus versuchte, Sinti und Roma von der Stadt fernzuhalten und tat wenig zur Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse; hygienische Zustände und Infrastruktur an den Standorten waren prekär. In einem Brief schilderte ein Pfarrer die elende Lage der Kinder auf den "Zigeunerplätzen". Mitte der 60er errichtete die Stadt Steinbaracken an der Mundenhofer Straße. Doch auch dort waren die Verhältnisse schlecht, deutschlandweit berichteten Medien über die Zustände. Unterstützt von radikalen Studentengruppen, entschlossen sich die Sinti, in besser ausgestattete Holzbaracken an der Opfinger Straße umzuziehen; sie hatten den Wunsch, in bürgerlichen Verhältnissen zu leben. Doch von gelungener Integration und Gleichbehandlung konnte noch immer keine Rede sein. "Nachbarschaftswerk und Haus Weingarten als sozialpädagogischer Verknüpfungspunkt mit den Neubausiedlungen am Auggener Weg und der Opfinger Straße" (Christoph Götz) spielten in den 70ern eine wichtige Rolle.

Heute ist die Situation besser – nur ob das so bleibt, ist fraglich

Heute leben in Freiburg 2500 bis 3000 Sinti und Roma. Tomas Wald vom Roma-Büro beobachtet noch immer Formen von "Antiziganismus". Allerdings hat der 69-Jährige auch Veränderungen wahrgenommen. Es gebe einen "gesellschaftlichen Reflexionsraum", das sei "ganz sicher ein Fortschritt". Wald selbst steht erst seit 15 Jahren öffentlich zu seiner Roma-Herkunft; noch immer erlebe er Diskriminierung. Doch bei den Jugendlichen habe sich die Integration verbessert. "Ob das zu halten ist, da haben wir manchmal Zweifel." Keine Fortschritte gebe es bei denen, die an den Rändern lebten, illegal und zum Teil ohne Papiere. Eine Siedlung wie der Auggener Weg gebe Kraft und stabilisiere. "Ich finde das gut, das gibt den Menschen Sicherheit. Das brauchen sie." Es sind die Jugendlichen, die diese Schutzräume verlassen. Sie könnten, sagt Wald, Mediatoren in einer "gemischten Gesellschaft" sein. Das Roma-Büro in der Ensisheimer Straße 20 hat ein Projekt initiiert, in dem es antiziganistische Vorfälle dokumentiert. Es wird dort heute um 19 Uhr vorgestellt.