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01. Juli 2011

"Wir waren völlig schockiert"

Verbindungen gegen Rassismus.

Ein Machtkampf in der Deutschen Burschenschaft (DB) zwischen rechtslastigem und liberalem Lager hat kürzlich bundesweit für Aufsehen gesorgt: Eine Bonner Burschenschaft wollte auf dem Burschentag in Eisenach einen Antrag einbringen, in dem sie den Ausschluss der Mannheimer Hansea aus der DB gefordert hatte, da deren Sprecher Kai-Ming Au asiatische Wurzeln hat. Zudem forderte die "Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks" – so der Name der Bonner Verbindung –, dass deutsche Abstammung ein zwingendes Kriterium für die Aufnahme in die DB werden solle. Einen Tag vor der Abstimmung zog sie den rassistischen Antrag dann zurück.

Die DB ist einer von mehreren Dachverbänden, sie zählt rund 120 Mitglieder; zwei von ihnen – die Teutonia und die Saxo-Silesia – sind in Freiburg ansässig mit Sitz in der Wiehre. Beide haben sich klar und deutlich von dem rassistischen Gedankengut der Bonner Burschenschaft distanziert. Die 1851 gegründete Teutonia (20 Studenten und 200 Alte Herren) überlegt nach dem Vorfall, als "ultima ratio" aus der DB auszutreten, sagt Rolf Piechowicz. Er ist Vorsitzender der Alten Herren der Teutonia, die sich politisch in der Mitte des demokratischen Spektrums verortet. "Wir als Freiburger Teutonia waren völlig schockiert von dem Antrag." Noch sei ein Austritt aus der DB "Zukunftsmusik", da es sich bei den Initiatoren des Antrags um eine Minderheit in der DB gehandelt habe, doch stehe bei der Teutonia alles auf dem Prüfstand: "Im Moment kann ich in der Mitgliedschaft keine Vorteile erkennen." Der Flurschaden sei beträchtlich, so Piechowicz: "Da wurde sehr viel Porzellan zerschlagen." Den Abstammungsgedanken kann er nicht nachvollziehen: "Wir sind eine so internationale Gesellschaft geworden."

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Auch Joerg Haverkamp, Vorsitzender der Alten Herren der 1885 gegründeten Saxo-Silesia, sieht durch den Lagerstreit in der DB einen Imageschaden für die eigene Burschenschaft. Austreten will die Saxo-Silesia aber nicht. Besser sei es, anlässlich solcher Debatten auf- statt auszutreten, das Feld dürfe in der DB, in der es ja auch vernünftige Kräfte gebe, nicht Radikalen überlassen werden. Erst wenn sich die Mehrheitsverhältnisse zugunsten des radikalen Lagers ändern würden, wäre ein Austritt eine Option. In der Saxo-Silesia (zwölf Studierende, 110 Alte Herren) gab und gibt es Mitglieder mit ausländischer Herkunft, und auch der deutsche Pass sei nicht das Maß aller Dinge für eine Mitgliedschaft, sagt Haverkamp und spricht von einem "verfassungswidrigen Angriff" der Bonner Burschenschaft auf die Hansea. "Als Staatsbürger bekenne ich mich zum Grundgesetz, und als Burschenschaftler bekenne ich mich zu den Werten des Grundgesetzes", betont Haverkamp: "Wir möchten keine Extremisten in unseren Reihen."

Autor: fz