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02. März 2012

Wo Schule so viel mehr als Kopfzerbrechen bedeutet

Groß und Klein probieren die Angebote bei einem Kreativtag der Freiburger Schulen mit Begeisterung aus.

  1. Eine Gruppe der Hofackerschule-Grundschule Waltershofen und der Karoline-Kaspar-Schule beim gemeinsamen Trommeln. Foto: Thomas Kunz

Größer könnte der Gegensatz nicht sein: Während aus dem Keller rhythmische Trommelklänge durch das Haus dröhnen, hat sich zwei Stockwerke höher eine Gruppe von großen und kleinen Menschen um eine Kerze gruppiert und lauscht der Stille im Raum. Zum "Kreativtag für Freiburger Schulen" hat die Freiburger "Schulprojekt-Werkstatt" Kinder, Lehrer und Eltern ins Haus der Jugend geladen. Dabei können sie was erleben: Dass Schule nämlich viel mehr sein kann als sich über Buchstaben und Zahlen den Kopf zu zerbrechen.

Sarah und ihre Freundin Lisa sitzen auf zwei Stühlen, umringt von vier Kindern und fünf Erwachsenen. Aber was heißt hier schon sitzen? Die beiden Sechsjährigen von der Lorettoschule rütteln sich und schütteln sich, lassen Arme und Beine fliegen und geben ihrem Publikum Rätsel auf. Das ist nicht auf den Kopf gefallen: "Sturm", schreit auf einmal jemand, und die Nuss ist geknackt. "Ex und Hop – Improtheater" nennt sich einer der sieben Workshops, die im 30-Minuten-Takt durchlaufen werden. Studierende der Katholischen Hochschule begleiten die Gruppen von Station zu Station. Unter den 66 Teilnehmenden von zehn Freiburger Schulen (sechs Grund-, eine Förder-, zwei Hauptschulen und ein Gymnasium) sind 37 Schülerinnen und Schüler, acht Eltern, drei Schulsozialarbeiter und 18 Lehrerinnen und Lehrer. Angeleitet von Claudia d’Urso-Temi legen Klein und Groß eine flotte Hip-Hop-Choreografie aufs Parkett, während nebenan im Großen Saal bei der "kleinen Zirkusschule" neun kleine und große Menschen sich auf Matten sich zu einer Pyramide formen.

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Sarah haben die Mitmachgeschichten von Nikola Hübsch und das Improtheater am besten gefallen. Sie kann gar nicht genug davon bekommen. Auf kleinen violetten Zetteln steht, was die Darsteller jeweils spielen sollen. Erstklässlerin Sarah braucht beim Lesen noch ein bisschen Nachhilfe von Workshopleiterin Isa Bischoff. Sarah hat auch ihren Vater mitgebracht. Die "blanke Neugierde" hat Martin Holzer hergetrieben. Ihm würde gefallen, solche Elemente auch in die Schule zu integrieren. Da ist er sich mit Lisas Vater Daniel Wiegand einig. Er hat sich extra einen Tag Urlaub genommen, um mit seiner Tochter zusammen zu spielen und zu experimentieren. "Ich lerne Dinge kennen, auf die ich von allein nie gekommen wäre und die total Spaß machen", schwärmt der Elektrotechniker.

Die Rechnung von Christian Schulz scheint aufzugehen: Kinder, Eltern und Lehrer fangen Feuer und würden aus den Schnupperangeboten in ihren jeweiligen Schulen gerne mehr werden lassen. Für den Leiter der von der Stadt getragenen und vom Land geförderten Schulprojekt-Werkstatt ist der Tag eine gelungene Werbung in eigener Sache: Die von Honorarkräften angebotenen Kreativprojekte lassen sich buchen, ein Ganzjahresprojekt mit einer wöchentlichen Doppelstunde etwa zu einem Preis von 2000 Euro.

Mit einem Kopf voller Ideen jedenfalls wird die Klassenlehrerin (die namentlich nicht genannt werden will) einer zweiten Klasse an der Caroline-Kasper-Schule morgen wieder in ihren Schulalltag eintauchen. "Manches könnte ich sofort umsetzen, vom Trommeln, vom Tanzen." In so viele verschiedene Bereiche mal reinzuschnuppern, hat ihr gut gefallen. "Es wäre interessant, das mit Profis an der Schule mal zu vertiefen."

Autor: Anita Rüffer