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10. Oktober 2011

Obskure Esoterik

Sekten-Expertin: Yoga kann gefährlich sein

Sekten-Expertin Ursula Caberta warnte vor obskurer Esoterik.

Ursula Caberta, Sekten-Expertin und Autorin des Bestsellers "Schwarzbuch Scientology", hat in der Universität über die Gefahren von Esoterik und das Geschäft mit der Erleuchtung gesprochen und vor obskuren Heilpraktikern gewarnt. Bereits zum zweiten Mal hieß Thomas Wolf, der Leiter des Freiburger Bildungswerkes der Konrad-Adenauer-Stiftung die Hamburger Scientology-Expertin "in der Höhle des Löwen" willkommen.

"Spiritismus ist auch in Freiburg in der Gesellschaft angekommen, kaum ein esoterisches Angebot, was man hier nicht bekommen könnte. Doch sind die Übergänge von spielerischem Ausprobieren zu psychischer und materieller Abhängigkeit fließend." Das würde Ursula Caberta wohl unterschreiben. Sie war von 1992 bis 2010 Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology bei der Behörde für Inneres in Hamburg. Seit 2011 ist sie Ministerialreferentin für neureligiöse, ideologische Gemeinschaften und Psychogruppen bei dieser Behörde und berät Aussteiger und Angehörige von Sektenmitgliedern. In ihrem 2007 erschienenen "Schwarzbuch Scientology" warnt sie eindrücklich vor der Anziehungskraft von Sekten und den Werbestrategien der Esoterik-Szene.

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"Scientology geht es schlecht", beruhigte Caberta zwar zu Anfang. Doch der folgende Vortrag machte deutlich, dass das kein Grund zur Entwarnung ist. Ob Sektenführer, die im Auftrag beliebiger "höherer Mächte" rechtsextreme Ideologien verbreiten, oder Heilpraktiker, die als "medizinische Laien auf die Leute losgelassen" werden: "Es geht um breitere ideologische Grundsätze, die sich immer stärker vernetzen und durch die nicht nur die demokratische Grundordnung, sondern auch das Wohl Einzelner gefährdet sind", fasste die Diplom-Volkswirtin zusammen. Das Problem liegt ihrer Ansicht nach auch darin, dass die meisten Menschen, die sich mit Esoterik beschäftigen, nicht über die Ursprünge der jeweiligen Strömung Bescheid wissen. "Die wenigsten Eltern, die ihre Kinder auf Waldorf-Schulen schicken, wissen, dass ihr Begründer Rudolf Steiner einer der bedeutendsten Okkultisten des 20. Jahrhunderts war, in dessen Lehre sich braunes Gedankengut findet." Auch heute noch würden unter dem Deckmantel der Esoterik rechtsextreme Überzeugungen verbreitet. Doch die Esoterikexpertin sieht nicht nur die Demokratie gefährdet, sondern besonders auch das Wohl des Einzelnen. "Das Heilpraktikergesetz ist ein Täterschutzgesetz", zitiert sie aus ihrem Buch und erklärt: "Die Heilerszene ist aus staatlicher Sicht eines der Hauptprobleme. Die Ausbildung zum Heilpraktiker ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, die Prüfung ist nicht zentral und beliebig oft wiederholbar, und viel Medizinisches findet in der Ausbildung nicht mehr statt. Eine Arzthelferin hat nach ihrer Ausbildung mehr medizinisches Fachwissen als die meisten Heilpraktiker." Häufig sind auch Kinder betroffen und ihre psychische und physische Gesundheit gefährdet, wenn Eltern sich in den Fängen von Sekten verstricken. "Jugendämter reagieren häufig spät, das mag an dem Respekt vor dem Glauben der Eltern liegen, aber auch daran, dass im Jugendbereich immer stärker gekürzt wird, und es an Fortbildungen des Personals mangelt." Den Besuchern rät sie: "Bleiben Sie kritische Verbraucher, hinterfragen Sie die beworbenen Methoden und lassen Sie die Finger davon, wenn es heißt, man könne nicht erklären, was beim Seminar passiert, man müsse es erleben. Das gilt für christliche Gruppierungen genauso wie für Yoga."

Autor: Andrea Perino