Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

24. Juni 2010

Zehntausend neue Bäume fürs Klima?

Der Gemeinderat befasste sich mit Freiburger Möglichkeiten einer Anpassung an den Klimawandel.

  1. Viele Bäume wurden in den vergangenen Jahren – wie hier in der Klarastraße – bereits gepflanzt. Für neue bräuchte es neue Straßen, so Stadtrat Eßmann zu Friebis’ Idee, 10000 Bäume zu pflanzen. Foto: ingo schneider

Mit dem Klima ist es so eine Sache. Auch im Freiburger Gemeinderat. Als es zum Beispiel am Dienstagabend um eine Anpassung der Stadt an den vorhergesagten, erwarteten, befürchteten Klimawandel mit einer Erwärmung von ein bis zwei Grad und deutlich mehr Niederschlägen ging, da erhitzten sich auch die Gemüter im Neuen Ratssaal. Vor allem an dem vom grünen Stadtrat Eckhart Friebis durchaus plakativ gemeinten Vorschlag, in den nächsten zehn Jahren in der Stadt zehntausend neue Bäume zu pflanzen.

Während CDU-Stadtrat Daniel Sander den grünen Vorschlag für noch mehr "Green City" kurz und knapp als "unrealistisch" abtut, spricht FDP-Stadtrat Patrick Evers von einem "Show-Antrag, der dem Thema nicht angemessen ist". Ähnlich sieht es Johannes Gröger (Freie Wähler), der über den grünen Antrag am liebsten gar nicht abgestimmt haben möchte, "weil er eigentlich insgesamt ein guter Antrag ist". Was wiederum der Forstwissenschaftler und SPD-Stadtrat Hans Eßmann ganz anders beurteilt und vorrechnet: "Wir müssten erst mal zehn Kilometer neue Straßen bauen, um zehntausend Bäume pflanzen zu können."

Werbung


Je mehr sich der Gemeinderat für diesen Disput erwärmt, umso mehr erkaltet derweil das Interesse an der Vorlage der Stadtverwaltung mit ihren Vorschlägen, wie sich Freiburg mit einer nachhaltigen Stadtentwicklung möglichst gut gegen sommerliche Hitze, Sturm, Unwetter und "Starkniederschläge mit Hochwasser" wappnen sollte. Zu dieser Anpassung – die heutzutage und hierzulande natürlich Adaption genannt wird – an den Klimawandel soll unter anderem gehören: zusammenhängende Grün- und Freiflächen als "Kaltluftentstehungsflächen" zu erhalten, Gebäudehöhen zu begrenzen, den Energieverbrauch ebenso zu verringern wie den Ausstoß von Kohlendioxid, Häuser energetisch zu sanieren, künftig eher anpassungsfähige Baumarten zu pflanzen, das Wasser auf Grundstücken versickern zu lassen und Überschwemmungsgebiete freizuhalten. Das alles soll selbstverständlich, sagt Bürgermeisterin Gerda Stuchlik "ein Gemeinschaftswerk aller städtischer Ämter" sein.

Sie allerdings müssen sich fürs Erste wenigstens mit einem nicht weiter befassen – mit zehntausend neuen Bäumen. Diesen Vorschlag nämlich hat Eckhart Friebis dann doch noch zurückgezogen. Und damit hat sich am Ende auch die Atmosphäre im Gemeinderat wieder etwas abgekühlt. Der die "Adaption an den Klimawandel" übrigens nun verstärkt in seinem Umweltausschuss behandeln will.

Autor: Gerhard M. Kirk