Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

20. März 2017

Freiburger Uniklinik

Zentrum für Naturheilkunde: Sanfte Krebstherapien vollbringen keine Wunder, aber einige wirken

Das Interesse an sanfteren und ergänzenden Methoden zur Krebsbehandlung ist riesig. Das zeigte der Patiententag des Zentrums für Naturheilkunde.

  1. Riesiges Interesse am Patiententag: Experten des Zentrums für Naturheilkunde der Uniklinik informieren über sanftere und ergänzende Methoden zur Krebsbehandlung. Foto: Rita Eggstein

Chemotherapie, Bestrahlung, Operation: Um belastende Behandlungen kommen Krebspatienten in der Schulmedizin nicht herum. Doch das Bedürfnis nach sanfteren Methoden, die zumindest begleitend eingesetzt werden können, ist groß. Das zeigte am Samstag der volle Hörsaal beim Patiententag zu naturheilkundlichen Therapiemöglichkeiten. Das Zentrum für Naturheilkunde der Uniklinik pries zwar keine Wundermittel an, zeigte aber interessante Zusammenhänge auf.

Gerade sei es ihm wieder passiert, erzählt Roman Huber, der Leiter des Zentrums für Naturheilkunde: Eine Frau zeigte ihm eine Box mit Mikronährstoffen, die sie von ihrer Heilpraktikerin bekommen hatte. Darum geht es in seinem Vortrag über Vitamine, Spurenelemente und Enzyme. Nach deren Wirkung wird Roman Huber fast täglich gefragt.

In seinen Antworten bezieht er sich auf Studienergebnisse: Demnach nutze ungezielte Einnahme von Multivitaminpräparaten zur Vorbeugung überhaupt nichts. Bei Menschen, die bereits Krebspatienten sind, gebe es aber Hinweise auf einzelne Helfer: Große Mengen Vitamin C könnten bei Blasenkrebs die Blasenschleimhaut schützen. Und weil bei Tumorpatienten die Werte von Selen (ein schwefelähnliches Element, das in kaum messbaren Mengen im Körper vorkommt) und Vitamin D oft niedrig seien, könnte es einen Zusammenhang mit der Entstehung von Krebs geben. Das sei aber noch nicht eindeutig nachgewiesen. Bei Patientinnen mit gynäkologischen Tumoren, die Selen bekamen, verringerten sich zumindest die Nebenwirkungen der Bestrahlung, wenngleich sich die Lebensdauer nicht erhöhte.

Werbung


Bei Brustkrebs-Patientinnen mit ausreichend Vitamin D sei die Rückfallrate niedriger, auch die Chemotherapie verlaufe bei ihnen erfolgreicher. Eine Frau fragt skeptisch: "Ich höre das jetzt dauernd mit dem Vitamin D-Mangel, auch bei Menschen, die immer draußen sind, aber warum?" Vitamin D werde zwar durch die Sonne gebildet, sagt Roman Huber: "Aber man muss sehr viel draußen sein, damit es genügt." Wirksam sei intensive, stundenlange Sonneneinstrahlung auf den ganzen Körper. Sind nur kleinere Körperflächen unbedeckt, werde es schwierig. Im Winter hätten in Deutschland fast alle zu niedrige Vitamin-D-Werte.

Ärzte probieren viel und wissen noch wenig

Als sehr gut erforscht gelten inzwischen die Wirkungen der Mistel bei Krebs: Darüber informiert Matthias Rostock vom Lehrstuhl für Naturheilkunde aus Zürich. Er erzählt von einer 39-jährigen Brustkrebs-Patientin, die während ihrer Chemotherapie zu ihm kam. Die Nebenwirkungen hätten ihr so zugesetzt, dass sie Angst hatte, die Chemotherapie nicht zu Ende führen zu können. Matthias Rostock fasst Ergebnisse zur Misteltherapie zusammen: Bei 14 von 16 Studien sei die Lebensqualität gestiegen, weil die Mistel Symptome wie Gewichtsabnahme, Schmerzen, Übelkeit, Angst und Depressionen lindern könne. Bei sechs von 13 Studien habe sich außerdem die Überlebenszeit verlängert. Die Patientin habe sich für die Misteltherapie entschieden, die Chemotherapie durchgestanden und sei seitdem tumorfrei.

Wie genau alles zusammenwirke und warum, sei unklar, viele Fragen seien offen, betont Rostock: "Wir machen alles Mögliche, aber was gibt den Ausschlag? Das wissen wir nicht." Es gebe auch Fälle, bei denen Misteltherapie nicht geeignet sei, unter anderem bei Tuberkulose und Morbus Crohn, Leukämie oder Autoimmunerkrankungen.

Im Publikum gibt’s sehr unterschiedliche Mistel-Erfahrungen: Eine Frau befürchtet, dass ihr Rückfall auf die Mistel zurückzuführen sei. Matthias Rostock glaubt das nicht.

Eine andere Frau erzählt, dass sie sich nach der Operation eines Ovarialkarzinoms für eine Mistel- statt für eine Chemotherapie entschieden habe und nun seit 2005 tumorfrei sei.

Letztlich aber bleibt eines immer klar, betont der Zürcher Naturheilkundler Matthias Rostock: "Der Patient entscheidet, kein Arzt kann eine Therapie befehlen. Wir können nur wissenschaftliche Daten mitteilen."

Autor: Anja Bochtler