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27. März 2009 16:52 Uhr

Schuldenfahrt

Zug der Erinnerung in Freiburg: Die Bahn kassiert

Die rollende Gedenkausstellung für Opfer des Naziterrors kommt am Sonntag nach Freiburg. Um die Kosten für die viertägige Veranstaltung tragen zu können, sind die Organisatoren auf Sponsoren angewiesen. Denn die Bahn hält ordentlich die Hand auf.

  1. Die rollende Ausstellung Zug der Erinnerung kommt am Sonntag nach Freiburg. Kosten für den viertägigen Aufenthalt: 14.000 Euro. Foto: Privat

Tag für Tag fährt die Aufsehen erregende Ausstellung "Zug der Erinnerung" auf ihrem Weg durch Deutschland Schulden ein. Schulden für ein Bildungs- und Kulturangebot, das ringsherum mit Subventionen überschüttet werden dürfte: In Bahnwaggons transportiert dieser ungewöhnliche Zug Bilder und Dokumente, die vom Leben junger Menschen, Kinder und Jugendlicher Zeugnis ablegen. Diese jungen Menschen wurden in der Zeit der Naziherrschaft mit Zügen der Reichsbahn deportiert, in Arbeitslager und Konzentrationslager verschleppt, ermordet.

Direkter kann die Aufarbeitung von Geschichte kaum stattfinden, lebendiger kann Gedenken kaum sein. Am Sonntag um 11 Uhr fährt der "Zug der Erinnerung" auf Gleis 8 im Freiburger Hauptbahnhof ein – geschätzte Kosten für den viertägigen Aufenthalt der Ausstellung: 14. 000 Euro. Die Stadt Freiburg übernimmt die Hälfte davon. Die einladenden Initiativen hier vor Ort tragen mit einem umfangreichen Begleitprogramm erheblich zu der Ausstellung bei. Und doch müssen Veranstalter und Unterstützer wieder und wieder dringend um Spenden bitten. Das Nachefolgeunternehmen der einstigen Reichsbahn nämlich verweigert die naheliegende Unterstützung und hält stattdessen die Hand auf: Die Bahn AG kassiert für den Zug der Erinnerung. 3,50 Euro pro Trassenkilometer, 45 Euro pro Stunde Standzeit am Bahnsteig plus weitere Kosten, so die Veranstalter.

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Die Initiative "Zug der Erinnerung" spricht von etwa 110.000 Euro, die bereits an die Bahn gezahlt werden mussten. Zwar appellierten alle Mitglieder des parlamentarischen Verkehrsausschusses an Bahnchef Mehdorn, die Summe der in Rechnung gestellten Kosten dem gemeinnützigen Verein zu spenden, Mehdorn aber bleibt beim Nein. Auch Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU), findet nicht, dass das Land – anders als Rheinland-Pfalz und Sachsen – die Ausstellung finanziell unterstützen sollte. Nach Durchsicht der Unterlagen zur Ausstellung beschied Rech, es handele sich hier um "eine Veranstaltung des öffentlichen Personennahverkehrs" und für selbige sei der Bund zuständig. Hans-Rüdiger Minow, Vorstandssprecher von "Zug der Erinnerung e.V.", vermutet Ignoranz oder Zynismus hinter dieser Begründung.

Der Zug, entstanden dank einer beherzten Bürgerinitiative, besteht aus Waggons, in denen von europäischen Deportationen berichtet wird. Über Tausende Kilometer verschleppten die SS, das Reichsverkehrsministerium und die Deutsche Reichsbahn über eine Million Kinder und Jugendliche. Statt entsetzlicher Bilder zeigt die Ausstellung Andenken – wie aus Familienalben.
  • Der Zug der Erinnerung steht vom Sonntag, 29. März bis Mittwoch, 1. April auf Gleis 8 des Hauptbahnhofs – dadurch gibt es Änderungen im Zugverkehr (auf Durchsagen am Bahnhof achten!).

Autor: Julia Littmann