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08. Dezember 2016

Stadtgeschichte

Zur BZ-Serie "Wiedersehen!" gibt es jetzt das erste Buch

40 Beiträge aus der Serie "Wiedersehen!" sind nun als Buch erschienen. Die vier Autoren haben jeweils ihre ganz persönlichen Bezüge zur Stadtgeschichte.

  1. Vier für Freiburg (von links): Peter Kalchthaler, Carola Schark, Hans Sigmund, Joachim Scheck Foto: Thomas Kunz

  2. Die Titelseite des neuen Buches Foto: Repro: BZ

FREIBURG. Wer weiß noch, wie die schmucke Konviktstraße früher aussah? Und welche Menschen dort ihr Zuhause verloren, als die alten verfallenen Häuser spätestens in den 1960ern abgerissen wurden? Seit wann gibt’s den Botanischen Garten? Wie sah das 1944 zerstörte Kommandantenhaus am Siegesdenkmal aus? Antworten auf diese und viele andere Fragen zur Stadtgeschichte bietet das Buch "Wiedersehen! Das Freiburger Stadtbild im Wandel der Zeit". Es enthält 40 Artikel, die zwischen 2000 bis 2004 in der gleichnamigen BZ-Serie erschienen sind.

Wahrscheinlich ist es erst der Anfang: Torang Sinaga, Verlagsleiter beim Rombach-Verlag, rechnet damit, dass das erste "Wiedersehen!"-Buch auf ähnlich viel Interesse stoßen wird wie die BZ-Serie. Wenn das zutrifft, sind Fortsetzungen geplant – die Serie erscheint seit 16 Jahren jeden Montag, es gibt also bereits mehr als 800 Beiträge. Das erste Buch enthält Texte von einer Autorin und drei Autoren, die alle ihre sehr persönlichen Zugänge zu ihren Themen haben. Später kamen noch die inzwischen verstorbene Silvia Faller und Manfred Gallo sowie Hans-Jürgen Oehler zum Autorenteam dazu.

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Peter Kalchthaler

Als Peter Kalchthaler ein kleiner Junge war, lag das Ende des Zweiten Weltkriegs nicht weit zurück: Er wurde 1956 in Freiburg geboren. Sein Opa, der während des Krieges Rotkreuzchef gewesen war, erzählte ihm viel davon und vom Ersten Weltkrieg. Auch den Geschichtslehrern am Rotteck-Gymnasium hörte Peter Kalchthaler gern zu. Über Kontakte seines Vaters, den Bäcker und Stadtrat Alfred Kalchthaler, ergab es sich, dass er schon als Schüler selber Historisches erzählen konnte, bei Stadtführungen, die sein Taschengeld aufbesserten. Doch nach dem Abi träumte er nicht von einer Historikerkarriere, sondern wäre gern Deutsch- und Englischlehrer geworden. Weil wegen seiner Mathe-Note der Abi-Schnitt nicht für den Numerus Clausus in Germanistik reichte, landete er bei Kunst- und Architekturgeschichte – und dann ging’s auf dieser Linie weiter. Seit 1994 leitet er das Museum für Stadtgeschichte, er ist stellvertretender Leiter des Augustinermuseums und hat zahlreiche Bücher und Aufsätze publiziert. Auch beim "Wiedersehen!"-Buch ist er der Herausgeber. Er konzentriert sich auf die Innenstadt und große, allgemein bekannte Gebäude.

Carola Schark

Mit protzigen Bauten kann Carola Schark wenig anfangen. Sie liebt die kleinen, unscheinbaren Häuser. Und die Arbeitersiedlungen – über die schreibt sie zurzeit ein Buch, das in vier Jahren erscheinen soll. Für diese Faszination gibt’s einen ganz einfachen Grund: Carola Schark, die 1965 in Freiburg geboren wurde, wuchs in der Haslacher Arbeitersiedlung in der Carl-Mez-Straße auf. Ihr Vater war Hilfsarbeiter, die Mutter Hausfrau, es waren einfache Verhältnisse. Noch immer wirken die geordneten Reihen solcher Siedlungen beruhigend auf sie. Wenn sie irgendwo ein schlichtes, unauffälliges Häuschen entdeckt, bleibt sie hängen: "Ich kann mühelos eine halbe Stunde die Steine anstarren." So war das, seit sie zurückdenken kann: Andere Jugendliche schnitten den Starschnitt aus der "Bravo" aus, sie sammelte die BZ-Serie "Aus den Augen, aus dem Sinn" von Walter Vetter über historische Bauten – die Vorgängerin der "Wiedersehen!"-Reihe. 1991 stieg sie bei der "Arbeitsgemeinschaft Freiburger Stadtbild" ein, mittlerweile engagiert sie sich seit Jahrzehnten für Denkmalschutz und macht Stadtführungen beim Verein "Vistatour". Doch die meiste Zeit ihres beruflichen Alltags war und ist sie mit ganz anderen Dingen beschäftigt: Früher hat sie als Rechtsanwaltsfachangestellte gearbeitet, inzwischen bietet sie Sturzprophylaxe und andere Bewegungsangebote für alte Menschen an. Da bleiben fürs Forschen im Archiv nur die Mittagspausen und fürs Schreiben die Abende.

Hans Sigmund

Er hat sein eigenes Archiv: Im Lauf seines Lebens, das 1939 in Freiburg begann, hat Hans Sigmund jede Menge Material gesammelt. Schon als 20-Jähriger forschte er über die Geschichte seines Stadtteils Herdern, der immer sein Stadtteil bleiben wird – auch wenn er inzwischen mit seiner Frau in Haslach lebt und die Kinder das Haus in Herdern übernommen haben. Neben der Verbundenheit mit seiner Umgebung war’s auch die Zeit, in der er aufwuchs, die ihn stark geprägt hat: Als kleines Kind erlebte er noch die Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg mit, in der Nachkriegszeit spielte er in den Trümmern. Als Jugendlicher wäre er gern Archäologe oder Astronom geworden, und eigentlich wollte er immer schreiben – doch es kam völlig anders, er machte eine Lehre bei der Sparkasse, blieb dort 45 Jahre und wurde Sparkassendirektor. Auch wenn die Stadtgeschichte und die Herdern-Begeisterung nur Hobbys waren, begleiteten sie ihn durchs Leben, er ist in unzähligen Vereinen engagiert und sammelt viel. Dazu gehören auch rund 10 000 Postkarten von Freiburg – zwischen 1000 und 2000 nur mit Münster-Motiven. An die meisten gelangte er übers Internet. Und immer wieder, wenn er seine Karten durchschaut, fällt ihm ein neues Thema fürs "Wiedersehen!" ein.

Joachim Scheck

Warum verschwinden Häuser? Das hat Joachim Scheck schon als achtjährigen Jungen beschäftigt. In diesem Alter ist er, der 1960 geboren wurde, oft mit seinen Eltern zu den Großeltern nach Sigmaringen gefahren. Da kamen sie durch viele Dörfer, und immer wieder waren plötzlich Häuser weg oder Alleen abgeholzt, oder ein holpriger Gehweg war nicht mehr da. Stattdessen gab’s an all diesen Stellen plötzlich neue Straßen. Sein Vater freute sich, weil er immer schneller fahren konnte, doch Joachim Scheck empfand das Verschwinden als schmerzhaften Verlust. "Wenn ein Haus abgerissen wird, fehlen in der Diskussion darüber diese Kategorien des Verschwindens, die sich nicht messen lassen", sagt er. Das ist bis heute sein Hauptthema geblieben, er spürt ihm unter anderem in seinen "Wiedersehen!"-Texten und im Stadtführungsverein "Vistatour" nach, den er 1993 gegründet hat. Seine ersten Stadtführungen lagen in den 1980ern, als er Erstsemester-Studierenden die Stadt zeigte. Damals hatte er direkt nach einem Betriebswirtschaftsabschluss begonnen, Geografie zu studieren, und konzentrierte sich auf historische Geografie. Einer seiner Schwerpunkte ist die Nachkriegszeit. Dazu plant er ein Buch, kommt damit aber aus Zeitgründen kaum voran. "Damals wurde von dem wenigen, das noch übrig war, vieles abgerissen", sagt er.

Das erste "Wiedersehen!"-Buch ist im Rombach-Verlag erschienen (170 Seiten, 18 Euro, ISBN: 978-3-7930-5150-3).



Autor: Anja Bochtler