"Zurückschlagen ist keine Notwehr"

Constantin Hegel

Von Constantin Hegel

Fr, 02. Februar 2018

Freiburg

Erste gemeinsame Präventionstage an den Gewerbeschulen am Friedrichring.

FREIBURG. Wann darf ich mich bei Provokationen wehren? Wie sieht das Leben eines Alkoholikers aus? Antworten auf solche und andere Fragen zu den Themen Sucht, Medien, Sexualität und Gewalt bekamen Schülerinnen und Schüler der Richard-Fehrenbach- und der Walther-Rathenau-Gewerbeschule von Dienstag bis Donnerstag bei den Präventionstagen. An Infoständen und in 36 Workshops konnten sich die Schüler informieren und mit Fachleuten diskutieren. Mit dabei waren das Landesmedienzentrum, die Kripo, Pro Familia und diverse Selbsthilfegruppen. Das Motto der Veranstaltung: "Keep cool – take care".

"Auch an der Schule gibt es Konflikte", sagt ein 17-Jähriger Schüler. Das meiste aber spiele sich in der Freizeit ab – besonders, wenn man nachts in der Stadt unterwegs sei. "Da gibt es gezielte Provokationen", sagt der Zehntklässler, "Alkohol senkt bei vielen die Hemmschwelle."

Im Workshop von Frank Stratz vom Referat Prävention der Polizei lernen die Schüler, wie sie mit solchen Situationen umgehen können. Beim Thema Notwehr herrsche oft ein falsches Verständnis, weiß Stratz: "Zurückschlagen an sich ist keine Notwehr." Es sei wichtig, sich vor einem Konflikt über rechtliche Konsequenzen bewusst zu sein. Er empfiehlt den Wikipedia-Artikel zum Thema.

Sex und Drogen, Gewalt und Alkohol

Die Körperhaltung könne Konflikten vorbeugen. "Angreifer suchen sich immer den Schwächeren aus", erklärt der Beamte. Am Beispiel Angela Merkel zeigt er eine selbstbewusste Körpersprache: Aufrechte Haltung, Brust raus und Hände vor dem Körper zeigen. Dazu den Blickkontakt zum Gegenüber halten.

Organisiert wurden die Präventionstage von Sozialarbeitern der Caritas, Beratungs- und Präventionslehrern. Es ist das erste derartige Projekt, das die beiden Schulen gemeinsam veranstalten. Konrad Mollweide, Schulleiter der Richard-Fehrenbach-Schule und Ahmad Nessar Nazar, stellvertretender Schulleiter der Walther-Rathenau-Schule betonen den Wert des Konzepts, das innerhalb der vergangenen neun Monate auf die Beine gestellt wurde. "Dadurch lernen die Schüler, dass es Ansprechpartner gibt", erklärt Mollweide, "und kriegen den Mut, auf die Leute zuzugehen." Das Interesse ist da. "Es sind Themen, die sie persönlich oder aus den Medien kennen", ergänzt Nazar.

Das Besondere an den beiden Gewerbeschulen ist die Vielfalt: Haupt-, Realschul- und Gymnasiumabsolventen sind ebenso vertreten wie Schüler, die schon zwei Jahre Berufserfahrung haben. "Zwischen 13 bis 25 Jahren ist alles dabei", sagt Nazar. Auch drei Flüchtlingsklassen gibt es, die zusätzlich Sprachunterricht bekommen. Die Workshops, an denen sie teilnehmen, haben sich die Schüler im Vorfeld selbst ausgesucht. Es geht um Gewalt aber auch um Sexualität und Verhütung, Ausbildungsabbruch und Sucht.

Alkohol ist das dominierende Thema, erläutert Beratungslehrerin Beate Schalt. Im Kurs des Freundeskreises Alkoholkranker Menschen erzählen zwei ehemals alkoholabhängige Menschen aus ihrem Leben. Gerade bei jungen Leuten ist Alkohol präsent. "Die Schüler lernen so, wie man mit dieser Gesellschaftsdroge vernünftig umgeht", fasst Mollweide zusammen.

Für die 3400 Schüler stehen auch abseits der Präventionstage zwei Sozialarbeiter, zwei Beratungslehrer und eine Schulseelsorgerin als Ansprechpartner zur Verfügung. Zwei zusätzliche Stellen wurden für die Flüchtlingsklassen geschaffen. Vielleicht Gründe, warum die Schule im Vergleich zu ähnlichen Einrichtungen wenig Gewaltpotenzial hat, wie Sozialarbeiter Carl Thielcke betont.