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13. September 2014

Zwei Pfarrerinnen in einem Haus

Die neuen Seelsorgerinnen von Tiengen und Merzhausen wohnen im Tiengener Pfarrhaus und sind auch privat ein Team.

  1. Haben sich in Tiengen schon etwas eingelebt: die Pfarrerinnen Stefanie Steidel (links) und Miriam Jakob Foto: Günter Hammer

TIENGEN/MERZHAUSEN (gh). Im evangelischen Pfarrhaus in Tiengen ist neues Leben eingekehrt. Seit Anfang August wohnen zwei Theologinnen in dem historischen Gebäude. Stefanie Steidel (33) ist als neue Pfarrerin zuständig für die Gläubigen in Tiengen und Munzingen. Und Pfarrerin Miriam Jakob (37) betreut die Johannesgemeinde der Pfarrgemeinde Südwest, zu der Merzhausen, Vauban, Au, Wittnau und Sölden gehören. Die Pfarrerinnen leben seit einigen Monaten in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.

Es sei der ausdrückliche Wunsch des Ältestenkreises der Tunibergpfarrei gewesen, dass die Pfarrerinnen in das Pfarrhaus ziehen, sagt Stefanie Steidel. In dem denkmalgeschützten Haus aus dem Jahr 1776, in Nachbarschaft zum Gemeindehaus und in der Nähe der Kirche, ist jetzt wieder was los. "Wir haben schon viel Besuch von Freunden und Familie gehabt", lacht Miriam Jakob. Und Stefanie Steidel freut sich und meint, es sei ein großer Glücksfall gewesen, "dass die beiden Stellen zur gleichen Zeit frei waren und wir hier einziehen konnten". Jetzt sei sie "sehr zufrieden hier in der Ortschaft und auch in der evangelischen Gemeinde". Für ihren Dienst hat sie eine Dreiviertel-Stelle, zu der auch Religionsunterricht an der Grundschule gehört.

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Die frühere Pfarrwohnung in Merzhausen indes ist an die Kommune vermietet. Zurzeit leben dort Flüchtlinge aus Syrien. Der gesamte Gebäudeteil wird mittelfristig aufgegeben werden. Doch die Entfernung Tiengen – Merzhausen scheint für Pfarrerin Miriam Jakob kein Problem zu sein: "Am Sonntagmorgen brauche ich mit dem Auto gerade mal zehn Minuten". Und mit dem Fahrrad hat sie die Strecke auch schon bewältigt: Eine dreiviertel Stunde habe sie gebraucht. Im Predigtbezirk Johannes hat sie eine ganze Stelle. Im Tiengener Pfarrhaus kann sie sich in ein eigenes Arbeitszimmer zurückziehen, um in Ruhe ihre Predigten zu schreiben.

Gemeinsame Hausmusik mit Klavier und Klarinette

Ganz toll sei der große Garten rund um das Pfarrhaus, meint Stefanie Steidel: "Das wird bestimmt ein neues Hobby von uns". Ein gemeinsames Hobby haben beide schon mitgebracht. Gerne machen sie zusammen Hausmusik. Im Obergeschoss setzt sich Miriam Jakob dann ans Klavier und Stefanie Steidel holt ihre Klarinette heraus. Gespielt wird dann ein weites Repertoire – von Klezmer bis Schumanns "Träumerei".

In den zwei Predigtbezirken haben die beiden nun jeweils ihre erste eigene Pfarrstelle angetreten. Stefanie Steidel hatte zuvor in Heidelberg ihren Probedienst absolviert. Aufgewachsen ist sie in der Nähe von Wiesloch bei Heidelberg. Dort war sie im CVJM (Christlicher Verein junger Menschen) aktiv, leitete eigene Jugendgruppen und war im Vorstand. "Der Glaube, den die Menschen dort gelebt haben, hat mich sehr geprägt", sagt sie. Jetzt will sie in Tiengen die Gruppen und Kreise kennen lernen, "hinhören und hingucken". Und wenn sie nicht kirchlich unterwegs ist oder sich um den Garten kümmert, dann liest sie gerne – "besonders gerne englische Literatur".

Auch ihre Partnerin Miriam Jakob liest gern und viel. "Ich habe lange Zeit Simone de Beauvoir gelesen", sagt die Pfarrerin, die erst im zweiten Studium Theologie gewählt hat. Zunächst hatte die gebürtige Freiburgerin Psychologie studiert und abgeschlossen. In Paris hatte sie schließlich auch an einer christlichen Beratungsstelle für Familien- und Lebensfragen gearbeitet: "Letztlich habe ich in der Psychologie aber keinen Platz für mich gefunden".

Und weil in jener Zeit auch der persönliche Glaube wieder lebendiger wurde, kam in ihr der Wunsch auf, Pfarrerin zu werden. "Ich habe es in der Beratungsstelle immer als hilfreich erlebt, wenn ich über die Beratung hinaus noch einen anderen Lebensgrund mitgeben konnte", erzählt sie. Fragt man sie nach ihrer Prägung im christlichen Glauben, dann lächelt sie freudig: "Ganz wichtig war für mich der Kindergottesdienst – in der Christuskirche, hier in Freiburg."

Einführungsgottesdienste: Pfarrerin Miriam Jakob wird am morgigen Sonntag, 16 Uhr, von Stadtdekan Markus Engelhardt in einem Festgottesdienst in der Johanneskirche in Merzhausen gottesdienstlich in ihr Amt eingeführt. Und am Sonntag, 12. Oktober, 16 Uhr, folgt dann der Einführungsgottesdienst von Pfarrerin Stefanie Steidel, ebenfalls mit Stadtdekan Engelhardt, in der evangelischen Kirche in Tiengen.

Autor: bz