Europaplatz fürs Siegesdenkmal?

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Fr, 09. Februar 2018

Freiburg

Im Gemeinderat rückt eine Mehrheit für die Umbenennung näher.

FREIBURG. Im Gemeinderat zeichnet sich eine Mehrheit dafür ab, dass das wieder aufgestellte Siegesdenkmal die Adresse Europaplatz erhält. Damit würde dieser Name zum dritten Mal seinen Platz wechseln. Die Entscheidung soll der Gemeinderat am 20. März treffen.

In ihrer Mitgliederversammlung am Mittwochabend haben Freiburgs Grüne für die Bezeichnung Europaplatz plädiert. Freiburg liege in der Mitte Europas, weshalb Europa auch einen zentralen Platz in Freiburg verdiene, heißt es in einer Mitteilung. Die Benennung des Platzes, der einst an Kaiser Wilhelm I. erinnerte und derzeit keinen Namen hat, biete zudem die Chance, einen Kontrapunkt zu setzen gegen die ursprüngliche Intention des Denkmals zum Sieg im Deutsch-Französischen Kriegs 1871. Nichts verkörpere den Prozess des Friedens und der Aussöhnung der einstigen "Erbfeinde" Deutschland und Frankreich besser als das gemeinsame Projekt der europäischen Einigung. "Das alte Siegesdenkmal auf einem neuen Europaplatz – so verbindet sich symbolisch, was sich historisch nicht voneinander trennen lässt", meint Kreisvorsitzende Ella Müller.

Die Stadtverwaltung hatte den Namen Europaplatz für den Standort des Siegesdenkmals vorgeschlagen. Sie fand im Kulturausschuss des Gemeinderats keine Mehrheit. Die SPD (8 von 48 Mandaten im Gemeinderat) ist für Friedensplatz. Die Unabhängigen Listen (7) für Platz des Friedens oder Jean-Jaurès-Platz, benannt nach einem französischen Historiker und sozialistischen Politiker (1859-1914).

Doch nach den Grünen, die mit elf Mandaten die größte Fraktion im Gemeinderat stellen, signalisiert auch die CDU-Fraktion (9) nun Zustimmung. Der europäische Gedanke sei wichtig, sagt Stadträtin Carolin Jenkner. Wichtiger als die ursprüngliche Einschätzung, den Platz einfach "Am Siegesdenkmal" zu nennen. So sehen das auch die Freien Wähler (3). Ein neuer Name sei nicht unbedingt nötig, doch sollte es eine Umbenennung geben, komme nur Europaplatz in Frage, so Fraktionschef Johannes Gröger. Die Mehrheit dafür rückt näher, da sich auch drei der vier Mitglieder der Fraktionsgemeinschaft "Freiburg Lebenswert / Für Freiburg" dafür aussprechen.

Gäbe es eine Mehrheit im Gemeinderat, erhielte der Europaplatz seinen vierten Standort:
1984: Das Areal zwischen Uni-Kollegiengebäude II und Stadttheater wird zum Europaplatz.
1996: Diese Fläche wird zum Platz der Alten Synagoge. Der Karlsplatz (seit 1797) hinter der Karlskaserne wird zum Europaplatz. Die Umbenennung setzt sich in der Bevölkerung nicht durch.
2001: Karl kehrt zurück und auf der Neuen Messe am Flugplatz wird der nächste Europaplatz installiert – bis heute.

Nach den Fasnachtsferien wollen sich die Fraktionen treffen und darüber austauschen, wie der Platz mit dem Siegesdenkmal heißen soll.