Wanderglück mit Fernblick

Birgit-Cathrin Duval

Von Birgit-Cathrin Duval

Mo, 13. Mai 2013

Freizeittipps

Ein Pfad zum Genießen: Am 26. Mai eröffnet der Bernauer Hochtalsteig .

Ach, ist das herrlich. Auf einer Liegebank in der Sonne räkeln. Das Wandern auf dem Bernauer Hochtalsteig fängt gut an. Nach zwei Kilometern ist der erste Anstieg geschafft und wird prompt belohnt.

Wir haben den ersten Logenplatz auf dem 1075 Meter hohen Felsmassiv Hohfelsen erobert. Gemäß dem Motto: Wer zuerst kommt, genießt zuerst. Schließlich sind wir auf einem Genießerpfad unterwegs. Hinlegen, Beine von uns strecken, ins Tal gucken. Da unten dösen Bernaus Ortsteile Oberlehen und Weierle in der Sonne, angekuschelt an Bergkuppen und Tannenwald, ausgestreckt wie eine Diva im langgezogenen Tal.

Der Hochtalsteig macht seinem Namen alle Ehre. Auf schmalen Pfaden geht es von 900 Metern aufwärts durch dichte, schattige Wälder auf die Hochweiden Bernaus. Ein wunderschöner Platz mit weiten Blicken auf die Hochebene befindet sich am 1125 Meter hohen Riggenbacher Eck, wo die nächste Himmelsliege neben der Neumannshütte steht. Es geht weiter bergauf. Dann ändert sich das Landschaftsbild dramatisch. Man wähnt sich in einem fernen Land. Bunte Farbtupfer sprenkeln das Wiesengrün. Kräuter und Blumen explodieren in schierer Farbenpracht. So grün, so satt, es könnte Neuseeland sein. Statt Schafen weiden Hinterwälder. Leichthufige, graziöse Tiere, Europas kleinste Rinderrasse. Wie geschaffen für die einsamen Bergweiden, über die der Wind bläst und auf die die Sonne brennt.

Am Kleinen Spießhorn auf 1330 Metern Höhe findet sich ein weiterer Logenplatz mit Himmelsliege. Sogar ein Fernrohr, ein Viscope, das automatisch die Namen und Höhen der anvisierten Berge einblendet, ist installiert. Dort die Alpen, hier der Belchen mit seiner kahlen Kuppe, schräg dahinter ragt das Herzogenhorn, Bernaus Hausberg mit dem hohen Gipfelkreuz, in den Himmel. An windigen Tagen pfeift der Wind scharf über die Kuppe. Wem die Lage zu exponiert ist, findet am Spießhorn, dem höchsten Punkt des Hochtalsteigs, einen windgeschützten Pavillon. Auf 1349 Metern angelangt, eröffnet sich eine wunderschöne Aussicht über das benachbarte Tal Menzenschwand bis zum Dom in St. Blasien.

Hügelige Weidefelder gehen über in Wälder mit wurzeligen Pfaden. Der Hochtal Steig führt unterhalb des zweithöchsten Schwarzwaldbergs, dem 1415 Meter hohen Herzogenhorn, hinauf zur Berghütte Krunkelbach auf 1294 Meter. Die Einkehr auf halber Strecke in der Krunkelbachhütte kommt wie gerufen. Deftiger Eintopf, Blaubeerkuchen oder Heidelbeerwein. Für Mutige darf’s auch ein Enzianschnaps sein. Wem es auf der Hütte zu trubelig ist: Keine fünf Minuten vom Gasthof erwartet am Milchberg den müden Wanderer ein weiterer Logenplatz mit Panoramablick aufs weite Tal.

Durch einen märchenhaft anmutenden Buchenwald führt der Pfad in Serpentinen bergab zur Weide am Scheibenfelsen. "Vorsicht, neugierige Geißenherde", steht da auf einem Schild am Zaun. Wir öffnen das Gatter. Ganz plötzlich sind sie da, erst fünf, dann zehn, dann die ganze Herde und vorneweg der Ziegenbock, ein Flokati ganz in Weiß. Neugierig glotzen sie uns an, eine springt gar übermütig und bettelt nach Leckereien. Wir marschieren eilends durchs Geißenterritorium und atmen erst auf, als wir das Gatter hinter uns geschlossen haben.

Auf ebenem Weg verläuft der Hochtalsteig auf dem Panoramaweg über Bernau. Zum Finale leuchtet die untergehende Sonne ins Tal, tunkt die Berge in eine Symphonie aus Licht und Schatten. Rotgolden leuchten die Tannenspitzen über dem Tal, wie von einer göttlichen Hand gekrönt. Irgendwie mag der Tag heute nicht zu Ende gehen. Wozu auch, er ist einfach zu schön. Noch einmal innehalten, tief einatmen, die reine, würzige Bergluft kosten, uns ein letztes Mal auf einer Himmelsliege ausstrecken. Ja, so muss es sich anfühlen, das Wanderglück.