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22. August 2009

Facettenreiches Porträt eines Ausnahmemusikers

Die Ausstellung und Veranstaltungsreihe "Spuren – Adolf Busch in Riehen" im Kunst Raum Riehen ist einem der größten Geiger des 20. Jahrhunderts gewidmet

  1. An den berühmten Geiger und Komponisten Adolf Busch erinnert eine Ausstellung in Riehen. Foto: Roswitha Frey

Eine Fotografie zeigt ihn mit Hut beim Komponieren an einem Tisch im Freien, tief über die Noten gebeugt. Auf einem anderen Foto ist er gerade dabei, seinen verehrten Kollegen und Freund Max Reger beim Rasieren einzuseifen – ein hübscher anekdotischer Schnappschuss. Einmal sieht man ihn auch zusammen mit dem legendären Dirigenten Arturo Toscanini in Freizeitstimmung am Lago Maggiore, ein andermal mit seinem Schüler Yehudi Menuhin vor dem Gewandhaus Leipzig. Alle diese Fotografien erinnern an Adolf Busch (1891-1952), einen der größten Geiger des 20. Jahrhunderts.

"Wenn ich ihn höre, bekomme ich immer Lust, auch das Podium zu besteigen und zu geigen", schwärmte Paul Hindemith vom Spiel des begnadeten Geigers, der eine Zeitlang in Riehen gelebt hat. 1927 kam Adolf Busch zusammen mit seiner Familie und dem Pianisten Rudolf Serkin nach Basel und zog 1932 nach Riehen. Wegen der aufkommenden Nazi-Herrschaft sagte Busch 1933 unter Protest alle Konzerte in Deutschland ab – später auch die im faschistischen Italien –, wurde 1935 Schweizer Bürger und emigrierte 1939 in die USA. Erst nach dem Krieg 1947 kehrte er wieder nach Europa zurück, mietete sich bei Jean-Jacques Lüscher im Wettsteinhaus Riehen ein. 1951 gab er sein letztes Konzert.

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Die Ausstellung und Veranstaltungsreihe "Spuren – Adolf Busch in Riehen" im Kunst Raum Riehen zeichnet um diese biografischen Stationen herum ein facettenreiches Porträt des Ausnahmemusikers, der als berühmtester Künstler gilt, der je in Riehen gelebt hat. Die von Konzerten und Lesungen begleitete Schau ist teilweise mit Leihgaben aus der Paul Sacher Stiftung und des Max Reger-Instituts bestückt. So entsteht anhand von zahlreichem originalem Notenmaterial, Fotografien, Dokumenten, Bildern und einzelnen Vitrinenstücken das persönliche Bild eines brillanten Geigenkünstlers, der schon früh als "Wunderkind" galt und schon als junger Musiker Regers Violinkonzert vor dem Komponisten auswendig vortrug. In Familienfotos kann man sich ein Bild der musikalischen Familie Busch machen. Buschs Vater war Tanzmusiker und Geigenbauer und anfangs spielte der hochbegabte Adolf – einmal sieht man ihn als Kind Geige spielend im Anzug mit Spitzenkragen – jahrelang auf den Instrumenten seines Vaters. Eine dieser Geigen ist in einer Vitrine ausgestellt, zusammen mit dem Gipsabdruck von Buschs Hand und seinem Taktstock. Buschs erste "große" Geige war dann eine Stradivari, die er sich mit Hilfe von Gönnern und Freunden anschaffen konnte. Adolf Busch war aber nicht nur ein viel bewunderter Solist, dessen Welt Beethoven, Brahms und Bach war, sondern auch Primarius des legendären Busch Quartetts, das kammermusikalisch Maßstäbe setzte. Außerdem war er Mitbegründer des Luzerner Festivals und gründete das Marlboro Kammermusikfestival in Amerika. Und es gingen prominente Schüler durch seine Schule: So war er Lehrer und Mentor von Yehudi Menuhin und unterrichtete sogar den Geige spielenden Albert Einstein, zu dem er gesagt haben soll: "Wenn für Sie Rhythmus so relativ ist, ist Musik vielleicht nichts für Sie...". Zahlreiche Fotografien zeigen Busch als Musiker "On the Road", unterwegs auf Konzertreisen in aller Welt, auf dem Schiff nach Amerika, mit dem Busch Quartett in Kolumbien, und immer wieder in Begegnungen mit berühmten Musikern seiner Zeit: mit Max Reger, der prägend für ihn war, mit Dirigentenpersönlichkeiten wie Mengelberg, Furtwängler und Toscanini. Plakate, Abendprogramme und Aufnahmen dokumentieren die Karriere dieses Violinvirtuosen, der für sein "klares, unsentimentales, aber feuriges Spiel" bewundert wurde. Ein Porträtgemälde von Jean-Jacques Lüscher stellt Busch mit Pfeife und Geige dar; eine Zeichnung von Olaf Gulbransson skizziert ihn ganz in sein Geigenspiel vertieft.

Weniger bekannt ist, dass Adolf Busch auch ein umfangreiches kompositorisches Oeuvre hinterlassen hat. Ein Raum in der Ausstellung widmet sich dem Komponisten Busch, versammelt Originalpartituren, Reinschriften mit Korrektur, Entwürfe und Skizzen. So können die Besucher die Noten eines Streichquartetts, eines (unveröffentlichten) Streichersextetts oder eines Kammermusikwerks für Saxofon und Streicher studieren und in einem bequemen Hörsessel den Klangeindruck bei Hörbeispielen aus Buschs Kompositionen vertiefen – eine gerundete Hommage.

– Bis 14. September, Mittwoch bis Freitag 13-18, Samstag und Sonntag 11-18 Uhr. Führungen mit dem Kurator und Geiger Egidius Streiff am 30. August, 16 Uhr, und 2. September, 17.15 Uhr.





Autor: Roswitha Frey