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20. Juli 2012

Ein Vorbild an Flexibilität

Die Kanadierin Jovanka Vuckovic hat das vergnügliche Sachbuch "Zombies – die illustrierte Geschichte der Untoten" geschrieben.

  1. Das Filmplakat zu Ted V. Mikels Zombie-Streifen „Astro Zombies“ aus dem Jahr 1968. Foto: Verlag

Der Zombie ist im Grunde kein übler Bursche: Er stört nicht durch unangemessene Kommentare, erschreckt niemanden mit hektischen Regungen. Häufig ist der Zombie fügsam. Bevorzugt gehorcht er Voodoo-Priestern, verrückten Wissenschaftlern, Außerirdischen und größenwahnsinnigen Nazis. Untote haben sich als Krankenschwester-Zombies, Dienstleister in Zombie-Pornos, robotisierte Astro-Zombies, Vietnam-Kämpfer und in Musicals als Tänzer des "Zombie-Stomps" bewährt. Ein Vorbild an Flexibilität. Selbst tiefgefroren oder zerteilt zeigen Zombies noch Tatendrang.

"Zombies – die illustrierte Geschichte der Untoten" würdigt Tote, die körperlich ins Leben zurückzukehren. Vampire und Mosaikzombies à la Frankenstein klammert Autorin Jovanka Vuckovic als Sonderfälle aus – im Gegensatz zu weniger charmanten Charakterzügen anderer Zombies. Speziell die modernen ihrer Art neigen äußerlich zu Verwahrlosung. Für schlechte Hautpflege sprechen fahler Teint und Risse. Die Wiedergänger gewanden sich desolat, unreinlich. Sie verweigern den Gebrauch von Deos, weshalb ein strenges Aroma von ihnen ausgeht. Doch besonders ihre Essgewohnheiten schränken die Gesellschaftsfähigkeit neuzeitlicher Zombies ein: Sie laben sich am Fleisch lebender Menschen. Wie genügsam waren dagegen klassische Voodoo-Zombies. "Gehalten wurden sie in Lagern und gefüttert mit faden Speisen, wusste doch jeder, dass Zombies kein Salz zu sich nehmen durften", so Vuckovic. Dem Mythos zufolge trennten Voodoo-Priester auf Haiti zur Strafe das Bewusstsein toter Verbrecher vom Körper. Rituale und Tränke verwandelten die Leichname in "willenlose, schwerfällige Automaten", in Arbeitssklaven.

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Tote entstiegen Gräbern aber schon früher – etwa in Schriften der alten Ägypter, Sumerer und Christen. Jahrhunderte später finden sich Zombie-Motive bei Edgar Allen Poe, H. P. Lovecraft und anderen Literaten. 1929 erscheint William Seabrooks "The Magic Island". Der sensationslüsterne Haiti-Reisebericht prägt den Begriff Zombie und begründet den Aufschwung des filmischen Zombietums. Auf ihm basiert "The White Zombie" (1932), der erste Film mit untoten Hauptdarstellern. In den 1940ern legen sich Zombies ein verwestes Aussehen zu. In den 1950er regiert Trash, bevor sich die 60er Zombies mit Gesellschaftskritik verbrüdern. Als Meilenstein gilt "Die Nacht der lebenden Toten" (1968) von George A. Romero, der das Vorwort zu Vuckovics Buch beisteuert.

Interessante neue Todesarten

Darin durchkämmt die Kanadierin Zombie-Literatur, -Computerspiele und -Comics. Sie analysiert knapp, warum sich welche Trends durchsetzten. Ihr vergnüglicher Überblick orientiert sich aber hauptsächlich an Filmen. Plakate und Szenenfotos von Blaxploitation-Zombies und Zombie-Kannibalen vertiefen den Spaß. Nicht wenige Filme wie "Nackt und zerfleischt" empfindet Vuckovic als "reine Zeitverschwendung". Woanders entdeckt sie immerhin "interessante neue Todesarten", etwa eine "Frau, die Bluttränen weint, während sie ihren gesamten Eingeweide erbricht". Das Bedauern, dass keine DVDs beiliegen, hält sich in Grenzen.
– Jovanka Vuckovic: Zombies. Knesebeck Verlag, München 2012. 176 Seiten, zahlreiche, farbige Abbildungen, 24.95 Euro.

Autor: Jürgen Schickinger