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13. Juli 2012

Bäder in Zürich: Eine Stadt geht baden

Zürich hat angeblich die höchste Bäderdichte weltweit.

  1. Sprungbereit: Mutige hüpfen beherzt ins Wasser. Foto: Diemar

  2. Sommertag am Zürichsee Foto: Claudia Diemar

  3. Foto: Claudia Diemar

Nein, im Seebad Enge muss sich keiner fürchten. Nicht eng, sondern eher warm ums Herz wird es einem auf diesem Floß im Zürichsee. Das liegt zum einen am Panoramablick über das malkastenblaue Wasser bis zu den oft schneebedeckten Gipfeln der Alpen. Zum anderen aber liegt es daran, dass der Ponton von allen Zürcher "Badis" den höchsten Flirtfaktor hat. Dicht an dicht liegt man auf den sanft schaukelnden Holzplanken. Ein Stück weiter, im Strandbad Mythenquai, ist die Atmosphäre ganz anders. Das Mythenquai ist ein Familienbad, hat einen 250 Meter langen Sandstrand und ist daher bei Kleinkindern die beliebteste Buddelkiste weit und breit.

Wer im Sommer nach Zürich reist, kommt genau zur rechten Zeit. Denn Zürich hat nah ans Wasser gebaut. Der See ist so sauber, dass er 70 Prozent des Züricher Trinkwassers ausmacht. Mit rund 40 Badeanlagen verfügt Zürich gemessen an seiner Einwohnerzahl über die höchste Bäderdichte der Welt. Allein 18 Fluss- und Seebäder laden zum Planschen oder Schwimmen ein. Nostalgie im Herzen der Altstadt bietet die Frauenbadi. Zwar finden hier tagsüber nur Frauen und Kinder Einlass, abends aber ist die Badeanstalt aus dem Jahre 1888 an vielen Terminen für alle geöffnet. Stimmungsvoll erleuchtet finden dort als Barfussbar Konzerte, Lesungen oder Tangoabende statt.

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Ähnliches gilt für die Männerbadi von 1864. Sie liegt etwas versteckt am Schanzengraben im Schatten der alten Stadtmauer. Das von der jüdischen Gemeinde gepachtete Bad lässt tagsüber nur männliche Schwimmer ein. Abends aber hat dort die Rimini-Bar für alle geöffnet. Nächtliche Unterhaltung mit Open-Air-Musik oder Filmen gibt es zudem in vielen weiteren Badis und am Seeufer.

Wer an warmen Tagen mal eben zwischendurch in den Zürichsee springen will, muss dafür nicht einmal ein Seebad aufsuchen. Das Ufer ist fast überall zugänglich und die Züricher selbst entern ihre kollektive Badewanne nach Lust und Laune. Im Sommer 2010 hat sogar eine ausgebüxte Zirkus-Elefantenkuh genüsslich im Wasser geplanscht. Selbst Goethe soll bei seinem Besuch nackt in den See gesprungen sein. Ob Lenin, der mehr als ein Jahr in Zürich lebte, ein guter Schwimmer war, ist dagegen nicht belegt. Verbürgt ist nur, dass er gern auf dem Uetliberg im Gras lag und Schokolade aß. Wasserscheue können es jedenfalls bei einer Rundfahrt über den See belassen und sich am Landschaftspanorama erfreuen.

Besonders viel Spaß machen die Flussbäder. Zum einen, weil sie zum Teil tüchtige Strömung aufweisen, zum anderen, weil kühne Schwimmer gern von Brücken wie dem Drahtschmidli-Steg in die pfefferminzgrüne Limmat hüpfen. Am besten kombiniert man den Badespaß mit einem Fahrrad. Am Hauptbahnhof sowie an fünf weiteren Stationen kann man gratis Vélos ausleihen und damit auf dem flachen Radweg 66 Limmat-Goldküste genussvoll am Ufer dahinrollen. Es lohnt sich, bis zum Flussbad Au-Höngg zu touren. Hier ist Florian Kunz Bademeister. Sein Arbeitsplatz ist ein Campingstuhl zwischen dem Transparent Bad-Ende und einem über der Wasseroberfläche gespannten Drahtseil. Das Au-Höngg liegt auf der Werdinsel zwischen dem Fluss Limmat und einem Seitenkanal mit starker Strömung. Unglaublich, wie viele Meter man hier mit einem einzigen Schwimmzug macht. Links halten muss dabei die Devise lauten, damit man das Geländer an der Treppe erwischen kann und wieder aus dem Wasser findet. Wenn nicht, muss man das Stahlseil packen. Entweder zieht man sich an diesem aus eigener Kraft ans Ufer oder Herr Kunz steigt als Retter in die Fluten.

Vom kleinen Steg beim Wehrhäuschen springen die Kinder direkt in den Kanal. Herr Kunz sieht das nicht gern. "Wer hier nicht eine saubere Arschbombe hinkriegt, kann schon mal Grundkontakt bekommen", sagt er. Das Au-Höngg ist gratis zugänglich, verfügt über schöne Liegewiesen am Fluss, Bänke im Baumschatten, Duschen und ein Kinderplanschbecken. Bescheidene 22 Grad hat das Wasser nach einer Reihe von Regentagen. "Aber wenn das Wetter anhaltend schön ist, steigt es jeden Tag um etwa ein Grad", sagt Bademeister Kunz. Seine wachsamen Augen sind ebenso wie die Schwimmer dauernd in Bewegung: Rein ins Wasser bei der Treppe hinterm Wehr, ein halbes Dutzend erfrischende Züge im Kanal, raus beim letzten Ausstieg und schnell zurückgerannt zur nächsten Runde. Wie lange die Saison geht? "So lange es schön ist", sagt Florian Kunz.

ZÜRICHER BÄDER

Anreise: Von Freiburg sind es etwa 150 Kilometer nach Zürich. Gute Verbindungen gibt es mit der Bahn, http://www.bahn.de
Baden in Zürich: Vier Flussbäder und ein Seebad sind gratis. Eintritt in weitere Bäder etwa 5 Euro für Erwachsene. Infos: http://www.sportamt.ch unter "Schwimmen"
Auskünfte: Zürich Tourismus, Tel. 0041/44/2154000, Internet http://www.zuerich.com oder bei Schweiz Tourismus, Tel. 00800/10020030 (gebührenfrei), http://www.MySwitzerland.com  

Autor: vacj

Autor: Claudia Diemar