Dschungeltrip am Kaiserstuhl

Benjamin Bohn

Von Benjamin Bohn

Fr, 27. Juli 2012

Eine abenteuerliche Alternative zum Wandern: Segway-Tour.

Es ist kein Geheimnis: Der Kaiserstuhl ist mit seiner einzigartigen Flora und Fauna ein Eldorado für Naturliebhaber. Da bietet es sich an, auf Schusters Rappen die Region zu erwandern. Wem das nicht ausgefallen genug ist, kann eine abenteuerliche Alternative wählen: eine Segway-Tour.

Schon oft haben wir die Wanderschuhe geschnürt. Heute wollen wir etwas Neues ausprobieren. Andreas Kiefer von der Vogtsburger Firma Kaiserstuhl-Reisen erwartet uns an der Oberrotweiler Festhalle mit seinen Gefährten. Seit August vergangenen Jahres hat er die Segways im Programm. Bei einer Messe sei er darauf aufmerksam geworden, erinnert er sich. Weil sie bis dahin noch nicht am Kaiserstuhl angeboten wurden, habe er sich gedacht, dass sie auch gut hierher passen würden.

Segways, das sind zweirädrige Gefährte, die zum Beispiel in Großstädten für Touren angeboten werden. Und was in Berlin oder Hamburg eine Attraktion ist, kommt auch in den Kaiserstühler Weinbergen gut an. "In den Radnarben drehen sich zwei unabhängige Elektromotoren", erklärt Kiefer und zeigt, wie die Segways zu bedienen sind. Maximal 115 Kilogramm darf ein Fahrer auf die Waage bringen. Ein Glück: Davon sind wir weit entfernt. Damit das Gerät auch reagiert, müssen es mindestens 45 Kilogramm sein, weil sonst die Sensoren auf dem Trittbrett den Fahrer nicht erkennen. Weil zum Segway-Fahren auf öffentlichen Straßen ein Führerschein nötig ist, können Kinder nicht an den Touren teilnehmen. Sie könnten den Spaß aber zum Beispiel auf einem Parcours erleben, sagt Kiefer. "Einfach locker stehen", rät er, als wir den ersten Versuch starten. Ganz zaghaft stellt sich jeder von uns auf sein Segway. Zunächst ist es noch etwas wackelig, dann klappt es immer besser: Rauf und runter, wir üben das Auf- und Absteigen. Das klappt nach kürzester Zeit bei allen. Aufrecht und locker stehend, drehen wir unsere ersten Runden und schöpfen immer mehr Vertrauen in die Technik.

Dann geht’s los. Kiefer saust voraus, wir hinterher. Noch halten wir uns konzentriert an den Griffen fest, aber schnell ist jede Verkrampftheit verflogen. Wir haben den Dreh raus. Und legen im Gewann Bildstöckle in Oberrotweil einen kurzen Halt ein. Kiefer erzählt etwas über Weinbau und den Kaiserstuhl. Dann noch ein kleiner Plausch mit ein paar Frauen, die interessiert bei uns nachfragen, wie es sich denn anfühlt, auf einem Segway zu stehen. "Super!", sind wir uns einig.

Wir steuern den Achkarrer Schneckenberg an. Unterwegs stoppt Kiefer vor einer Lösssteilwand. Er deutet auf die Löcher, in denen Bienenfresser nisten. Drumherum sind viele kleine Löcher, in denen sich Wildbienen wohl fühlen, und wie der Name des Vogels schon sagt, hat er damit seine Vorratskammer direkt nebenan. Weil der Bienenfresser typisch für den Kaiserstuhl ist, ist er auch ein guter Werbeträger für die Region. Auch in das Firmenlogo von Kaiserstuhl-Reisen, das unsere Segways ziert, passt der bunte Vogel gut.

Genug geplaudert. "Weiter fahren!" Wir steuern eine kleine Wanderhütte auf dem Schneckenberg an, von dort aus haben wir eine schöne Aussicht über das Winzerdorf Achkarren. Weiter hinten ist Breisach, und noch ein Stückchen weiter dahinter zeichnet sich die malerische Silhouette der Vogesen ab. Es ist ein herrlicher Sommertag mit gefühlten 30 Grad Celsius. Der leichte Fahrtwind, der uns um die Nase bläst, sorgt für ein wenig Abkühlung. Langsam, ganz langsam zieht die Sonne ihre Bahn und peilt den Horizont an: Ein Sonnenuntergang, wie wir ihn sonst nur aus einem Western kennen.

Wir fahren weiter, düsen der untergehenden Sonne – beinahe wie ein Cowboy auf seinem Pferd – entgegen. Es ist ein stimmungsvoller Abend. Noch wärmen uns die letzten Strahlen. Wir haben auf unseren Gefährten die Gemarkunsgrenze passiert: Von Achkarren sind wir wieder nach Oberrotweil gefahren – beides sind Vogtsburger Stadtteile.

Dann wird es etwas holprig. Längst haben wir die geteerte Straße verlassen und sind auf einem Feldweg unterwegs. Aber da macht das Fahren auf den modernen Gefährten erst richtig Spaß. Unebenheiten müssen ausgeglichen werden. Auf den grasigen Pfad folgt eine Kiespiste. Aber kein Problem: Wir beherrschen das Segway mittlerweile einwandfrei.

Und zum Schluss, quasi als Zugabe, geht’s durch einen bewachsenen Hohlweg. Uns kommt es hier vor wie in einer grünen Oase. Ein Trip durch den Dschungel. Links und rechts wächst das Grün recht wild, von oben kann schon mal ein Ast oder der Zweig eines Busches herunterhängen. Wir fühlen uns wie Abenteurer auf einer Segway-Expedition, die sich durch den Urwald kämpfen. Dann endet der Hohlweg, die Zivilisation hat uns wieder. Noch ein kurzes Stück an Weinbergen vorbei, dann erreichen wir unseren Ausgangspunkt. "Das war cool!", sprudelt es aus einigen heraus, die euphorisiert sind von einem außergewöhnlichen Erlebnis.