Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

21. August 2009

Wandern wie einst Helmut Kohl

Tour im Pfälzerwald: Durch den Wasgau zum Altschlossfelsen

  1. Foto: Verwendung nur in Deutschland, usage Germany only

  2. Bequem wandern auf den Spuren des Ex-Kanzlers in der Südpfalz. Ein Bild aus längst vergangenen Tagen zeigt Hannelore und Helmut Kohl mit Hund. Foto: dpa/Rolf Müller

Dass Helmut Kohl hier früher gerne gewandert ist, haben wir nicht gewusst, glauben es aber gerne. Schließlich atmet diese Region Geschichte, die Steigungen sind mäßig, und zum nächsten Lokal mit Saumagen ist es nicht weit, ebenso wenig nach Oggersheim. Wir sind auf dem Helmut-Kohl-Wanderweg, und selbst die Wanderschuhe des Altkanzlers haben die Region nicht verlassen: Sie sind im Schuhmuseum von Hauenstein für die Nachwelt ausgestellt.

Die von Kohl gerne zitierte "Geschichte" beginnt im Süden des Pfälzerwaldes schon mit den Kelten und ihrem Berg- und Waldgott Vosegus, der der Region zum Namen Wasgau und den Bergen jenseits der Grenze zum Namen Vogesen verholfen hat. Weshalb die Geschichte, die jüngere zumal, hier eine vorwiegend deutsch-französische ist, meist indessen eine schmerzliche. Alles Vergangenheit – weshalb der Helmut-Kohl-Wanderweg zweisprachig ausgeschildert ist und direkt auf eine offene, kaum erkennbare Grenze zusteuert.

Wir starten am Schießweiher, unweit des Luftkurortes Eppenbrunn, der sich gerne als das Tor zum Wasgau bezeichnet. Zur Orientierung gibt es eine große Tafel, auf der verschiedene Wanderrouten vorgeschlagen werden. Wir wählen erst einmal die Nummer 3 und starten auf einem breiten Weg in Richtung Altschlossfelsen. Das größte Felsenriff in dem an Felsen wahrlich nicht armen größten deutschen Waldgebiet, dem Pfälzerwald. Ein schmaler, etwas steiler Pfad biegt nach links zum Altschlossfelsen ab. Mit zwei mächtigen Felsentürmen beginnt das eineinhalb Kilometer lange Felsenriff, das aus verschiedenfarbigen und unterschiedlich hartem Sandsteinschichten besteht, an denen Wetter und Wasser ganze Arbeit geleistet haben. Bizarre Formen, große und kleine Höhlen, überstehende Tische, breite und schmale Felsenspalten wechseln einander ab. Ob es hier mal eine Burg gab, ist umstritten. Eingebettet ist die Felsenwand, die direkt auf die Grenze zustrebt, von einem bunten Mischwald aus Buchen, Eichen und Kiefern.

Werbung


Am Anfang verläuft der Weg rechts und links der Felsenwand, zweimal ist noch der Wechsel zwischen den Felsen möglich, dann muss man sich entscheiden. Der westliche Weg führt recht bald auf das sich verbreiternde Felsplateau hinauf. Der Weg auf der Ostseite dagegen geht am Fuß der Felsenwand vorbei und ist der interessantere. Allerdings ist die südliche Hälfte gesperrt – wohl wegen der Eulen, die da in den Felshöhlen nisten und brüten. Auch hier heißt es dann: hoch auf den Felsen, der an seinem höchsten Punkt 407 Meter aufragt.

Dort erreichen wir dann einen Aussichtspunkt mit Bänken und einem Blick weit in die Vogesen hinein. Da es in diesem Teil des Wasgau keine jener zahlreichen gemütlichen Hütten des Pfälzerwald-Vereines gibt, die sonst schon so manche Tour vorzeitig enden ließen, ist das der richtige Platz für ein Vesper.

Anschließend machen wir uns auf den Abstieg Richtung Frankreich und die gar nicht so einfache Suche nach dem Diana-Felsen. Er liegt unmittelbar an der Grenze, nordwestlich vom Südende des Altschlossfelsens. Schon die alten Römer zogen auf einer Straße durch diesen Wald von Metz an den Rhein – und einer hinterließ in einer Felsenwand ein Relief mit Diana, der Göttin der Jagd, flankiert von Mars und Silvanus, dem Gott des Waldes. Wenn man’s weiß, dann kann man die stark verwitterten Götter tatsächlich erkennen, die heute auf der französischen Seit der Grenze zu Hause sind. Die Tafel, die das Bild erklärt, steht jedoch auf der deutschen Seite.

Wir gehen wieder zurück in Richtung Altschlossfelsen und weiter zum Stüdenbachtal. Hier kann man mit einem Fuß in Deutschland, mit dem anderen in Frankreich wandern. Aber nicht zu weit, denn unmittelbar an der Grenze liegt der Truppenübungsplatz Bitche, und da wird scharf geschossen, warnen die roten Tafeln. Wir studieren die Grenzsteine. Den ältesten von 1605 ziert auf der Südseite noch das Lothringerkreuz. Die Steine von 1825/26 sind auf deutscher Seite mit einem B markiert. B? Na klar, zu jener Zeit gehörte die Pfalz zu Bayern. Ganz prosaisch geht es auf den neuen Grenzsteinen zu. F auf der Südseite, D und RP gen Norden.

Wir erreichen den Weg mit der Nummer 2, der uns ins Stüdenbachtal und an verträumten Weihern vorbei zum Forsthaus Stüdenbachtal führt. Eine Herde frei laufender Ziegen liegt am Weg und wartet auf die Wanderer aus Frankreich und ihre Baguette. Wer da sein Vesper auspackt, der hat gleich ein paar der Ziegen buchstäblich am Hals. Zum Parkplatz sind es jetzt nur noch ein paar Minuten. Rund acht Kilometer waren das auf Helmut Kohls Spuren.

Autor: Rolf Müller