Trauer

Rötenbacher Pfarrer Josef Kary im 99. Lebensjahr gestorben

ls

Von ls

Di, 28. Februar 2012

Friedenweiler

Liebe zu Menschen, Tieren, Pflanzen und der Heimat: Josef Kary, seit 55 Jahren Pfarrer in Rötenbach, ist tot.

FRIEDENWEILER-RÖTENBACH(ls). Josef Kary, seit 1957 Pfarrer in Rötenbach, ist am Sonntag, 26. Februar, im 99. Lebensjahr gestorben.

Am 6. August 1913 wurde Kary in Durmersheim geboren. Er verlor im Ersten Weltkrieg als dreijähriger seinen Vater. Zusammen mit zwei Halbgeschwistern wuchs er als Halbwaise auf und musste bereits als Kind bei der Arbeit in der Landwirtschaft mithelfen. Außer dem Elternhaus prägte ihn, wie er erzählte, die deutsche Jugendbewegung ab seinem 13. Lebensjahr entscheidend. Dort wurde die Liebe zur Heimat und Natur, zum Wandern, für die Kunst und die Musik in ihm geweckt. Den Ausschlag für die Berufswahl gab der sogenannte "blinde Pfarrer von Maria Bickesheim", dem der Gymnasiast Kary täglich vorlas. Er riet seinem Schüler "Tue so, wie du wünschest getan zu haben, wenn du mal am Sterben bist". So entschied sich Kary trotz seiner Liebe zur Natur und Bergwelt "für den schwarzen, nicht für den grünen Rock".

Nach dem Studium der Philosophie und Theologie in Freiburg und Tübingen wurde Josef Kary am 27. März 1938 in Freiburg durch Erzbischof Conrad Gröber zum Priester geweiht. Er war in Waldkirch, Oberbiederbach, Hornberg, Renchen und St. Georgen als Vikar tätig, ehe er von 1940 bis 1945 Kriegsdienst leisten musste und in Gefangenschaft geriet. Nach seiner Rückkehr war er als Vikar in Bühl und Friedenweiler, bevor er als Pfarrer in Langenrain eingesetzt wurde. Im Mai 1957 übernahm Kary die Pfarrei St. Leodegar in Rötenbach, die er 34 Jahre lang betreute, ehe er sie am 31. August 1991 an Pfarrer Werner Lederer übergab. Ihm, sowie seinem Nachfolger Pfarrer Josef Tänzler, stand er bis ins hohe Alter tatkräftig zur Seite. Im April 2003 feierte Kary mit einem Festgottesdienst in Rötenbach sein 65. Priesterjubiläum, wobei ihm Bürgermeister Clemens Hensler bescheinigte, immer "mutige und unbequeme Worte" gesprochen zu haben. In die Zeit seiner Seelsorgertätigkeit fielen der Umbau der Kirche und die Einweihung der Gedenktafel zu Ehren des seligen Paters Rupert Mayer. Im Dezember 1988 wurde Kary zum Geistlichen Rat ernannt.

Auf der Alpe Klesenz in Vorarlberg ließ Kary 1954 zum Dank für seine Errettung aus dem Kaukasusfeldzug (er war unter den sieben Überlebenden einer 200 Mann starken Kompanie) eine Kapelle erbauen. In 1700 Meter Höhe, unmittelbar unter der roten Wand, fand über Jahrzehnte hinweg ein Kapellenfest statt, bei welchem Kary amtierte. Bis zu 1400 Pilger wanderten jährlich zu diesen Anlässen auf die Alpe.

Im Hochschwarzwald und darüber hinaus ist Kary als Vogelpfarrer von Rötenbach bekannt geworden. Über Vögel und Pflanzen hielt er unzählige Diavorträge und hegte und pflegte in seinem 2000 Quadratmeter großen Garten unter anderem viele Singvögel, Falken, seltene Gänse, Stock- und Reiherenten sowie Bienen. Er betrieb Gemüse- und Blumenzucht 1988 wurde zu Karys Ehren der Josef-Kary-Weiher in Rötenbach gebaut und im Heimatmuseum seines Geburtsortes eine Kary-Stube eingerichtet.

1986 erhielt Josef Kary das Bundesverdienstkreuz, zwei Jahre später die Ehrenplakette der Gemeinde Friedenweiler, 1991 die Verdienstmedaille des Landes für seine besonderen Verdienste als Natur- und Umweltschützer. 2005 zeichnete ihn der Naturschutzbund Deutschland für 80-jährige Mitgliedschaft und Mithilfe "zur Bewahrung einer lebenswerten Umwelt" mit dem Ehrenzeichen in Gold aus. Kary war auch Ehrenvorsitzender der Gebirgsjägerkameradschaft Hochschwarzwald, Ehrenmitglied der Kameradschaft ehemaliger Soldaten und Träger der goldenen Ehrennadel der Gebirgstruppe.

15 Pfarrer sind aus der Kary-Familie hervorgegangen

Aus der Kary-Familie sind im Laufe der 1000-jährigen Familiengeschichte 15 Pfarrer hervorgegangen, davon vier Bischöfe und zwei Erzbischöfe, zugleich Primas von England. Der umfassende Nachweis der Familienabstammung bescheinigt Pfarrer Kary auch die Blutsverwandtschaft mit der tödlich verunglückten Lady Diana, denn sein Vorfahre Thomas Cary hatte sich durch Heirat mit Lady Eleanor Spencer verbunden, wie der Pfarrer stets gerne erzählte und auch das Familienwappen dazu erklärte.

Das Totengebet für Josef Kary wird am Donnerstag, 1. März, um 18.30 Uhr in der Kirche St. Leodegar in Rötenbach gebetet, wo am Freitag, 2. März, um 14 Uhr auch das Requiem stattfindet. Anschließend folgt die Beisetzung auf dem Friedhof in Rötenbach. Nachrufe werden auf Wunsch von Josef Kary nicht gesprochen.