Bei Freunden in der Stube

Christine Ehlenbröker

Von Christine Ehlenbröker

Mo, 22. August 2016

Friesenheim

Die Schwarzwaldfamilie Seitz sang im Heiligenzeller Schlössle und verzauberte die Zuhörer.

FRIESENHEIM-HEILIGENZELL. Vor vollem Haus hat die Schwarzwaldfamilie Seitz am Samstagabend im Heiligenzeller Schlössle ein Konzert gegeben. Es lief im Rahmen der 1000-Jahr-Feierlichkeiten. Die Seitz’ aus Heiligenzell sind seit vielen Jahren weit über die Grenzen Friesenheims hinaus bekannt für ihre Darbietungen und gesanglichen Qualitäten. Das 160 Zuhörer große Publikum war von Anfang an begeistert.

Gerold Eichhorn, Vorsitzender des Fördervereins 1000 Jahre Friesenheim und Heiligenzell und Ortsvorsteher von Heiligenzell, begrüßte als Hausherr das Publikum. "Wir haben keine Mühen gescheut, Künstler aus unserer Heimat für ein Konzert zu gewinnen", sagte Eichhorn. Die kleine Bühne war mit einem Blumenstrauß dekoriert. Sanfter Kerzenschein glich das grelle Scheinwerferlicht aus und die Porträts von Heinrich II. und Kunigunde waren aufgestellt. "D’r Botte Sepp", Johannes Gißler, rief das Publikum mit einer Glocke in die St. Georgskapelle und kündigte das Ereignis an.

Drei Gestalten in Mönchskutten betreten die Kapelle und schreiten mit gesenkten Köpfen nach vorn. Manuela Seitz, sowie Gabi und Karlheinz Barbo intonieren ein Stück aus dem Jahre 1016, also aus Zeiten Heinrichs II., mit leisem gregorianischen Gesang. Unter den Mönchskutten verbergen sich Trachtenanzug und -kleider, die die drei Musiker während des ersten Teils des Konzertes tragen.

Die Familie Seitz spult nicht ihr Programm herunter. Gabi Barbo erzählt zwischen den einzelnen Stücken auch über den Werdegang und die Biografie der Familie sowie Anekdoten aus den langen Jahren als Musiker. Als Einstieg ertönt das von den Eltern gesungene Stück "Es klappert die Mühle im Schwarzwäldertal" vom Band.

Besonders begrüßt wird Wilfried Seitz, ein Cousin von Gabi und Manuela, der ebenfalls eine Zeitlang bei der Schwarzwaldfamilie mit dabei war und die Gemälde von Heinrich II. und Kunigunde angefertigt hat. Vor allem Gabi Barbo spricht das Publikum stets herzlich und verbindlich, jedoch niemals aufdringlich an, so dass man sich wie bei guten Freunden im Wohnzimmer fühlt.

Nicht einfach nur Volksmusik

Mit Stücken wie "Kein schöner Land" und "Die Gedanken sind frei" singen sich die Drei sofort in die Herzen des Publikums. "Hallelujah", das Gewinnerlied des Eurovision Song Contest 1979 von Gali Atari & Milk and Honey das, wie Gabi Barbo erklärt, das Ensemble heute noch sehr liebt und es deshalb ins Programm genommen hat, findet ebenfalls großen Anklang. Ein Stück, bei dem das Publikum wie bei vielen anderen auch, mitklatschen kann.

Zweifellos ist Gabi Barbo die tragende Säule des Trios. Gatte Karlheinz Barbo spielt auf dem Keyboard, dem maßgeblichen Instrument an diesem Abend. Außerdem begleitet er mit seiner Bassstimme, imitiert Kuckucksrufe und Eisenbahnhorn. Manuela Seitz ist die zweite und leisere, aber dennoch unüberhörbare Stimme. Sie spielt das Tambourin und das Glockenspiel.

Es folgten weithin bekannte und beliebte Stücke wie "O happy Day" aus dem Musical Sister Act. "Auf der schwäb´sche Eisenbahne", "Großvaters Kuckucksuhr" und "Wenn ich ein Glöcklein wär’" werden ebenfalls gesungen – sehr zur Freude des Publikums.

Nach der Pause tritt die Schwarzwaldfamilie in Abendgarderobe vors Publikum und beginnt mit dem Überraschungswunschkonzert. Als Helmut Britsch aufsteht, um sich ein Lied zu wünschen, und die ersten Töne erklingen, geht ein Lachen durch die Reihen. Britsch, der während des Festjahres Heinrich II. verkörpert, hat "So ein Mann, so ein Mann, zieht mich unwahrscheinlich an" von Margot Werner gewählt. Marie-Luise Wiechers, im Festjahr als Kunigunde die Gattin von Heinrich II, wählte "Non, je ne regrette rien" von Edith Piaff.

Zufrieden und begeistert belohnt das Publikum die Schwarzwaldfamilie Seitz am Ende des Konzerts mit langanhaltendem Applaus.

Wer am Samstag ausschließlich Volksmusik erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Die Schwarzwaldfamilie Seitz bot ein breites Spektrum an bekannten alten und neuen Liedern, die man sowohl aus Omas guter Stube als auch aus Musicals und den Hitparaden kennt.

Die Bewirtung in der Pause hatte der katholische Kirchenchor Heiligenzell übernommen.