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15. August 2017

Nach 50 Jahren zurück in alter Heimat

Wendel Ehret ist mit seiner Maschine mehr als 1000 Kilometer von Ipswich nach Oberschopfheim zum Motorradtreffen gekommen.

  1. Erhard Weber mit seiner Zündapp DB 200, Baujahr 1937 Foto: F. Leonhardt

  2. Wendel Ehret ist mit seiner Indian Chief aus Ipswich, England, angereist. Tessa und Lotta durften im Beiwagen Platz nehmen. Foto: Frank Leonhardt

FRIESENHEIM-OBERSCHOPFHEIM. Ganz schön schlammig ist’s am Freitagabend noch gewesen, als DJ Latsche im großen Zelt auf der Lendersbachwiese Platten auflegte und die 43. Auflage des Motorradtreffens Oberschopfheim einläutete. Ab Samstag besserte sich das Wetter, viele kamen zum Treff der Motorbiker. Den weitesten Weg hatte einer aus England zurückgelegt.

Über 1000 Kilometer hatte Wendel Ehret hinter sich, der mit seiner "2014er Indian Chief" aus dem südenglischen Ipswich angereist war. Vor 50 Jahren war der gebürtige Niederschopfheimer nach England ausgewandert, 40 Jahre lang stach er von dort aus in See. Jetzt kehrte er erstmals mit seiner noblen 90 PS-Maschine des "America first"-Herstellers Indian samt Beiwagen in seine alte Heimat zurück. Zu Hause hat er vom gleichen Hersteller noch eine Maschine Baujahr 1937. Auf die Frage, ob er auch mit dieser hätte fahren können, antwortet Ehret: "S’ Motorrad hätt’ des mitgmacht, aber der Fahrer nit, s’Krizz...". Will heißen, die alten Krafträder hatten im Gegensatz zu den neuen so gut wie keine Federung.

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Offensichtlich hatte Erhard Weber noch ein gutes Kreuz, der mit seiner Zündapp DB 200, ebenfalls Baujahr 1937, aus dem 1400 Seelen-Dörfchen Stahringen, das zu Radolfzell am Bodensee gehört, angereist kam. Mehr als 55 000 Kilometer hat der stolze Besitzer der Maschine mit seinem 197 Kubik-Einzylinder-Motor und bescheidenen sieben Pferdestärken bereits "gerissen", wie er sagt. Ausschließlich zu Treffen ist der gelernte Landwirt seit nunmehr 40 Jahren damit unterwegs. Zuletzt war er Anfang Juli beim Treffen in Kippenheim, wo er seine große Pokalsammlung gleich um zwei vergrößern konnte. Es ist jetzt das vierte Mal, dass er Oberschopfheim ansteuert. 1977, beim dritten Lendersbachtreffen, war er dabei, dann 1978 und nach einer größeren Pause beim 40. Jubiläumstreffen vor drei Jahren. Weber selbst ist 19 Jahre jünger als sein Motorrad, also Jahrgang 1956; die beiden sind jedes Jahr bei drei oder vier Zusammenkünften dabei. Da gibt es auch schon mal größere Anfahrten wie die ins norddeutsche Brokdorf. Vor 40 Jahren hat er die Zündapp in einem erbärmlichen Zustand erworben, sie bedurfte einer aufwändigen Restauration. Mit maximal 70 Stundenkilometern ging es nach der Übernachtung in seiner "Villa", einem kleinen Zelt, am Sonntagmorgen wieder zurück an den Bodensee.

Auch Franzosen zählen zu den Stammgästen

Neben den Motorradfreunden aus Nordfriesland gehören auch Franzosen zu den Stammgästen des Lendersbachtreffens. Seit vielen Jahren dabei sind die "motocyclistes" des MC Gord-Naid, die zu fünft mit ihren modernen Maschinen rund 600 Kilometer aus der Normandie angereist waren. Sie schwärmen vom "süper" Bier und von der perfekten Organisation des Treffens. Dafür sind die Motorradfreunde Oberrhein unter der Leitung von Martin Ehret und Harald Ziegler verantwortlich. Am Sonntag konnten sie wieder einmal auf einen friedlichen und stimmungsvollen Verlauf des großen Familienfestes zurückblicken, nachdem in der langen Nacht zuvor die Band Jack Daniels das Festzelt so richtig zum Abrocken gebracht hatte.

Autor: Frank Leonhardt