DNA-Spuren führen zu weiterer Sexualstraftat

Carolin Buchheim

Von Carolin Buchheim

Mi, 25. Januar 2017

Freiburg

Landgericht Freiburg verurteilt 21-Jährigen wegen Vergewaltigung und schwerer sexueller Nötigung in Bad Krozingen und Freiburg.

FREIBURG/BAD KROZINGEN. Fünf Jahre Jugendstrafe lautet das Urteil des Landgericht Freiburg als Jugendkammer für einen 21-Jährigen Mann wegen zweier Sexualdelikte in Südbaden.

Der Asylbewerber gestand bei Prozessbeginn am Dienstag, im Juni 2016 in Bad Krozingen eine 55-Jährige durch den Kurpark verfolgt und unweit der betreuten Wohneinrichtung, in der sie lebt, brutal angegriffen, vergewaltigt und beraubt zu haben. Das Opfer konnte erst nach vollzogener Vergewaltigung fliehen. Außerdem gab er zu, drei Wochen später eine 28-Jährige auf der Damentoilette eines Clubs in der Freiburger Innenstadt attackiert zu haben, indem er sich hinter ihr in die Toilettenkabine drängte, sie würgte und mit einer Schere bedrohte, um den Geschlechtsverkehr zu erzwingen. Nur das beherzte Eingreifen anderer Clubbesucher verhinderte die Vollendung der Tat.

Die Aussagen der Opfer und DNA-Spuren belegten die Taten zudem. In Bad Krozingen hatte der Mann persönliche Gegenstände zurückgelassen, auch an der Unterwäsche des Opfers fand sich verwertbares Spurenmaterial. Nach seiner Festnahme in Freiburg konnte der DNA-Abgleich erbracht werden. Zu Beginn der Verhandlung präsentierte Staatsanwältin Nikola Nowak die überraschende Nachricht, dass der Mann wohl auch der Täter einer weiteren mutmaßlichen Vergewaltigung im Bad Krozinger Kurpark ist. Wenige Tage nach der ersten Tat hatte ein Zeuge bei strömendem Regen einen gewaltsamen Geschlechtsakt auf einer Wiese beobachtet. Der Zeuge ging dazwischen, doch sowohl Täter als auch Opfer verließen den Tatort. Der Täter ließ auch hier Kleidungsstücke zurück, an denen seine DNA gefunden wurde.

Mit gesenktem Kopf und den Händen in Handschellen saß der 21-jährige Täter weitgehend unbeeindruckt und seinem Übersetzer zugewandt auf der Anklagebank. Er stammt aus Gambia, kam im Oktober 2015 über Italien nach Deutschland und war seit Mai 2016 in einer Gemeinschaftsunterkunft in Bad Krozingen untergebracht. Erst als Staatsanwältin Nowak eine Gesamtstrafe von acht Jahren und anschließende Sicherungsverwahrung forderte, zeigte er eine Regung. Die kommentierte Claudia Oertel, Vertreterin der Nebenklägerin aus Freiburg, in ihrem Plädoyer: "Da hat er das erste Mal gemerkt, dass das, was er getan hat, so hart bestraft wird." Die Kammer unter dem Vorsitz von Richter Wolfgang Kronthaler entschied sich jedoch, den Angeklagten nach Jugendstrafrecht zu verurteilen. Zur Tatzeit war er 20 Jahre alt, ein Altersgutachten hatte das bestätigt. "Wie es mit Ihnen weitergeht, weiß niemand", sagte Kronthaler in der Urteilsverkündung. "Lernen Sie in der Haft Deutsch. Machen Sie eine Ausbildung, die Ihnen im weiteren Leben hilft, egal wo das sein wird."

Beide Opfer leiden massiv unter den Folgen der Taten. "Es gab ein Leben vor der Tat und eins nach der Tat", sagte Clauda Meng, Vertretern der Nebenklägerin aus Bad Krozingen. "Das nach der Tat wird für immer anders sein."

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Auf den Mann kommen noch weitere Verfahren zu. In der JVA Freiburg hatte er im Dezember ein Feuer in seiner Zelle gelegt, in der sein Mithäftling schlief. Die Staatsanwaltschaft erwägt die Anklage wegen versuchten Mordes.