Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

27. Mai 2016 00:00 Uhr

Kandern-Wollbach

Zurück ins Dorf: Neue Chefin im Jägerhaus in Egerten

In Stuttgart leitete Jolanda Wermuth die Küche eines Szenerestaurants, jetzt etabliert sie sich als die neue Chefin des Jägerhauses in Egerten. Mit neuen Ideen will sie den Erfolg der Eltern fortsetzen.

  1. Jolanda Wermuth (links) und Melanie Guttwein (rechts) mit Australian Shepherd Hund Pokie und Schwan Sydney Foto: Birgit-Cathrin Duval

Von der Großstadt zurück ins Heimatdorf: In Stuttgart leitete Jolanda Wermuth die Küche eines Szenerestaurants, jetzt ist sie neue Chefin des Jägerhauses in Egerten. Warum sie der Landeshauptstadt den Rücken kehrte? Mit neuen Ideen will sie den Erfolg ihrer Eltern fortsetzen.

Seit etwas mehr als einem halben Jahr sind Jolanda Wermuth (26) und Küchenchefin Melanie Gutt-wein (36) die neuen Gastgeberinnen im Jägerhaus. Beide waren bisher als Küchenchefinnen in Stuttgart tätig. Wermuth leitete ein portugiesisches Restaurant, Guttwein kochte im renommierten "Goldenen Adler".

Als Jolanda Wermuths Eltern, Christoph und Tiffany Wermuth-Buckingham, nach 28 Jahren im Jägerhaus einen beruflichen Neuanfang wagten, stand der Entschluss für die beiden Köchinnen fest, das Jägerhaus gemeinsam weiterzuführen. "Eine spannende Herausforderung", betonen beide. Für Jolanda Wermuth ist es die logische Konsequenz ihrer früh entdeckten Leidenschaft. "Dem Papa hab’ ich immer in die Töpfe geguckt." Nach dem Abitur lernte sie in einem Sterne-Restaurant und Fünf-Sterne Superior Hotel. Im Anschluss an die Kochlehre folgte ein Studium in Küchen- und Servicemanagement, das sie 2012 mit Auszeichnung bei der IHK Stuttgart abschloss. Melanie Guttwein kam erst über Umwege zum Kochen. Als erster weiblicher Azubi im Bodenseekreis absolvierte sie 1996 eine Lehre zur Kfz-Mechanikerin. Danach radelte sie viele Jahre als Fahrradkurier durch Stuttgart. 2008 wurde sie sogar Europameisterin bei den Europäischen Cycle Messenger Meisterschaften. In dieser Zeit fing sie als Küchenhilfe an, um den kargen Lohn als Radkurier aufzubessern. So entdeckte sie, dass ihr die Arbeit am Herd viel mehr Spaß machte, als in die Pedale zu treten. Ihr damaliger Chef ermutigte sie, eine Lehre zu machen. Mit 28 Jahren stand Melanie Guttwein als Lehrling in der Küche des "Goldenen Adlers" in Stuttgart, den sie einige Jahre später als Küchenchefin leiten sollte.

Werbung


Die Möglichkeit, das Jägerhaus zu übernehmen, sehen beide als spannende Herausforderung. "Als Familienbetrieb wollen wir keinen neuen Gourmet-Tempel aufbauen", sagt Jolanda Wermuth. Sie sind bodenständige Küchenwerkerinnen und der regionalen-saisonalen Küche verpflichtet, die sie mit Nuancen verfeinern. "Die Qualität unserer Produkte steht an erster Stelle", betonen beide. Für den Service zeichnet sich Jolanda Wermuth verantwortlich, während Melanie Guttwein als Küchenchefin fungiert. Der Umzug von Stuttgart aufs Dorf ist ihnen leicht gefallen. Beide sind naturverbunden, und während Melanie Guttwein gerne gärtnert, entspannt sich Jolanda Wermuth am liebsten im Garten beim Lesen. Auch ihre Katzen fühlen sich auf dem Land sichtlich wohler als in der Stadt.

Auf einer Reise durch Asien und Australien sammelten sie Inspirationen und experimentierten mit neuen Rezepten, die sie in den kommenden Monaten anhand einer kulinarischen Reise ihren Gästen vorstellen möchten. Die Tradition von australischen Gerichten – von Anbeginn urtypische Küche im Jägerhaus – will Jolanda Wermuth als australische Staatsbürgerin fortführen. Gäste dürfen gespannt sein, was das Team Wermuth/Guttwein an neuen Gerichten kreiert hat – wie beispielsweise "Port Douglas Delight", ein klassisches Fischgericht der australischen Ostküste mit Merlan-Filet, Jakobsmuschel im Backteig und Pommes Pont Neuf mit Sauce Tatar.

Der Naturpark mit den vielen Teichen und das Max-Böhlen-Museum spielen weiterhin eine große Rolle im Zusammenspiel von Küche, Kunst, Natur, dem Motto des Restaurants. Das an das Restaurant angebaute Museum, das von Jolanda Wermuths Großvater, Andreas Böhlen, geführt wird, zeigt Werke aus dem Nachlass des Schweizer Malers, die auch in einer wechselnden Ausstellung in den Gasträumen zu sehen sind.

Autor: bcm