Geburt in der Fremde

Ute Schöler

Von Ute Schöler

So, 18. Februar 2018

Kreis Emmendingen

Der Sonntag Caritasverband bietet im Kreis Emmendingen Kurse für geflüchtete Frauen an.

Der Caritasverband bietet im Landkreis Emmendingen verschiedene Projekte speziell für Frauen mit Fluchterfahrung an. Ein Geburtsvorbereitungskurs wird von Übersetzerinnen in verschiedenen Sprachen begleitet. Für weitere Projekte sucht die Frauenreferentin Edith Kulzer-Schwab Mitwirkende.

Sieben Frauen haben sich im Caritas-Pflegeheim an der Lessingstraße zum Geburtsvorbereitungskurs versammelt. Ihre kulturelle Herkunft und Fluchtgeschichte ist sehr unterschiedlich, doch die Gegenwart verbindet: In einem noch fremden Land werden sie bald Mütter sein. Die Stimmung ist entspannt, mancher Bauch schon kugelrund. Eine junge Iranerin flüstert mit der Übersetzerin und wagt mit ihrer Hilfe eine Frage. Gertrud Kußmann, zuständig für "Frühe Hilfen" im familienbegleitenden Dienst des Emmendinger Landratsamtes, antwortet mit klaren Gesten und einfachen Sätzen in die Runde. Drei Dolmetscherinnen übersetzen die Antwort in verschiedene Sprachen. Dann gehen arabische, englische und persische Worte innerhalb der Frauengrüppchen hin und her, vereinen sich im Raum zu vielstimmigem Murmeln. Schritt für Schritt wird alles erörtert – ein langsamer, würdevoller Prozess.

Im anschließenden Gespräch betont die Übersetzerin Zineb Ait Benmessoud, dass sie nicht geflüchtet, sondern vor Jahren "ganz normal" aus Marokko nach Deutschland gezogen sei. "Ich spreche auch syrisches Arabisch", erklärt die erfahrene Mutter, die unter anderem für Baraan Almanajreh übersetzt. Die junge Syrerin hat in Herbolzheim einen Landsmann kennengelernt und geheiratet. Jetzt erwartet sie ihr erstes Kind und freut sich über alle Informationen, auch zur Orientierung im deutschen Gesundheitswesen.

Beim ersten Kursvormittag im Januar waren besonders die Erstgebärenden konzentriert bei der Sache. "Dass man bei der Geburt gut atmen soll", hat eine der jungen Frauen damals von der Hebamme Anja Langenbacher erfahren und führt dies gleich lachend vor. Beim zweiten Termin des insgesamt sechsstündigen Kurses übersetzt die aus Kamerun stammende Sozialarbeiterin Leocadie Nganawa für die nigerianischen Teilnehmerinnen auf Englisch, was im ersten Lebensjahr wichtig ist – Stillen, Schlafen und die salzlose Breizubereitung vor allem. Illustrierte Plakate vermitteln weitere Inhalte.

Nach der Geburt, wenn die Babys ein paar Monate alt sein werden, sind die Mütter mit ihnen mittwochs zum Mütter-Kind-Treff eingeladen, bei dem sie einander über die verbindenden Erfahrungen weiter kennenlernen oder von Edith Kulzer-Schwab und ihren Fachleuten wichtige Tipps erhalten können.

Edith Kulzer-Schwab, die den Kurs organisiert hat, ist seit August 2017 mit einer vom Bundesministerium für Migration geförderten 50-Prozent-Stelle beim Caritasverband speziell für die Anliegen geflüchteter Frauen im Landkreis zuständig. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die intensive Einzelbetreuung mit vielen Hausbesuchen. "Ich führe dabei viele Gespräche und versuche auf die individuelle Bedürfnislage einzugehen", sagt die Frauenreferentin. Einen weiteren Fokus definiert sie mit dem Wort Vernetzung: "Im Februar habe ich zum Beispiel ein Treffen aller Frauenprojekte im Landkreis angeregt. Der Vernetzungsbedarf ist so hoch, dass wir uns im März wieder treffen."

Unter anderem wurde das Frauencafé "Felsenkeller" in der Waldkircher Flüchtlingsunterkunft wiederbelebt. Wie andere Angebote dient es einerseits dem lockeren interkulturellen Kontakt und vermittelt andererseits mit thematischen Nachmittagen wichtige Kenntnisse, etwa zum Arbeitsmarkt, zur Empfängnisverhütung oder zur Zahngesundheit. Wenn möglich werden hierzu Fachleute eingeladen, die selbst Migrationserfahrung haben. Ein Fahrradkurs für Anfängerinnen soll im April starten. "Die Nachfrage kam von den Frauen selbst – wir reagieren oft spontan auf Ideen und Anliegen", erzählt Kulzer-Schwab, die die Eigeninitiative ihrer Klientinnen fördern möchte. Für Juni ist ein Vortrag mit der Islam- und Politikwissenschaftlerin Asye Almila Akca geplant.

Interkulturell interessierte Frauen sind bei den Projekten zur Mitarbeit willkommen. Der nächste Geburtsvorbereitungskurs findet voraussichtlich im März oder April statt.
Kontakt per E-Mail an edith.kulzer-schwab@caritas-emmendingen.de oder unter Telefon 01 52/34 73 30 14