Gefährdete Faszination

Andrea-Silvia Végh

Von Andrea-Silvia Végh

So, 07. Oktober 2018

Kunst

Der Sonntag Das Kunsthaus Baselland widmet sich mit Beehave den Bienen in der Kunst.

Die bedrohten Bienen sind ein Topthema unserer Zeit. Das Kunsthaus Baselland zeigt nun künstlerische Positionen, die sich auf vielfältige Weise mit Leben, Wirkung und Gefährdung der Insekten beschäftigen.

Nicht erst seit Maja Lunde 2017 den großartigen Roman über die Bedeutung der Bienen und des Individuums geschrieben hat, sind die Biene und ihre Leistung für die Menschheit in aller Munde. Wir haben sogar Bienenstöcke in unsere Städte geholt, um nicht auf das Bestäuben unserer Stadtpflanzen und auf Honig verzichten zu müssen. Denn die Biene ist bedroht, dezimiert und manche Völker bereits ausgestorben.

Im Kunsthaus Muttenz in Baselland hat sich die Direktorin Ines Goldbach in Zusammenarbeit mit der Fondacio Juan Miro aus Barcelona der Biene, ihrem Arbeitsprodukt, dem Wachs und dem Honig, sowie ihrem Verhalten im Werk von 25 Kunstschaffenden angenähert.

Ein Gespräch mit der 1968 geborenen "Schweizerin vom Land" Sandra Knecht, das im zweisprachigen Katalog nachzulesen ist, begreift hierbei eine "Transformation als Möglichkeit". In dieser berichtet sie von ihrer "Suche nach dem Essen" , die über den Geschmack geht – wovon die zahlreichen gefüllten Einmachgläser im Untergeschoss des Kunsthauses zeugen und Besuchenden buchstäblich das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Einmal im Monat kocht die Künstlerin öffentlich und versucht so, ihre Heimat und Identität, die auch bitter und spröde sein kann, erfahrbar zu machen. 1968 in Baselland geboren, erhielt sie nach Studien an der Zürcher Hochschule der Künste, der Schauspielschule und Praxis in Sozialpädagogik bereits mehrere Auszeichnungen, darunter 2016 den Werkbundpreis Baden-Württemberg.

Die zumeist seriell angeordneten Zeichnungen der japanisch-schweizerischen Künstlerin Leiko Ikemura erzählen häufig von Übergängen, so die Kohlezeichnung "Honigtasche", die von Ikemuras großer Naturnähe und Faszination auf surreale Weise zeugt. Auch Werke berühmter verstorbener Künstler sind zu entdecken, so die Bronzeskulptur "Filette au chapeau nid d’abeilles" (Mädchen mit Bienennesthut) des Spaniers Joan Miro von 1966.

Die aquarellierte Zeichnung einer Bienenkönigin von Joseph Beuys aus dem Jahr 1955, die auf das Gespräch des Künstlers vom Dezember 1975 in einem Artikel für die Rheinische Bienenzeitung hinweist. Die grandios umgesetzte Monotypie "Bienenflug" der Deutschschweizerin Meret Oppenheim von 1958 gehört ebenso in diese Reihe.

Der 1961 in Wuppertal und jetzt in Freiburg lebende Till Velten, der seit Jahren mit Interviews von Normalbürgern, aber auch Celebrities wie dem Familienclan Swarovski aufgefallen ist, hat 2001 ein Interview mit einem Imker aus Weil am Rhein geführt, dessen Fotografie an der Wand prangt. Zwei Tonverkettungen aus diesem Jahr illustrieren symbolisch das Gespräch zwischen Imker und Künstler.

Carmen E. Kreis aus Basel vermittelt in ihrem 2009 gedrehten Video durch rasche Schnitte und eine frappante Nahsicht auf zwei Bienenvölker die tänzerischen Bewegungsfolgen, die vom Umgang der Bienen untereinander erzählen. Boris Rebetez und Katharina Anna Wieser haben je eine Eingabe für Kunst-am-Bau-Projekte in Zürich gestaltet. Mit einer an die sechseckige Struktur der Bienenwaben erinnernden abstrakten Skulptur schuf der Künstler ein Denkmal an die utopische Idee, in der Stadt nicht nur zu wohnen, sondern auch kostbare Nahrung wie Honig zu produzieren. Die Zürcherin Wieser hat mit "Schwärmen" dreidimensionale Baumodelle entworfen, die für das Dach der Tramdepots in Zürich vom Ausschwärmen und Wiederkommen von Tier und Transportmittel erzählen.

Die verschiedenen Positionen und Gestaltungen des Bienenthemas mit unterschiedlichen Techniken machen Spaß und verleiten bisweilen zu eingehenden Betrachtungen. Ein ausführliches Begleitprogramm mit zahlreichen Familienangeboten, einem Symposium und einer "spirituellen Unterbrechung" mit Pfarrer Abraham, Studienleiter in Beuggen, laden zu "Wort-Wechsel" und zum Wiederkommen ein.
Beehave Kunsthaus Baselland, Muttenz, am St.-Jakob-Park. Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr (bis 11. November).