BZ-Telefonaktion

Wie kann man heute überhaupt noch Geld sparen?

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

So, 02. April 2017 um 11:06 Uhr

Geld & Finanzen

Viele südbadische Anleger suchen eine Alternative zu gering oder gar nicht verzinsten Anlageformen wie dem Sparbuch. Dies wurde bei der Telefonaktion der BZ deutlich.

Fünf unabhängige Vermögensverwalter erklärten dabei, wohin Sparer ihr Geld umschichten können. Sie zeigten aber auch die Risiken auf, die sich bei einer Verschiebung ergeben. In manchen Situationen sollte sich der Anleger mit einer Miniverzinsung auf dem Tagesgeldkonto zufriedengeben, lautete die Empfehlung der Experten. Hier Fragen und Antworten:

Ich habe eine Wohnung verkauft und den Kaufpreis dafür schon erhalten. Das Geld soll in eine neue Wohnung fließen, die sich bereits im Bau befindet. Allerdings muss ich den Kaufpreis erst in einigen Monaten entrichten. Ich muss auch noch einen kleinen Teil des Preises für die neue Wohnung finanzieren. Was würden Sie mir empfehlen?

Sie sind auf das Geld aus Ihrem Wohnungsverkauf angewiesen. Deshalb müssen Sie das Geld auch sicher anlegen. Zudem muss es verfügbar sein, wenn Sie Ihre neue Wohnung bezahlen müssen. Deshalb empfehle ich Ihnen, das Geld auf einem Tagesgeld- oder einem Festgeldkonto mit einer geringen Laufzeit einzuzahlen. Bei einer großen Summe würde ich das Geld auf mehrere Banken verteilen. Damit gehen Sie ganz auf Nummer sicher, da der gesetzliche Einlagenschutz im Pleitefall einer Bank 100 000 Euro beträgt. Manche Banken bieten nur diesen Einlagenschutz. Sparkassen- und Volksbanken sichern sich allerdings gegenseitig ab, deshalb ist eine Pleite sehr, sehr unwahrscheinlich. Große deutsche Privatbanken sind Mitglieder des Einlagensicherungsfonds, der die Guthaben über die gesetzliche Grenze von 100 000 Euro schützt. Ob eine Bank diesem Fonds angehört, können Sie auf der Internetseite http://www.einlagensicherung.de erfahren. Bei der Finanzierung würde ich Ihnen einen KfW-Kredit empfehlen, den Sie über ihre Bank bekommen können.

Ich habe 50 000 Euro, die ich gerne anlegen will. Ich bin derzeit auf das Geld nicht angewiesen. Ich möchte erst in zehn Jahren darauf zurückgreifen. Ist der Kauf von einzelnen Aktien für mich sinnvoll?

Ein Depot mit einzelnen Aktien ergibt aus meiner Sicht erst Sinn ab einem Betrag von mehr als 100 000 Euro. Dann können Sie vernünftig streuen, also das Geld gut auf unterschiedliche Aktien verteilen. Dadurch mindern Sie das Risiko. Entwickelt sich bei einer Streuung eine Aktie schlecht, bedeutet das nicht den Verlust des ganzen Vermögens. Also nie alle Eier in ein Nest legen! Man kann sich aber auch schon mit kleineren Beiträgen am Aktienmarkt engagieren. Es ist zum Beispiel möglich, Anteile von Aktienfonds zu kaufen. Kostengünstige Aktienfonds sind die ETFs (Exchange Traded Funds), die sich an Aktienindizes wie dem Dax orientieren. Aber Vorsicht: Wenn Sie Anteile eines ETFs erwerben, sollten Sie Wert darauf legen, dass der Fonds auch tatsächlich Aktien kauft. Es gibt auch sogenannte synthetische ETFs, die nicht direkt in Aktien investieren, sondern in Wertpapiere, deren Wert an der Aktienkursentwicklung hängt. Dies kann im Pleitefall des Anbieters solcher Papiere für böse Überraschungen sorgen.

Ich möchte Gold kaufen. Das ist doch eine absolut sichere Anlage. Der Goldpreis schwankt nicht. Wo kann ich Gold kaufen?

Da irren Sie sich. Auch der Goldpreis unterliegt Schwankungen. Wir empfehlen Gold als Beimischung. Gold ist eine gute Absicherung, da sich der Goldpreis bei Krisen an den Finanzmärkten in der Regel gegenläufig entwickelt. Sie können Gold bei ihrer Bank oder bei einem Goldhändler kaufen. Es gibt auch Finanzdienstleister, die das Gold verkaufen und dann für sie geschützt einlagern. Sie können auch Aktien von Minengesellschaften kaufen. Deren Wert hängt stark von der Entwicklung des Goldpreises ab.

Mein 16-jähriger Sohn bekommt erstmals vermögenswirksame Leistungen seines Arbeitgebers. Wo soll er das Geld investieren? Es soll ihm später einmal bei der Finanzierung einer selbst genutzten Immobilie helfen.

Wir würden Ihrem Sohn empfehlen, die vermögenswirksamen Leistungen in einen Aktienfonds einzubezahlen. Das ist bei jenen Aktienfonds möglich, die für vermögenswirksame Leistungen zugelassen sind. Da Ihr Sohn einen langen Anlagehorizont hat – er will ja erst in ein paar Jahren bauen – ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass der Fonds etwaige Verluste ausgleichen kann. Über sehr lange Anlagezeiträume gesehen gehören Aktien zu den renditeträchtigsten Anlageformen.

Ich bekomme 120 Monat Euro monatlich aus meiner Lebensversicherung. Ein Bekannter hat mir empfohlen, diesen Betrag regelmäßig in einen Immobilienfonds zu stecken, der eine achtprozentige jährliche Verzinsung auf das eingezahlte Kapital verspricht. Soll ich das machen?

Lassen Sie die Hände davon. Hohe Rendite bedeutet hohes Risiko. Der Anbieter des Fonds bietet wohl deshalb solch eine hohe Rendite, weil er ansonsten kein Geld bekommt. Das deutet auf eine wenig seriöse Anlage hin.

Was halten Sie von geschlossenen Immobilienfonds?

Für Privatanleger ist diese Anlageform aus unserer Sicht nur eingeschränkt geeignet. Ein geschlossener Immobilienfonds hat wenig mit einem klassischen Investmentfonds gemein. Es handelt sich vielmehr um eine unternehmerische Beteiligung, oftmals in Form einer Kommanditbeteiligung. Es existiert kein liquider Börsenhandel und somit ist ein Verkauf der Anteile später schwierig, insbesondere wenn sich die Investition nicht wie erhofft entwickelt. Zudem kann es in Sonderfällen zu Nachschussverpflichtung kommen, bei der Sie erfolgte Ausschüttungen zurückzahlen müssen. Außerdem sollten die Investitionsnebenkosten genau im Blick behalten werden, die überhaupt nicht in ein Objekt fließen. Eine direkte Investition in eine Immobilie oder ein offener Fonds ist in der Regel die durchschaubarere Anlageform.

Noch mehr Tipps zum cleveren Sparen unter http://mehr.bz/geldanlage