Genossenschaft hält an Windkraft fest

Michael Baas

Von Michael Baas

Sa, 30. Juni 2018

Kreis Lörrach

Bürgerwindrad Blauen investiert einstweilen in Solaranlagen und kritisiert Gegner der Windkraft.

LÖRRACH (alb). Die Windenergie bietet im Kreis weiterhin Stoff für Zoff. Zwei der drei Windräder am Glaserkopf in Hasel stehen nach wie vor still, weil Natur- und Artenschutz entsprechende Spielräume sprich Blockademöglichkeiten eröffnen. Gegenüber am Rohrenkopf mobilisieren Anlieger mit dem Argument der Lärmbelastung weiter gegen den Windpark. Und die Pläne am Zeller Blauen oder auf der Hohen Stückbäume zwischen Kandern, Malsburg-Marzell und dem Kleinen Wiesental weitere Windparks zu bauen, stoßen auch auf massiven Widerstand meist kleiner, aber in der Regel gut organisierter Gruppen von Gegnern – und das obwohl beim Standort Zeller Blauen die Gemeinderäte im Kleinen Wiesental und in der Stadt Zell den Nutzungsvertrag mit den Investoren bereits abgeschlossen haben.

Aber es gibt auch eine andere Seite. Die Genossenschaft Bürgerwindrad Blauen zum Beispiel. Das ursprüngliche Ziel der Ende 2011 gegründeten Genossenschaft scheint zwar unrealistisch. Am Hochblauen jedenfalls deutet nichts auf ein konkretes Windkraftprojekt. Zwar handele es sich um eine der windhöffigsten Stellen im Land. Doch weil mit Ausnahme von Malsburg-Marzell alle Gemeinden, deren Gemarkung sich am Gipfel treffen, das Projekt blockierten und gehe nichts, kritisiert Vorstandssprecher Peter Schalajda in einer Mitteilung zur Hauptversammlung der Genossenschaft.

Ersatzweise konzentriere sich diese daher einstweilen auf die Installation von Solarstromanlagen. Inzwischen betreiben die Genossen eine Solaranlage auf dem Dach einer Schreinerei in Kandern mit einer Nennleistung von 33 Kilowatt peak (kWp). Ein Kilowatt peak wiederum entspricht hierzulande im Mittel einer Stromproduktion von etwa 950 Kilowattstunden (kWh) Jahr. Darüber hinaus ist die Genossenschaft mit 25 Prozent am größten Solarpark Südbadens auf der ehemaligen Deponie in Herten beteiligt und in wenigen Wochen gehe eine dritte Anlage auf dem Dach des Recyclinghofes in Herten (83 kWp) ans Netz. Mit diesen Anlagen produziert die Genossenschaft jährlich 880 000 kWh Solarstrom oder etwa 6300 kWh pro Mitglied, deutlich mehr als ein durchschnittlicher Vierpersonenhaushalt verbraucht. Dafür haben die Genossen fast 720 000 Euro investiert.

Dennoch verliert die Genossenschaft nicht den Fokus auf Windenergie, weil sie die effektivste Quelle regenerativen Stroms sei, betont Schalajda weiter. Der Solarpark Herten mit einer Fläche von vier Hektar produziere pro Jahr drei Millionen kWh Strom. Ein einziges Windrad mit einer Leistung von drei Megawatt (MW) wie auf dem Rohrenkopf erzeuge dagegen im Jahr sieben bis neun Millionen kWh Strom und benötigt eine Fundamentfläche von 0,05 Hektar. Auch bei der CO2-Bilanz sei die Windkraft vorbildlich. Die Hauptversammlung bekenne sich insofern dazu, regional aktiv zu bleiben. "Wir wollen, dass sauberer Strom regional erzeugt und verbraucht wird. Dann braucht es keine Stromtrassen, die den Strom von Nord nach Süd transportieren", heißt es in der Mitteilung. Infolge kritisiert die Genossenschaft auch die Windkraftgegner. Diese wollten "nicht begreifen, dass Klimaschutz letztendlich Landschafts- und Naturschutz bedeutet."