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29. April 2013

Das beste Mittel gegen das Alter

Wie tritt ein Schönheitschirurg dem eigenen Alter entgegen? Mit der gezückten Botox-Spritze? Dem Skalpell in der Hand stets bereit zum umfassenden Facelift?

  1. Filler-Unterspritzung Foto: detailblick/Fotolia.com

  2. Ästhetische Chirurgie Foto: Agentur sda

  3. Björn Stark Gesichtsabdruck mit 31 Jahren Foto: Uniklinik Freiburg

  4. Björn Stark Gescihtsscan aktuell Foto: uniklinik Freiburg

Wenn Björn Stark seine "chefspezifische Sichtweise" des optischen Alterns erläutert, meint man rauszuhören, dass sogar ästhetische Mediziner einen dritten Weg kennen: Nämlich Falten, Fettpolstern und Haarausfall mit Gelassenheit und Humor zu begegnen.

Schließlich stellt als Versuchsperson auf den Folien des gleichnamigen Vortrags kein geringerer seine schlaffer werdenden Gesichtszüge zur Schau stellt als der Chef der Plastischen Chirurgie der Uniklinik Freiburg selbst, Björn Stark. Der Vergleich von dessen aktuellen Zügen mit denen der eigenen Gesichtsmaske, die der Chirurg einst im Studium aus Gips anfertigte, fällt dabei nicht immer schmeichelhaft aus: Selbst das Gesicht eines Schönheitschirurgen, so zeigt sich, kann sich dem Einfluss der Schwerkraft auf Dauer nicht entziehen. Die Brauen rutschen wie eine Jalousie tiefer, die untere Augenpartie auch, selbst die Wangen und das Kinngewebe geben langsam Richtung Erdmittelpunkt nach.

Der größte Feind

der Schönheit:

die Schwerkraft

Oder fachmännischer und mit Starks Worten ausgedrückt: "Die Elastizität des Gewebes lässt nach, dadurch wird die Verbindung zwischen unserem Baugerüst, dem Knochen, der Haut und allem, was dazwischen liegt locker, und die Schwerkraft kann es nach unten ziehen." Die Therapie liegt für einen Chirurgen auf der Hand. Mit einem Facelift, einer Gesichtsstraffung, gilt es, das rutschende Gewebe wieder zu befestigen.Das klingt logisch, aber es gibt durchaus auch andere Meinungen. Die vor allem von Dematologen und manchen "Schönheitsmedizinern", so Stark spöttisch, vertretene Gegenthese zu diesem "Jalousie-Effekt" lautet: Im Gesicht geht mit den Jahren nicht der Halt, sondern Gewebe verloren. Folgerichtig müsse man nicht durch schmerzhafte Schnitte das verrutschte Gewebe an seinen Platz bringen, sondern durch Unterspritzungen der Haut und Falten mit sogenannten Fillern ( von English "to fill" für füllen) den Verlust ersetzen.

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Das Problem ist nur, im Gegensatz zu den anderen Fächern, in denen die Therapiekonzepte aus wissenschaftlich überprüften Theorien hergeleitet werden, scheint die Erkenntnisfindung in der ästhetischen Medizin den umgekehrten Weg zu gehen: Hier folgt die Theorie, so hat man den Eindruck, eher den meist recht einträglichen Therapiekonzepten. Und so leben eigentlich alle Parteien ganz gut davon, dass kein Mensch bisher genau weiß, was bei der optischen Alterung genau passiert.

Einen Universitätsprofessor kann das natürlich nicht befriedigen. Und so hat Stark zusammen mit seinem Oberarzt Niklas Iblher nun mittels Studien versucht, die Theorien mit handfesten Daten zu unterfüttern. Bei jeweils 20 jüngeren und älteren Frauen haben die beiden einmal im Stehen und einmal im Liegen die Gesichtsstrukturen mit einem Körperscanner festgehalten. Das Ergebnis: Tatsächlich fanden sich, so berichten die beiden Ärzte in dem Fachmagazin Plastic & Reconstructive Surgery "hoch signifikante Unterschiede bei der Gesichtsgewebe-Verschieblichkeit zwischen jungen und älteren Versuchspersonen", wie sie es nennen. Sprich: Im Liegen sieht der jüngere Mensch eigentlich wie immer, der ältere dagegen jünger aus. Für die beiden Ärzte ein Beweis für die Richtigkeit der Chirurgen-These: Denn nur wenn Tränensäcke, Doppelkinnkonturen und Hängewangenansätze durch den Einfluss der Schwerkraft auf ein mit den Jahren locker werdendes Gewebe entstehen, können sie beim Zug in die Gegenrichtung im Operationssaal auch wieder verschwinden.

"Wenn sie ein junges Gesicht anschauen", erklärt der Freiburger Mediziner, "dann ähnelt es eigentlich einem Eierkopf. Es hat einen klar konturierten Unterkiefer, kräftige Wangen und einen straffem Augenbereich." Das ältere Gesicht dagegen werde viereckig. Alles rutsche tendenziell ein Stück nach unten: Die Augenbrauenpartie hänge tiefer, die Oberlippe auch, so dass man schließlich bei geöffnetem Mund oft die Schneidezähne nicht mehr sehen könne.

Die einst sauber geformte Augenpartie löse sich oft in Müdigkeit signalisierende Tränensäcke auf. Drumherum graben sich an den Stellen, an denen Gewebe und Knochen über Bänder fester verbunden sind, tiefe Falten ins Antlitz. Die Wangen werden auf ihrem Weg Richtung Erdboden im Bereich der Falte zwischen Auge und Nase gebremst und schließlich durch Bänder zwischen Nasenflügel und Mundwinkel als Nasolabialfalte aufgehalten.

Warum das alles passiert, haben sich die Freiburger Mediziner im Bereich der Lippe schon einmal genauer unter dem Mikroskop angesehen. Der Befund: Die festen Haltefasern zersplittern in kleine Stücke, die elastischen leiern aus, die Gesichtsmuskeln verlieren Kraft, die Haut und das Unterhautgewebe an Substanz und Dicke, bis die Lippe schließlich nach unten rutscht. Beobachtungen, die für Stark eindeutig für den Wert des chirurgischen Facelifts sprechen: "Wenn ein Teppich Falten wirft, müssen Sie ihn gerade ziehen. Unterspritzen Sie die Falten, dann haben Sie zwar wieder einen flachen Teppich, aber der ist niemals der, den sie früher einmal hatten."

Was lässt uns älter

aussehen? Genau

weiß das keiner

Berthold Rzany vermögen solche Argumente nicht zu überzeugen. Für den ehemaligen Leiter der Arbeitsgruppe Evidenzbasierte Medizin in der Dermatologie der Berliner Uniklinik Charité ist und bleibt es "Quark" zu bestreiten, dass im Gesicht mit den Jahren auch Gewebe verloren geht. "Der Verlust von Fettgewebe ist durch viele wissenschaftliche Arbeiten bewiesen", sagt er.

Heute betreibt er zusammen mit der Laserspezialistin Martina Hund eine Privatpraxis, in der er selber seine Kunden mit Unterspritzungen von ihren Falten zu befreien versucht. Über mangelnde Nachfrage kann er sich nicht beschweren. Viele Menschen schreckt das Messer des Schönheitschirurgen ab, die Spritze des Dermatologen erscheint ihnen als das kleinere Übel. "Den meisten Menschen hilft am besten eine Kombination aus beidem", sagt er. Selbst viele Chirurgen verständen sich neben der operativen oft auch auf die Spritzen-Therapie.

Inzwischen versprechen seine Kollegen sogar ihren Kunden dank neuer Spritzsubstanzen noch einen Schritt weiter zu gehen: Polymilchsäure soll über Entzündungsprozesse in der Tiefe dem Gewebe neuen Halt verleihen. Ob sie dieses Versprechen halten können, das räumt auch Rzany ein, sei aber mit wissenschaftlichen Studien noch nicht sicher bewiesen.

Wer hat also recht? Die Antwort lautet immer noch: Das weiß keiner. "Der Prozess des optischen Alterns bleibt weiter unverstanden", gibt Stark zu. Wer sein Geld sinnvoll in die eigene Schönheit anlegen möchte, sollte sich deshalb genau überlegen, wo er es tut. Oder zum einzigen Gegenmittel greifen, dessen Erfolg vollständig erwiesen ist: Gelassenheit

Unterspritzen

Beim Unterspritzen werden mittels sogenannter Filler Falten und Problemzonen aufgefüllt. Häufig wird dazu das Bindegewebe-Glykosaminoglykan Hyaluronsäure verwendet. Alternativ kann auch Eigenfett verwendet werden, dass zuvor an einer anderen Körperstelle ( zum Beispiel Bauch, Oberschenkel) entnommen wird.

Beide Substanzen haben Vorteile und Nachteile. Nach einigen Monaten löst sich zum Beispiel Hyaluronsäure auf und die Therapie muss wiederholt werden. Auch bei der Eigenfett-Therapie muss wegen Resorption der Zellen nachgespritzt werden. Allerdings ist damit auch ein unbefriedigendes Ergebnis nichts für die Ewigkeit.

Beim Facelift wird das Gewebe unterhalb der Haut gestrafft und neu vernäht. Das geht auch narbenfrei, wenn ein Endoskop durch Schnitte hinter Haaransatz und im Mundinneren vorgeschoben wird. Ein Blick auf das Bild des italienischen Ex-Ministerpräsidenten Berlusconi zeigt allerdings, dass dabei auch manches schieflaufen kann. Je nach Gesichtsregion verschiebt sich das Gewebe entlang sogenannter unterschiedlicher Vektoren. "Die gilt es bei der Operation zu beachten", sagt Niklas Iblher.  

Autor: mich

Autor: Michael Brendler