Ernährung

Zu viel Superfood ist ungesund

Ansgar Taschinski

Von Ansgar Taschinski

So, 18. November 2018 um 18:00 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Bei einer ausgewogenen Ernährung sind weder Superfoods noch Nahrungsergänzungsmittel notwendig.

Acai, Baobab und Camu Camu: Sogenannte Superfoods sind mittlerweile in aller Munde. Wie man sich gesund ernähren kann und ob Superfoods und Nahrungsergänzungsmittel dafür notwendig sind, erklärten Ärzte und Ernährungsberaterinnen der Kreiskliniken Lörrach bei einer Veranstaltung zum Weltdiabetestag.

Ewiges Leben, ewige Gesundheit und Schönheit und Vorbeugung von Krankheiten: Die Werbung verspreche Unglaubliches für die Superfoods, sagte die Diätassistentin Christiane Kling. Der Trend zu Superfoods könne möglicherweise mehr Vielfalt in unsere Lebensmittelauswahl bringen und Menschen dazu bewegen, ihre Ernährungsgewohnheiten zu überdenken. Zugleich jedoch hätten die, oft aus fernen Ländern importierten Produkte, auch negative Folgen in ihren Heimatländern, wenn sie dort den Anbau von Grundnahrungsmitteln verdrängten oder die Preise in die Höhe trieben.

Wissenschaftliche Beweise für die Versprechen fehlen

Zumeist fehlten für die Werbeversprechen wissenschaftliche Beweise. Auch die Nährwertangaben seien nicht verlässlich. Die empfohlenen Höchstmengen für die Superfoods könnten leicht überschritten werden, was gesundheitliche Risiken berge. So solle man etwa nicht mehr als 15 Gramm an Chiasamen pro Tag zu sich nehmen. Bei Acai-Beeren könne es zu Vergiftungen kommen wegen des hohen Mangan-Gehaltes.

Zum Teil fänden sich Rückstände von Pestiziden und Krankheitserreger auf den Superfoods. Auch Wechselwirkungen mit Medikamenten müssten bedacht werden. Man solle sich beim Einkaufen somit überlegen, ob man diese neuartigen Produkte wirklich benötige. "Wir haben in Deutschland ein super tolles Lebensmittelangebot."

Auch Nahrungsergänzungsmittel sind auf dem Vormarsch. Über eine Milliarde Euro wurden im vergangenen Jahr dafür in Deutschland ausgegeben, weiß Ernährungsberaterin Anna Wunderlin. Auch hier sei die Gefahr einer Überdosierung groß. Wenn eine Tablette mit Vitamin C und Zink bereits mehr als 50 Prozent des Tagesbedarfs abdeckt, ist der empfohlene Bedarf in Kombination mit regulären Mahlzeiten rasch überschritten.

Ausgewogene Ernährung liefert alle Vitamine

Auch bei Nahrungsergänzungsmitteln müsse zudem die Wechselwirkung mit Medikamenten im Auge behalten werden. Falls ein Mangel vorliege, solle man dies am besten mit seinem Arzt oder seiner Ärztin abklären, die dann reguläre Medikamente verschreiben könnten. Bei einer ausgewogenen Ernährung bekomme man in der Regel alle Vitamine und Nährstoffe, die der Körper brauche, sagte Wunderlin.

Daniel Kammerer, Oberarzt in der Inneren Medizin in Schopfheim, widmete sich der Wirkung von Vitamin B12. Dieses finde sich vor allem in tierischen Produkten. Während ein Mangel an Vitamin B12 in den Entwicklungsländern aufgrund von Mangelernährung häufiger vorkomme, liege der Grund für einen Mangel bei uns meist in einem Problem bei der Aufnahme im Verdauungstrakt. Auch Magenschutztabletten und das Diabetesmedikament Metformin könnten die Aufnahme von Vitamin B12 hemmen. Der Körper braucht das Vitamin unter anderem zur Zellteilung, Blutbildung und für das Wachstum und die Reifung von Nervenzellen. Außer bei strengen Veganern sei ein Mangel einer normalen Ernährung und ohne Vorliegen einer körpereigenen Störung nicht zu erwarten.

Zur guten Ernährung gehört Spaß am Essen und Trinken

Im Anschluss kam aus dem Publikum eine Frage zur Einnahme von Vitamin D. Kammerer, wie auch der Chefarzt der Inneren Medizin in Schopfheim, Michael Maraun, erklärten, dass bei ausreichend Sonnenlicht, etwa 15 Minuten pro Tag auf Gesicht und Unterarme, vom Körper genug Vitamin D gebildet werde, das streng genommen auch kein Vitamin sei. Bewegung und Zeit an der frischen Luft könne man im Gegensatz zu Vitamin D alleine kaum überdosieren, so Maraun. Eine gute Ernährung müsse man selbst in die Hand nehmen. Dazu gehöre auch Spaß an gutem Essen und Trinken.
Termin:

Nächster Vortrag des Gesundheitsforums im Kreiskrankenhaus Lörrach am 22. November, 18.30 Uhr, zum Thema Gelenkspiegelung (Arthroskopie) des Hüftgelenkes mit Winfried Reichert und Christoph Haag