Das Pumpspeicherwerk und seine Folgen

Sandhya Hasswani

Von Sandhya Hasswani

Sa, 03. Mai 2014

Herrischried

Rund 20 Naturinteressierte waren bei der Maiwanderung der BI Atdorf dabei.

GÖRWIHL. "Vielleicht erwischt uns die Kamera", warnt Michael Peter die 22 Maiwanderer, die der Einladung der BI Atdorf gefolgt waren. Vorsichtig schreiten sie am Drahtzaun entlang, der das Gelände der Schluchseewerk AG im Schwarzenbachtal oberhalb von Görwihl abgrenzt. An dieser Stelle wird der Ibach zu großen Teilen in einen elf Kilometer langen Stollen abgeführt, der in das Eggbergbecken mündet. Bedrückt begutachtete die Gruppe, wie von dem majestätischen Bergbach ein mickriges Rinnsal übrigbleibt, das gerade noch 25 Liter pro Sekunde führt – unzureichend für ein sensibles Gewässer und seine Bewohner, sagt Michael Peter.

Grund für die Wanderung entlang des Schwarzen- und des Ibachs, gab auch in diesem Jahr das geplante Pumpspeicherwerk Atdorf der Schluchseewerk AG. Denn die in diesem Zusammenhang stehenden Eingriffe an Wäldern, Quell- und Schutzgebieten können am Beispiel des Lindauer-Tals eindrucksvoll aufgezeigt werden.

Bereits in den 60er Jahren hatte das Schluchseewerk die Moorlandschaft aufgekauft und auf Höhe des Naturdenkmals "Gletscher-Mühle" am Schwarzbach die Staumauer für das Lindaubecken geplant. Ganze Moore, Wälder und Weidelandschaften wären in dem 3,4 Kilometer breiten und 1,8 Kilometer langen Stausee versunken. "Wollgras, Siebenstern und Tannenbart finden wir fast nur hier oben", erklärt der Diplom-Gewässerbiologe Michael Peter von der Bürgerinitiative Atdorf. Die seltene Flechte Tannenbart sei ein Indikator für äußert reine Luft. Immer wieder bleibt der Biologe und Wanderführer stehen und klärt die wissbegierige Gruppe über Flora und Fauna des heutigen europäischen Schutzgebiets (FFH-Gebiet) auf. Aus dem ganzen Hotzenwald, dem Rheintal und sogar aus Zürich waren Natur- und Wanderfreunde im Alter von fünf bis 75 Jahren für diese Maiwanderung angereist.

Fast unvermeidlich kommen die BI-Atdorf-Mitglieder und die anderen Wanderer auf das Pumpspeicherwerk Atdorf zu sprechen. "Während das Eggbergbecken ein Kraft-Speicherwerk ist, würde das Atdorf-Becken allein der Speicherung und nicht der Energieerzeugung dienen und dabei ähnliche sensible Feuchtgebiete wie im Lindauer-Tal zerstören", erklärt Michael Peter. Wie schwierig eine Umsiedlung der Lebewesen in alternative Gebiete ist, zeige sich bei der Suche nach Ausgleichs-Flächen. Ob sich nach Natureingriffen wieder eine gewisse Unberührtheit schaffen lässt, sei aber fraglich.