Im Hüsli soll es bald ums Hüsli gehen

Wilfried Dieckmann

Von Wilfried Dieckmann

Sa, 17. Dezember 2016

Grafenhausen

BZ-INTERVIEW mit Jürgen Glocker, Kulturreferent des Landkreises Waldshut, zum Heimatmuseum Hüsli / Kommen neue Angebote?.

GRAFENHAUSEN. Das Heimatmuseum Hüsli in Rothaus befindet sich derzeit in der sogenannten Winterpause und wird ab dem zweiten Weihnachtsfeiertag wieder mit Leben erfüllt sein. Wie war eigentlich die abgelaufene Saison im Jahr 2016? Können sich die Besucher im nächsten Jahr auf Neuerungen einstellen? Konnte die neue Leiterin der musealen Einrichtung im ersten Jahr ihrer Tätigkeit bereits neue Akzente setzen? Fragen, die Kreiskulturreferent Dr. Jürgen Glocker im Gespräch mit Wilfried Dieckmann beantwortete.

BZ: Herr Glocker, beim Fototermin vor dem kameraerprobten Heimatmuseum war es angesichts der tiefstehenden Sonne nicht ganz einfach, in die Kamera zu schauen. Apropos Kamera: Wie hat sich das Hüsli eigentlich nach dem großen Boom der Fernsehserie "Schwarzwaldklinik" mit Dr. Brinkmann und Co entwickelt?
Glocker: Es war in der Tat vor dem Heimatmuseum Hüsli in Rothaus bei dem vorweihnachtlichen Sonnenschein nicht ganz einfach, den Blick in Richtung Kamera zu richten. Sie haben Recht. Die Fernsehserie hat natürlich einen Besucherandrang erster Güte ausgelöst. Der riesige Boom mit bis zu 130 000 Besuchern im Jahr, der durch die "Schwarzwaldklinik" ausgelöst wurde, ist inzwischen selbstverständlich vorbei. Gleichzeitig spielt das Thema "Schwarzwaldklinik" immer noch eine große Rolle. In erster Linie tritt jetzt aber das Haus als Museum, als volkskundliche Einrichtung wieder in den Vordergrund und erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit.
BZ: Die Saison 2016 gehört der Vergangenheit an. Waren Sie zufrieden?
Glocker: Wie sind sehr zufrieden. Das Hüsli war auch 2016 das klassische Aushängeschild des Südschwarzwaldes, wenn nicht gar des ganzen Schwarzwaldes. Es war als museale Einrichtung, die einen lebensnahen Einblick in die Kultur und die Lebensart des Hochschwarzwaldes in früheren Zeiten vermittelt, gut, oft sogar sehr gut besucht. Es haben im Sommer auch wieder Konzerte vor dem Hüsli stattgefunden, die bis zu 400 Personen anzogen. Wir haben zudem überlegt, wie im Hüsli zukünftig neue Akzente gesetzt werden können.

BZ: Neue Akzente setzen? Heißt dies, die erfolgreiche Konzertreihe gehört der Vergangenheit an?
Glocker: Nein, die Konzertreihe wird fortgesetzt. Es kann mittlerweile von einer schönen Tradition gesprochen werden, die von den Besuchern gerne angenommen wird.

BZ: Herr Glocker, die Hüsliverwaltung hat sich zum Ende des letzten Jahres geändert. Konnte in dieser Zeit Anita Müller-Berthold bereits ihre eigene Handschrift einbringen?
Glocker: Es ist klar, dass sich bei einem Museum, das nicht mit Wechselausstellungen, sondern mit einer Dauerausstellung arbeitet, die mehr oder weniger fix und fertig ist – also einem Haus, das sich quasi selber ausstellt ¬- eine neue Handschrift nicht so deutlich manifestieren kann. Aber man kann ohne Wenn und Aber sagen, dass Frau Müller-Berthold durch intelligentes, publikumsfreundliches und organisatorisch sehr geschicktes Arbeiten eine sehr gute Atmosphäre im Haus geschaffen hat. Sie hat viele Ideen. Zwischenzeitlich konnten wir die eine oder andere auch schon umsetzen. Wenn Sie genau hinschauen, wird Ihnen auffallen, dass beispielsweise im Freigelände die Raseneinzäunungen entfernt wurden. Der Hüsli-Garten ist ein echtes Juwel und atmet den Geist der ursprünglichen Hausherrin Helene Siegfried. Aber selbstverständlich kümmern wir uns nicht nur um den Garten. Zusammen mit Frau Müller-Berthold haben wir weitere Ideen entwickelt, die in der Zukunft umgesetzt werden sollen.

BZ: Herr Glocker, Sie machen die Leser der Badischen Zeitung neugierig. Welche Ideen sollen denn umgesetzt werden?
Glocker: Dazu kann ich Ihnen gerne etwas sagen. Es geht beispielsweise um Projekte für Kinder und Jugendliche. Wir denken auch an die Möglichkeit, künftig einen Bereich zu schaffen, in dem es im Hüsli ums Hüsli geht. Gemeint sind kleine Sonderausstellungen im Museum, die sich dem Haus widmen. Außerdem geht es auch um die deutsche Mediengeschichte, da unser Volkskundemuseum selbst durch die "Schwarzwaldklinik" ein Teil dieser Geschichte ist. Das bedeutet aber nicht, dass sich das Interieur des Museums ändert, es stehen vielmehr zwei zusätzliche Räume zur Verfügung, die bisher für den musealen Bereich nicht genutzt wurden. Aber das ist noch ein Stück Zukunftsmusik.

BZ: Was hat Sie in der abgelaufenen Saison in Sachen Heimatmuseum Hüsli besonders gefreut?
Glocker: Dass Frau Müller-Berthold im Gebäude des Heimatmuseums viele Bände einer literarischen Zeitschrift gefunden hat, die Frau Siegfried, die Erbauerin des Hüsli, ganz offensichtlich gelesen hat. Das macht erneut das gedankliche Niveau der Konzertsängerin deutlich. Schön ist es auch, dass wir nun über Tonträger verfügen, die die Stimme von Frau Siegfried, die vom Leben im Hüsli erzählt, erklingen lassen. Die Erbauerin des schönen Hauses ist nun wieder stärker präsent.