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01. Oktober 2011

Bärenfelswappen ist eine Sensation

Ein mehr als 400 Jahre alter Grenzstein mit dem Wappen des Geschlechts derer zu Bärenfels aus dem 16. Jahrhundert ist aufgetaucht.

  1. „Da ist die Tatze“, meint Ewald Kaiser. Foto: Ralf H. Dorweiler

  2. Nördlich des Schulzentrums stand der Stein einmal. Foto: Ralf H. Dorweiler

  3. Ewald Kaiser (von links) erklärt die Grenzen des Herrschaftsbereich derer von Bärenfels. Kurt Paulus und Oliver Uthe lauschen gebannt. Foto: Ralf H. Dorweiler

GRENZACH-WYHLEN. "Eine Sensation", hieß es überschwänglich. Grund der Freude Ewald Kaisers war ein Grenzstein, der erste und einzige, auf dem der passionierte Hobbyhistoriker jemals das Wappen derer zu Bärenfels gefunden hat. Beim Ortstermin herrscht allerdings Enttäuschung, weil zuerst niemand den Wappenbären sehen kann.

"Doch, da ist die Tatze", sagt Kaiser und zeigt auf dem größten von vier vor dem Zehnthaus eingelassenen Grenzsteinen auf die zerklüftete Oberfläche. Es dauert einen Moment, bis sich die Augen darauf einstellen, doch wenn man den Bären einmal gesehen hat, nimmt man plötzlich auch mehr Einzelheiten wahr, die sich aus dem scheinbaren Chaos herauskristallisieren: Ein Wappenschild, ein Dreiberg, auf dem der Bär steht, eine Jahreszahl, von der allerdings die vierte Ziffer nicht zu lesen ist. Kaiser ist sich aber sicher, eine 1, eine 5, dann die 8 zu erkennen. Damit wäre der Grenzstein 1580 bis 1589 gesetzt worden, also mehr als 400 Jahre alt. Anhand der auf dem Muschelkalkstein eingeritzten Grenzlinie kann Kaiser sogar sagen, wo der Stein einmal gestanden haben muss: Eine Grenze derer zu Bärenfels mit einem solchen Winkel gab es nur an einer Stelle, direkt südlich des Gewanns Rötelstein. Kaiser zeigt es mehrfach auf der Karte.

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Das Adelsgeschlecht derer von Bärenfels war seinerzeit Lehensnehmer bei der Markgrafenschaft von Baden. Kreisarchivar Oliver Uthe vom Landratsamt Lörrach erklärt, dass deren Lehen direkt an Vorderösterreich grenzte. Als aus der Markgrafenschaft das Großherzogtum Baden wurde, seien wahrscheinlich die alten Grenzsteine ausgewechselt worden. Offenbar hat dieser Stein irgendwo überdauert.

Ungewöhnlich auch der Fundort des Steines – ebenso wie der der vier Sandstein-Markierungen, die ebenfalls vor dem Zehnthaus stehen: Als Kurt Paulus das Musée Sentimental vorbereitete, sagte ihm Bauhof-Leiter Patrick Huhmann, im Bauhof lägen noch vier alte Grenzsteine herum. Einen davon hatte Huhmann selbst aus einem Schutthaufen geholt, woher die anderen kamen, weiß er nicht. Sie sind schon lange da.

Paulus hatte in der Badischen Zeitung einen Bericht über den Grenzsteinkenner Ewald Kaiser gelesen und erkannte ihn einen Tag später auf der Straße. Er sprach ihn an, und gemeinsam überlegte man, die Steine für die Ausstellung aufzustellen. Erst nachdem der Werkhof die Steine antransportiert und gesetzt hatte – für den größten war ein Bagger nötig – fiel Kaiser bei genauerer Betrachtung auf, dass schwache Linien und Erhebungen auf dem Stein etwas bedeuten könnten. Plötzlich sah er den Bär, die drei Hügel, den Wappenschild und die Jahreszahl. Kurt Paulus erinnert sich an den Anruf: "Sensation, Sensation", habe Kaiser gerufen. "Da ist ein Bär!" Obwohl man Ewald Kaiser die Begeisterung deutlich anmerkt, versucht er, die emotionale Aussage zu relativieren: "Sagen wir nicht Sensation, sondern ein ungewöhnlicher und einzigartiger Fund." Kaiser machte sich fasziniert auf die Suche nach dem Herkunftsort des Steines.

Kurt Paulus ist sich sicher, dass viele nun schauen werden, ob sie den Wappenbären finden werden. Da der Stein vor dem Zehnthaus steht, kann er auch außerhalb der Öffnungszeiten des Musée Sentimental besichtigt werden. Bis zum 6. November ist dieses geöffnet, Mittwochs von 18 bis 20 Uhr, Samstags von 16 bis 19 Uhr und Sonntags von 15 bis 18 Uhr. Am Sonntag, 16. Oktober gibt es einen besonderen Aktionstag zusammen mit Birsfelden. "Das Museum wird sehr gut angenommen", sagt Kurt Paulus. Mehr als 300 Personen seien bereits da gewesen. Die meisten blieben etwa zwei Stunden da.

Autor: Ralf H. Dorweiler